14.07.2020 16:01

«Sogar Polizisten folgen mir»Wegen Tek (22) schauen auf Instagram alle Prügelvideos

Mit Videos von Schlägereien, Randständigen und schrägen bis illegalen Stunts erreicht der Basler Instagram-Kanal «Szene isch Basel» eine rasch wachsende Fangemeinde. Strafbar ist das nicht. Der Macher will mit dem Kanal jetzt richtig durchstarten.

von
Lukas Hausendorf

Mit solchen Videos erreicht «Szene Ish Basel» auf Instagram über 12’000 Abonnenten.

Video: 20 Minuten

Darum gehts

  • Ein Basler Instagram-Kanal verbreitet Videos von Schlägereien und Szenen, die im Nachtleben aufgenommen wurden.
  • Der Account erreicht damit eine grosse und schnell wachsende Gefolgschaft.
  • Obwohl viele der Aufnahmen Persönlichkeitsrechte verletzten, ist ihre Verbreitung aber nicht per strafbar.

Am 5. Mai wurde das erste Video auf dem Instagram-Kanal «Szene isch Basel» gepostet, Ende Juni sind es schon 233 Beiträge. Die Polizei nimmt auf den Videos oft die Hauptrolle ein. Personenkontrollen und Verhaftungen erzielen gute Quoten, mehr noch Schlägereien, Stunts von Tram- und S-Bahn-Surfern oder Videos von Randständigen. Über 12’000 User haben den Kanal inzwischen abonniert.

Auf den Videos ist viel Gewalt und Explizites zu sehen. In der Basler Medienszene wird gerätselt, wer hinter dem Account steckt. Das Onlineportal «Prime News» vermutet, dass eine Verbindung zum Basler Rapper S-Hot besteht. Von ihm stammt nämlich die Zeile «Szene isch Basel», die in einem seiner Lieder auftaucht. Und er ist tatsächlich mit dem Instagrammer befreundet.

Ich will Basel eine Stimme von der Strasse geben

Tek

20 Minuten hat den 22-jährigen, dessen Instagram-Kanal zum Stadtgespräch wurde, im Hinterzimmer eines Coiffeursalons getroffen. Tek, so nennen ihn seine Kollegen, ist im Kleinbasel aufgewachsen. Nein, er arbeite nicht da, der Salon gehöre einem Freund, er selbst sei arbeitslos, sagt er. Seine Zeit investiere er im Moment voll in seinen Instagram-Account. «Szene isch Basel soll eine Marke werden», sagt er. Merchandise-Artikel wie T-Shirts seien in Planung und am Mittwoch releast er mit Rapper S-Hot einen offizielles «Szene isch Basel»-Videoclip. Am Samstag fand der Dreh im Basler Hafen mit Dutzenden Followern statt.

«Ich will Basel eine Stimme von der Strasse geben», erklärt Tek. Er kokettiert auch mit seinem Sündenregister. Konflikt mit dem Gesetz, das kennt er aus eigener Erfahrung und ist auf Bewährung wegen eines Strassenverkehrsdelikts. Kürzlich verunfallte er trotz fehlendem Führerausweis mit einem Mercedes. «Szene isch Basel widerspiegelt auch meine Persönlichkeit», sagt er.

Ich will nicht Gewalt verherrlichen. Die Videos sollen unterhalten.

Tek

Die Videos sind aber längst nicht alle von ihm. «Szene isch Basel» hat eine schnell wachsende Community. Seine Follower schicken ihm täglich neue Videos. Sie bewegen sich in den Brennpunkten des Nachtlebens. Gibt es Action, hält fast immer jemand drauf und taggt den Kanal. «Szene isch Basel» ist ein Synonym für schräge und krasse Szenen aus dem Basler Nachtleben geworden. «Ich zeige aber nicht alles», sagt er. «Ich will nicht Gewalt verherrlichen, sondern Videos zeigen, die unterhalten und lustig sind.»

«Szene isch Basel» hat beim jungen Publikum einen Nerv getroffen. In der ganzen Schweiz sind inzwischen Nachahmer-Accounts aufgetaucht, mit denen Tek nichts zu tun hat. «Ich war der erste», betont er. Auch den Behörden ist der Instagram-Kanal mittlerweile bekannt. «Auch Polizisten folgen mir», sagt Tek. In Konflikt mit dem Gesetz kommt er wegen seiner Social-Media-Aktivitäten kaum. Die Inhalte seines Accounts sind im strafrechtlichen Sinne keine verbotenen Gewaltdarstellungen, wie Sachverständige gegenüber 20 Minuten erklärten. Die Personen, die auf den Videos zu sehen sind, müssten sich zivilrechtlich gegen die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte wehren.

«Wir werden aktiv, wenn Opfer selber Anzeige erstatten oder wenn die Monitoring-Stelle des Bundes uns auf Gewaltdarstellungen im Internet aufmerksam macht», erklärt der Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft Peter Gill auf Anfrage.

Auch Gewaltdarstellungen können von öffentlichem Interesse sein

Facebook Pressestelle

20 Minuten hat auch Facebook, das Mutterunternehmen von Instragram, auf das Thema angesprochen. Das Unternehmen lässt sich wie folgt zitieren: «Instagram ist ein Ort, an dem sich Menschen austauschen und andere auf Themen aufmerksam machen, die ihnen wichtig sind. Manchmal geht es dabei auch um Themen wie Gewalt und die Darstellungen von Vorfällen, die von öffentlichem Interesse sind. Viele Menschen, die diese Art von Inhalten teilen, möchten damit ihre Empörung über die Gewalt zeigen oder die Aufmerksamkeit anderer darauf lenken. Wir entfernen jegliche Darstellung von Gewalt, wenn diese sadistisch motiviert ist oder der Verherrlichung von Gewalt dient».

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