Gestrandet und ausgeflippt: Wehe, der Herr Minister verpasst seinen Flug
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Gestrandet und ausgeflipptWehe, der Herr Minister verpasst seinen Flug

Ein Mann verpasst seinen Flug. So weit nichts Besonderes. Doch wenn dieser Mann ein österreichischer Minister mit gesteigertem Selbstbewusstsein ist, kann das durchaus absurd werden.

Er wollte von Wien aus an den Klimagipfel in Cacún, Mexiko. Doch am Montag nahm die Reise des österreichischen Umweltministers Nikolaus Berlakovich in Paris ein abruptes Ende. Sein Flug aus Wien verspätete sich, der Anschlussflug konnte nicht länger warten, Berlakovich strandete in Paris.

Dass er wie «ein Normalbürger» 25 Euro Essensgeld bekam und in ein Hotel «abgeschoben» wurde, erzürnte das ÖVP-Mitglied masslos. «Die österreichische Botschaft in Paris ist ein Saustall», tobte der Minister. Denn die Landwirtschafts-Attachée hätte den Anschlussflug der Air France aufhalten sollen – das sei so Usus, hiess es aus dem Stab des Ministers.

Doch der Flieger rollte davon, als Berlakovich zum Gate lief. Da bekam der Minister einen «Tobsuchtsanfall» und verlangte, dass der Flieger zurückgeholt werde. Er konnte sich aber nicht durchsetzen: Die Air-France-Maschine hob ohne ihn ab. Den Landwirtschaftsattaché-Posten liess Berlakovich darauf mit sofortiger Wirkung auflösen. Zudem plant er, ein «offizielles Protestschreiben» an die Air France zu verfassen – mit Kopie an die französische Botschaft in Wien.

Hämische Reaktionen im eigenen Land

In Österreich sorgten die Aussagen des ÖVP-Mitglieds für Unverständnis und Häme. «Minister Berlakovich ist doch tatsächlich der Meinung, ein Abflug einer Maschine der Air France habe sich gefälligst nach ihm zu richten», sagte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter.

Als «peinlich, abgehoben und realitätsfremd» wertete Generalsekretär Harald Vilimsky von der Rechtspartei FPÖ die Reaktion des Umweltministers, der «einen Anschlussflug verpasst hat und sich dabei von seiner Bedeutsamkeit fälschlicherweise mit dem Papst oder dem US-Präsidenten verwechseln dürfte».

Bei Swiss kein Anrecht auf Spezialbehandlung

Auch in der Schweiz ist man überrascht über die Empörung des Ministers. Vorzugsbehandlungen für Politiker auf Linienflügen gibt es keine. «Das entscheidet allein die Fluggesellschaft», sagt Mediensprecherin Sonja Zöchling vom Flughafen Zürich.

Die Swiss bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass der politische Rang eines Fluggastes keine Rolle spielt, ob ein Flugzeug einen Anschlussflieger abwartet. «Da entscheidet allein der gesunde Menschenverstand. Fliegt ein Flugzeug verspätet ab, entsteht ein Rattenschwanz von Folgen – auch für die Passagiere, die bereits im Flugzeug sitzen. Die müssen gegen das Wohl und die Anzahl Passagiere abgewogen werden, die den Flug verpassen», sagt Pressesprecher Jean-Claude Donzel.

Hinzu kommt, dass die Swiss nur selten hochrangige Politiker transportiert. «In der Regel reisen die mit einem Privatjet oder einem Regierungsflugzeug», so Donzel. Zu den seltenen hochrangigen politischen Fluggästen gehören bei der Swiss die Schweizer Bundesräte oder Staatschefs aus Ländern, die sich keine eigenen Jets leisten können.

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