Im Aufwärtstrend: Wehe, wenn David Degen Spass hat
Aktualisiert

Im AufwärtstrendWehe, wenn David Degen Spass hat

Mit herausragenden Leistungen, einem Tor und einem Assist ist David Degen in den ersten zwei Wettbewerbsspielen des FCB der Sommertransfer, der bisher am meisten überrascht hat.

von
Eva Tedesco
Tallinn

Auf die Frage, welcher Mannschaftskollege für ihn das grösste Potenzial habe zum Überraschungsspieler der Meisterschaft zu werden, verblüffte Marco Streller wenige Tage vor dem Saisonstart mit seiner Wahl. «Ich hoffe auf David Degen», so der FCB-Captain. «Ich halte sehr viel von ihm. Er hat unglaublich viel Power und zählt – wenn er Freude am Fussball hat – für mich zu den besten Spielern, die es in unserem Land gibt.»

Offensichtlich hat Degen Spass am Spiel. Am Freitag traf er zum 1:0-Sieg gegen Servette. Und am Dienstag steuerte der Lampenberger im CL-Qualifikationsspiel gegen Flora Tallinn die Vorlage zum wichtigen Führungstor durch Alex Frei bei. Dem Zwillingsbruder von Philipp läuft es wie geschmiert, seit seiner Rückkehr zum FCB. Dabei konnte das nach einer Rückrunde bei YB, die begleitet war von Disharmonien und für Degen schliesslich mit der Rolle eines Zuschauers auf der Tribüne endete, so nicht unbedingt erwartet werden.

Selbstkritik und ehrgeizige Vorhaben

«Freitag war gut. Der Dienstag aus meiner persönlichen Sicht allenfalls okay», sagt Degen am Flughafen in der estnischen Hauptstadt kurz vor dem Rückflug nach Basel selbtstkritisch. «Ich hätte das eine oder andere besser machen müssen. Dabei denke ich an eine Chance in der ersten Halbzeit, die ich aus Präzisionsgründen vergeben habe. Ich will mich weiter steigern. Akzente setzen und Tore und Assists beisteuern. Vor allem aber will ich mich mit meinen Stärken einbringen, damit die ganze Mannschaft vorwärts kommt.»

Degen weiss, dass viele kritische Blicke auf ihn gerichtet sind. Denn seit seinem Abgang zu Mönchengladbach im Sommer 2006 war viel passiert. In Gladbach überwarf er sich im Mai 2007 mit Trainer Jos Luhukay und kehrte in die Schweiz zurück. Erst Leihweise für ein Jahr zum FCB, dann zu YB. Aber auch bei YB verlief die Karriere des Flügelspielers im Stil einer Achterbahn. Mal rauf, mal runter und nur selten spielte er eine komplette Saison auf konstant gutem Niveau durch. Das soll sich nun ändern. «Sicher habe ich Fehler gemacht, aber ich schaue nicht zurück. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft ist noch nicht da. Für mich zählt die Gegenwart.»

Doppel-Degen unberechenbar für die Gegner

Hilfestellung kann Bruder Philipp geben. Erstmals seit sieben Jahren haben die Degen-Zwillinge wieder gemeinsam in Rotblau auf dem Platz gestanden. Und sie haben gegen Flora Dampf gemacht und für viel Unruhe in den gegnerischen Reihen gesorgt. «Das weiss man ja, dass Philipp und ich sehr gut zusammen spielen. Wir verstehen uns blind und wenn wir noch besser eingespielt und im Rhythmus sind, werden wir für die Gegner unberechenbar. Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste Spiel am Samstag gegen den FC Luzern.» Und das würde bedeuten: Achtung FCL. Denn wie sagte Streller: «Wenn er Freude beim Fussball hat, gehört er zu den besten des Landes.»

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