Video-Reportage: Wehe, wenn hier der Zug stehen bleibt
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Video-ReportageWehe, wenn hier der Zug stehen bleibt

Es wird die längste Eisenbahnbrücke der Schweiz: Mitten in Zürich entstehen gigantische Bahn-Viadukte. Die Rampen sind steiler als am Gotthard - und könnten Züge zur Umkehr zwingen.

von
Adrian Müller

Der Stahlkoloss kämpft sich in 16 Metern Höhe Pfeiler um Pfeiler in Richtung Altstetten. Jeder Fehltritt könnte für die Büetzer fatale Folgen haben: «Bis jetzt ist zum Glück noch nichts gravierendes passiert», sagt SBB-Projektleiter Michel Brun im Videobeitrag. (Video: Matthieu Gilliand)

Es ist ein gigantisches Bauwerk mit eindrücklichen Ausmassen: Über 1156 Meter erstreckt sich über dem Zürcher Gleisfeld die längste Eisenbahnbrücke der Schweiz. 25 Meter über dem Boden werden die Reisenden durch den boomenden Westen Zürichs fahren. In gut vier Jahren sollen die Intercity-Züge aus dem Tiefbahnhof Löwenstrasse unter dem Zürcher HB mit 120 km/h über das Riesenbauwerk donnern. Eine Fahrt nicht ohne Hindernisse.

Die Rampen der Letzigrabenbrücke sind massiv steiler als jene auf der Gotthardstrecke. Einmal gestoppt, könnten deshalb die Schnellzüge nicht einfach wieder anfahren: «Im Extremfall müsste ein Zug zurückrollen und erneut Anlauf holen», führte Michel Brun, SBB-Projektleiter Brückenbauten Durchmesserlinie, an einer Medienführung am Dienstag aus.

Träger Stahlkoloss

Neben den riesigen Betonpfeilern sticht den Pendlern besonders seit einigen Wochen ein gelbes Stahlgerüst vor der Hardbrücke in die Augen: Der gelbe, 700 Tonnen schwere Stahlkoloss kämpft sich bis 2014 wie eine Riesenkrake Betonpfeiler um Betonpfeiler bis nach Zürich-Altstetten. Die Arbeiter betonieren mit dem auffälligen Spezialgerüst den Trog der Letzigrabenbrücke - und schaffen rund 50 Meter pro Monat.

«Richtig spektakulär wird es im Herbst, wenn das Gerüst die vielbefahrene Duttweilerbrücke überquert», sagt Gesamtprojektleiter Roland Kobel.

Grösstes Puzzle der Schweiz

Doch warum dauert die Errichtung der Letzigraben- und der Kohledreiecksbrücke insgesamt geschlagene sieben Jahre? «Der Bau ist ein gigantisches Puzzle, welches wir unter laufendem Bahnbetrieb zusammensetzen müssen», sagt Brun.

Dazu kommt noch das schwierige Terrain: Weil der Untergrund vor allem aus Sand und Kies besteht, müssen die 23 Pfeiler bis zu 50 Meter tief im Boden verankert werden. Dies sei extrem anspruchsvoll, da für die Arbeiten immer wieder Geleise gesperrt werden müssten. Dies nicht von ungefähr: Etliche Pfeiler befinden sich nur wenige Zentimeter neben Geleisen, wo Schnellzüge mit hoher Geschwindigkeit durchfahren. «Auf der grünen Wiese könnten wir die Brücken doppelt in der halben Zeit bauen», sagt der zuständige Bauingenieur Kurt Anderegg.

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