Zweiter Weltkrieg: Wehrmachtsoffizier Josef S. mordete grausam
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Zweiter WeltkriegWehrmachtsoffizier Josef S. mordete grausam

Wegen eines Massakers an 14 italienischen Zivilisten muss sich ein 90 Jahre alter ehemaliger Kompanieführer der Gebirgsjäger vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft München wirft dem Rentner aus dem bayerischen Ottobrunn vor, 1944 in der Toskana als Reaktion auf einen Partisanenüberfall einen Vergeltungsschlag befohlen zu haben, bei dem 14 Menschen getötet wurden.

Über seinen Anwalt wies der angeklagte Josef S. zu Prozessbeginn sämtliche Vorwürfe zurück. Der Rentner wurde wegen des Falls bereits im September 2006 von einem Militärgericht im italienischen La Spezia in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Mord aus niedrigen Beweggründen und Grausamkeit vor. Mit seinem Befehl habe eine deutsche Einheit drei Männer und eine Frau erschossen. Weitere elf Menschen sollen die Wehrmachtsangehörigen in Falzano di Cortona in ein Bauernhaus gesperrt und dieses gesprengt haben. Dabei starben zehn italienische Zivilisten, nur ein damals 15-jähriger Junge überlebte. Er soll als Zeuge bei der Aufklärung des Massakers helfen. Bei dem Prozess treten auch 19 Angehörige der Opfer als Nebenkläger auf. 22 Zeugen waren ursprünglich zu dem Prozess geladen. Inzwischen sind aber sechs Zeugen verstorben, wie Richter Manfred Götzl erklärte.

Über seinen Verteidiger liess der Angeklagte erklären, er bestreite, einen Befehl für einen Vergeltungsschlag gegeben oder weitergegeben zu haben. Der ehemalige Kompanieführer habe keine Kenntnis von der ihm zur Last gelegten Tat gehabt, erklärte sein Anwalt Christian Stünkel.

Verteidiger will Militärhistoriker als Sachverständigen

Mitverteidiger Rainer Thesen warf der Staatsanwaltschaft vor, sie stütze ihre Vorwürfe auf Vermutungen und sehe den Rentner nur wegen seines damaligen Dienstgrades an der Tat beteiligt. «Er war weder am Tatort, noch hat er eine solche Tat befohlen», sagte Thesen. Es gebe keine unmittelbaren Zeugen, die einen solchen Befehl durch den Angeklagten bekundet hätten. Es müsse einen Befehl von höherer Stelle gegeben haben, erklärte der Verteidiger.

Er beantragte, einen Militärhistoriker, der selbst militärisch tätig gewesen sei, als Sachverständigen zu laden. Dieser müsse die damaligen Abläufe rekonstruieren. Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz erklärte, es sei Aufgabe des Gerichts, festzustellen, ob der Angeklagte die ihm zur Last gelegte Tat begangen habe.

Anwalt Stünkel warf dem Gericht vor, es sei unverantwortlich, einen 90-Jährigen den Strapazen eines Prozesses auszusetzen. Ein Gutachter hatte den Mann als verhandlungsfähig eingestuft. Wegen des hohen Alters des Angeklagten soll aber jeweils nur für einige Stunden verhandelt werden. Der Prozess soll am 29. September fortgesetzt werden. Der Rentner lebte bisher unbehelligt in seinem oberbayerischen Heimatort. (dapd)

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