Windenergiestudie: Weht in Schaffhausen bald ein neuer Wind?
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WindenergiestudieWeht in Schaffhausen bald ein neuer Wind?

Bis zu 70 Prozent der Privathaushalte im Kanton Schaffhausen könnten ihren Strom von Windenergieanlagen beziehen. Allerdings müssten die dafür möglichen und notwendigen vier Grosswindanlagen in Waldgebieten gebaut werden.

Reto Dubach, Schaffhauser Baudirektor, erklärte dazu am Donnerstag, eine Windpotenzial-Studie habe für Schaffhausen ergeben dass bis zu 53,1 Gigawattstunden (GWh) Strom durch Grosswindanlagen geliefert werden könnten.

Das entspreche 12 Prozent des gesamten Strombedarfs im Kanton oder 70 Prozent des Bedarfs der privaten Haushalte. 98 Prozent dieses Potenzials könnte über vier Grosswindanlagen mit jeweils mehreren Windrädern mit Masthöhen zwischen 100 und 120 Metern und Rotordurchmessern von bis zu 120 Metern geliefert werden.

Diese brauchen einen Wind, der mit mindestens 4,5 Metern pro Sekunde bläst. Zwei Prozent des Gesamtpotenzials könnten mit 33 Kleinanlagen produziert werden, bei denen die Masten rund 20 Meter hoch sind und die Rotoren bis zu 15 Meter Durchmesser haben.

Weht der Wind in Schaffhausen anders?

Die Studie wurde auf Grund bereits vorliegender Messdaten aus der Schweiz und dem an Schaffhausen grenzenden süddeutschen Raum mit Hilfe von Rechenmodellen erstellt. Die nationale Windstudie von 2004 hatte für Schaffhausen kein nennenswertes Windpotenzial ausgewiesen.

Dubach sagte am Donnerstag, das habe ihn verwundert, weil sich im angrenzenden süddeutschen Raum eine Vielzahl von Windrädern drehe. Er habe sich gefragt, ob denn der Wind in Schaffhausen anders wehe als jenseits der Grenze.

Die nun zusammen mit Umwelt- und Naturschutz sowie der Energiefachstelle erarbeitete Potenzialstudie kommt zu einem anderen Schluss: In Schaffhausen weht genügend Wind, um damit soviel Strom produzieren zu können, dass dieser in der zukünftigen Stromversorgung einen wichtigen Platz einnehmen könnte.

Standorte im Wald

In der Studie wurden sechs Standorte für Grosswindanlagen ermittelt. Zwei davon - Lang Randen und Schlossranden - wurden gleich wieder gestrichen, weil sie exponiert im Landschaftsschutzgebiet liegen.

Vier weitere Standorte verblieben: zwei im nördlichen - Randenhaus und Hagenturm - und zwei im östlichen Kantonsteil - Chroobach und Wolkensteiernberg. Alle vier befinden sich aber in Waldgebieten, die im Bundesinventar für Wald aufgeführt sind.

Damit werde der Bau von Grosswindanlagen in Schaffhausen zu einer Frage des politischen Willens, sagte Dubach. Die Frage müsse geklärt werden, ob der Landschaftsschutz einen absoluten Vorrang vor allen anderen Bedürfnissen geniesse.

Reale Messung bis Frühling 2010

Die Windräder würden die Landschaft ja nicht zerstören, könnten aber der Umwelt durch die nachhaltige Energieproduktion nützen. Die Regierung jedenfalls sei gewillt, die Standorte in den kantonalen Richtplan aufzunehmen.

Zuerst aber soll bis zum Frühling 2010 die reale Windstärke an den errechneten Standorten gemessen werden. Dafür hat die Regierung 50 000 Franken bewilligt.

(sda)

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