Aktualisiert 15.01.2015 14:31

Bisphenol-A

Weichmacher-Ersatz kann das Gehirn schädigen

Weil die Chemikalie Bisphenol A schwere Nebenwirkungen hat, wird sie zunehmend ersetzt. Doch auch die Alternative ist alles andere als unbedenklich.

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Weichmacher wie Bisphenol A machen Plastik formbar.

Weichmacher wie Bisphenol A machen Plastik formbar.

Plastic Planet
Doch die Chemikalie steht im Verdacht, der Gesundheit zu schaden. Deshalb hat beispielsweise die EU deren Verwendung in Babyflaschen und Schnullern verboten.

Doch die Chemikalie steht im Verdacht, der Gesundheit zu schaden. Deshalb hat beispielsweise die EU deren Verwendung in Babyflaschen und Schnullern verboten.

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Doch der giftige Stoff steckt auch in anderern Dingen des alltäglichen Lebens: in Kassenzetteln, die aus sogenanntem Thermopapier bestehen, genauso wie ...

Doch der giftige Stoff steckt auch in anderern Dingen des alltäglichen Lebens: in Kassenzetteln, die aus sogenanntem Thermopapier bestehen, genauso wie ...

Keystone/Christian Beutler

Plastikflaschen, Konservenbüchsen und Kassenzettel, selbst Bio-Lebensmittel – sie alle können den Weichmacher Bisphenol A (BPA) enthalten. Die Liste der damit behandelten Produkte lässt sich beliebig fortsetzen. Und das, obwohl bereits mehrere Studien der Chemikalie die Unbedenklichkeit abgesprochen haben (siehe Box).

Die Plastikindustrie hat reagiert und Ersatzstoffe wie Bisphenol S (BPS) entwickelt. Doch auch dieser hat heftige Nebenwirkungen, wie Neurologen von der Universität Calgary nun in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten. Genauso wie BPA führe auch BPS zu einem gesteigerten Wachstum von Nervenzellen im Hypothalamus, einer für Aufmerksamkeit und Aggressivität zuständigen Gehirnregion.

Noch mehr Nebenwirkungen

Für die Studie verabreichte das Team um Deborah Kurrasch trächtigen Zebrafisch-Weibchen eine Dosis BPA, die – auf das Körpergewicht umgerechnet – im Schnitt auch vom Menschen aufgenommen wird. In der Folge kam es bei den Embryonen zu einer 180-prozentigen Steigerung der Neuentstehung von Nervenzellen.

Die Chemikalie wurde den Weibchen zu einem Zeitpunkt verabreicht, der dem zweiten Drittel einer menschlichen Schwangerschaft entspricht. Entstehen in diesem Zeitraum zu viele Nervenzellen in diesem sensiblen Bereich des Gehirns, könne das später zu Verhaltensproblemen führen, so die Neurologen.

In einem weiteren, gleich aufgebauten Experiment verabreichten Kurrasch und ihre Kollegen den Muttertieren BPS. Dieses Mal waren die Nebenwirkungen noch schlimmer. Demnach wuchsen die Nervenzellen sogar um 240 Prozent schneller. Damit geht von dem vermeintlich harmlosen Ersatzstoff sogar ein noch grösseres Risiko aus als von dem bereits in Verruf stehenden BPA.

Bisphenol A und seine Nebenwirkungen

Laut verschiedenen Studien reichen schon kleinste Mengen aus, um Nerven zu schädigen oder Krebs auszulösen. Auch hormonverändernd soll er sein und den Blutdruck steigen lassen. Weiter soll er Erektionsstörungen und Herzprobleme verursachen und den Zahnschmelz schwächen. Tests mit Ratten deuten zudem darauf hin, dass BPA Allergien auslösen kann. Deshalb hat beispielsweise die EU dessen Verwendung in Babyflaschen und Schnullern verboten. Die Schweiz hingegen wartet noch ab.

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