Weichtier in Stein
Aktualisiert

Weichtier in Stein

Auf der Schwäbischen Alb haben Forscher weltweit erstmals einen erhaltenen Kieferapparat eines urzeitlichen Tintenfischs gefunden. Das Fossil ist 150 Millionen Jahre alt.

Ein Team des Naturkundemuseums in Stuttgart habe das Fossil aus der Jurazeit Anfang April entdeckt, sagte der Grabungsleiter Günter Schweigert am Dienstag. Bisher sei von den Tintenfischen des Jurameeres, den sogenannten Belemniten, nur der hintere Teil bekanntgewesen.

Das liege daran, dass die Belemniten beliebte Beutetiere etwa von Krokodilen, Haien oder Meeresechsen gewesen seien. Ihre Tentakel und Kieferteile seien entweder von Räubern gefressen oder von Aasfressern zersetzt worden. «Der Fund ist für die Stammesgeschichte der Tintenfische von grosser Bedeutung», sagte Schweigert.

Die Belemniten - im Volksmund Donnerkeile oder Teufelsfinger genannt - sind vor 65 Millionen Jahren ausgestorben. Sie gehören wie heute lebende Tintenfische zu den Kopffüssern. Auf ihren zehn Fangarmen hatten die Belemniten jedoch nicht die bei heutigen Tintenfischen üblichen Saugnäpfe, sondern kleine Häkchen.

Aus der Grösse der Haken lässt sich laut Schweigert schliessen, dass es sich bei dem Fund um ein Weibchen handelt. Erhalten sind auch Teile des zerbissenen Tintenbeutels und Spuren des Tintenpulvers.

Das Tier sei vermutlich von einem Hai «frisch zu Tode gebissen worden», sagte Schweigert. Der Räuber verschmähte seine Beute allerdings - ein Glück für die Wissenschaft. Der erhaltene Kieferapparat kann nun zum Beispiel über die Nahrung der Tiere Aufschluss geben.

(sda)

Deine Meinung