Nicht als Veranstaltung eingestuft – Weihnachtsmärkte umgehen Zertifikatspflicht mit einem Trick
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Nicht als Veranstaltung eingestuftWeihnachtsmärkte umgehen Zertifikatspflicht mit einem Trick

Am Weihnachtsmarkt Glühwein trinken oder Raclette essen: Dieses Jahr ist das vielerorts nur noch mit Zertifikat möglich. Verschiedene Betreiber nutzen jedoch ein Schlupfloch, um die 3G-Regel zu umgehen.

von
Daniel Krähenbühl
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Letztes Jahr wurden pandemiebedingt viele Weihnachtsmärkte abgesagt.

Letztes Jahr wurden pandemiebedingt viele Weihnachtsmärkte abgesagt.

Tamedia AG
Dieses Jahr finden sie in zahlreichen Städten wieder statt – viele jedoch nur mit 3G-Regel.

Dieses Jahr finden sie in zahlreichen Städten wieder statt – viele jedoch nur mit 3G-Regel.

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Eingelassen wird also nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist.

Eingelassen wird also nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist.

Tamedia AG/Adrian Moser

Darum gehts

  • Zahlreiche Weihnachtsmärkte finden dieses Jahr wieder statt. Bei vielen gilt die 3G-Regel.

  • Eingelassen wird also nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist.

  • Die Weihnachtsmärkte in Basel, Schaffhausen und Chur nutzen jedoch ein Schlupfloch, um die Zertifikatspflicht zu umgehen.

  • Wenn er Weihnachtsmarkt als Markt und nicht als Veranstaltung taxiert wird, gilt die 3G-Regel des Bundesrats nicht.

Die Corona-Pandemie vermieste letztes Jahr zahlreichen Standbetreiberinnen und -betreibern das Weihnachtsgeschäft. Obwohl auch in diesem Jahr einzelne Weihnachtsmärkte ausfallen – so etwa in Solothurn, im Tessin und möglicherweise in Luzern – sieht die Lage deutlich besser aus: Ein Grossteil der Weihnachtsmärkte findet im November und Dezember wieder statt. Vielerorts jedoch nur mit Zugangsbeschränkungen.

Gemäss der Verordnung des Bundesrats, die bei Veranstaltungen im Freien ohne Sitzpflicht und mit über 500 Teilnehmenden eine Zertifikatspflicht anordnet, gewähren viele Weihnachtsmärkte nur Geimpften, Genesenen und Getesteten Einlass. So etwa das «Wienachtsdorf» am Zürcher Sechseläutenplatz oder der Berner Sternenmarkt. In anderen Städten, beispielsweise in Lausanne, St. Gallen oder Winterthur, wird zumindest für einen Teilbereich des Weihnachtsmarktes – etwa Glühweinstände und andere Gastrobetriebe – ein Zertifikat verlangt.

Einstufung als Markt – und nicht als Veranstaltung

In anderen Städten umgehen die Betreiber die Zertifikatspflicht mit einem Kniff: Wird der Weihnachtsmarkt nicht als Veranstaltung, sondern als normaler Markt taxiert, fällt die 3G-Regel weg. Das Schlupfloch nutzt unter anderem die Stadt Basel, die den Weihnachtsmarkt auf dem Barfüsser- und dem Münsterplatz als klassischen Markt betreibt. «Die Gastronomieangebote dürfen – Stand heute – im Freien konsumiert werden», sagt Manuel Staub, Leiter Basler Messen und Märkte.

Die Betreiber des Churer Christkindlimarkts wollen ebenfalls von einer Zertifikatspflicht absehen. «Da wir als Markt eingestuft werden, braucht man das Zertifikat nur in den Innenräumen der Gastrobetriebe. Glühweintrinken im Freien ist deshalb allen möglich – auch jenen ohne Zertifikat», sagt Marie Eckert von der IG Christkindlimarkt Chur. Im Gegensatz zu anderen Jahren verzichte man jedoch auf ein Rahmenprogramm, so Eckert.

Der Kantönligeist spielt auch in Schaffhausen: «Beim Schaffhauser Weihnachtsmarkt gilt lediglich in den überdachten Bereichen eine Zertifikatspflicht. In allen Aussenbereichen gilt keine 3G-Regelung», sagt Arie Martin Späth von der Marketing- und Kommunikationsagentur kommpass gmbh. Essen und Trinken sei nur im Freien erlaubt, entsprechend würden die Marktstände als Takeaway-Betrieb eingestuft. «Gemäss COVID-Verordnung gilt ein Markt nicht als Veranstaltung und entsprechend gibt es keine Zertifikatspflicht», so Späth. Dies sei mit dem BAG so abgesprochen worden.

Auflagen noch möglich

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen: Wie der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri bestätigt, kam es diese Woche zwischen dem BAG und der Kantonsärzteschaft zu einem Austausch zum Thema der Weihnachtsmärkte.

Und: Wie Vertreter mehrerer Stadtpolizeien mitteilen, sind die Gesuche für verschiedene Weihnachtsmärkte noch hängig. Je nach Pandemieentwicklung und Schutzkonzept könnten die Kantone die Bewilligungen noch mit Auflagen versehen. Ob Weihnachtsmarkt-Besucher und -Besucherinnen ohne Zertifikat also auf die Märkte in Basel, Chur oder Schaffhausen ausweichen können, ist noch nicht klar.

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