Licht am 24. Dezember: «Weihnachtsstern» auf seinem Balkon?
Aktualisiert

Licht am 24. Dezember«Weihnachtsstern» auf seinem Balkon?

Auf dem Balkon von Pascal Eigenmann bei Basel lag am Sonntag ein Stück grün schimmernder Materie. Ist es ein Teil der Sojus-Kapsel, die am Heiligabend am Nachthimmel für Aufsehen gesorgt hat?

von
meg/sda/dapd

Pascal Eigenmann hat vom ganzen Spektakel rund um den mysteriösen Weihnachtsstern, der gestern um ca. 17.30 Uhr am Himmel über Deutschland und der Schweiz glühte, nichts mitbekommen. Bis heute Morgen gegen 10.15 Uhr. Da öffnet seine Freundin Anja Heusser in der Wohnung in Arisdorf, Baselland, die Balkontüre. Und auf dem Balkon findet sie etwas Seltsames. Ein Stück Materie, zirka zwei bis drei Zentimeter gross, dunkelgrau, grün schimmernd. Das Stück sei sehr kompakt, nicht porös, nicht besonders schwer und die Oberfläche sehe aus wie geschmolzener Stein. «Was ist denn das?», fragt Anja Heusser ihren Freund.

Dann hat sie eine Idee. Ist der «Weihnachtsstern» auf ihrem Balkon gelandet? Denn sie hat vom vorabendlichen Spektakel bereits Wind bekommen. Und für das Paar ist klar: Das mysteriöse Stück muss in den letzten Stunden auf den Balkon gekommen sein. Wie, wissen sie nicht.

Christian Czech, UFO-Fallermittler bei der Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung (DEGUFO), hat sich die Bilder angeschaut. «Es sieht aus, wie heiss gewordenes Metall, wo enorme Hitze Blasen verursacht haben.» Da das Fragment vermutlich nicht sehr schwer sei, habe es auch nicht zwingend ein Einschlagloch im Balkon geben müssen. Tatsächlich blieb der Balkon in Arisdorf unversehrt.

«Das würde ich als Weltraumschrott bezeichnen»

Czech ist Verfechter der Theorie, dass es sich bei dem «Weihnachtsstern» vom Heiligabend um den Wiedereintritt (Re-entry) von Teilen der russischen Sojus-Trägerrakete gehandelt hat. Diese Vermutung liegt nahe, nachdem das «Center for Orbital and Reentry Debris Studies» den Wiedereintritt von Teilen der Sojus-Trägerrakete für den 24. Dezember 2011 um circa 17.41 Uhr vorausgesagt hatte – plus/minus 90 Minuten. Czech glaubt deshalb: Bei Eigenmann auf dem Balkon könnte tatsächlich ein Stück vom «Weihnachtsstern» gelandet sein. Zu dem gefundenen Teil sagt er: «Das würde ich als Weltraumschrott ansehen.»

Und Czech hatte mit seiner Vermutung recht. Der helle Lichtschweif, der zu Heiligabend am europäischen Nachthimmel für Aufsehen gesorgt hat, war ein verglühender Teil einer Sojus-Rakete. «Es handelte sich dabei um eine Oberstufe der Sojus-Rakete, die kürzlich drei Weltraumfahrer zur Internationalen Raumstation ISS gebracht hat», sagte Bernhard von Weyhe, Sprecher der Europäischen Weltraumbehörde ESA in Darmstadt.

Dies hätten Untersuchungen einer ESA-Expertengruppe eindeutig ergeben. «Die Raketenteile sind etwa 80 Kilometer über der Erde verglüht. Die Flugrichtung war von Westen nach Osten», erklärte von Weyhe: «Beim Eintritt in die Atmosphäre hatten sie etwa eine Geschwindigkeit von 25 000 bis 28 000 Stundenkilometern.»

Eine Gefahr für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit bestanden: «Je weiter Teile in die Erdatmosphäre eintreten, desto mehr zerbrechen und verglühen sie.» Am Mittwoch war eine Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet, um drei Weltraumfahrer zur Internationalen Raumstation ISS zu bringen.

UFO-Forscher zweifelt noch immer

Über die Ursache des Leuchtschweifs hatte sich hartnäckig eine weitere Variante gehalten. «Die Vermutung liegt nah, dass es sich um einen Meteoriten gehandelt haben könnte, aber das ist unbestätigt», sagte ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR.

Werner Walter von der Mannheimer UFO-Meldestelle (CENAP) glaubt an die Meteor-Version. Ein Re-entry der Sojus-Kapsel kommt für den UFO-Experten nicht in Frage. «Weil Weltraumschrott mit zirka 28 000 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, hätte das Spektakel rund drei Minuten dauern müssen.» Ein solches Schauspiel sei 1990 zu bewundern gewesen und habe damals rund drei Minuten gedauert. Doch gemäss den unzähligen Augenzeugen war die Leuchtspur gestern nach 30 Sekunden verglüht. Auch hätte es bei herumfliegendem Weltraumschrott keine Rauchspur gegeben, sagt Walter, «das wurde gestern aber massenhaft gemeldet».

Diese Version wiederum bezweifelt Czech. «Das gestern beobachtete Phänomen war zwischen 30 und 50 Sekunden zu sehen und flog von Horizont zu Horizont», so Czech. «Niemand hat aber beobachtet, wie lange es brauchte, um von Horizont zu Horizont zu fliegen. Vermutlich waren es bis zu 1,5 Minuten.» Czech zieht den Vergleich mit dem Wiedereintritt der Columbia Raumfähre im Jahr 2003. Videoaufnahmen der beiden Ereignisse ähneln sich laut Czech «stark».

«Da gibt es selbst bei kleinen Stücken ein Einschlagloch»

20 Minuten Online hat Bilder von Eigenmanns Teilchen auch dem deutschen UFO-Forscher Walter vorgelegt. Er hält es für unmöglich, dass der «Stern von Bethlehem» tatsächlich auf dem Balkon in Arisdorf gelandet ist. Würde es sich um ein Meteoritenteilchen handeln, hätte es gemäss Walter «eine schwarzbraune Kruste, die sich nicht so leicht entfernen lässt». Zudem müsste auf dem Balkon ein Krater sichtbar sein: «Meteoritenstücke rasen mit 200 000 Stundenkilometern auf die Erde zu. Da gibt es selbst bei kleinen Stücken ein Einschlagloch.» Auch wenn es sich um Weltraumschrott handeln würde – was Walter bezweifelt – müsste es ein Einschlagloch geben. Walter sagt deshalb zum Fundstück ganz profan: «Es könnte Füllmaterial aus einer Silvesterrakete sein.»

Woher das Teilchen auf Eigenmanns Balkon stammt, bleibt also unklar. Der Basler will den Findling einem befreundeten Geologen vorlegen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR will in den nächsten Tagen prüfen, ob es Aufnahmen der Erscheinung vom Samstagabend gibt. Ein System von Kameras - «Feuerkugelnetz» - ist dafür installiert. Es ist nach Angaben des Sprechers aber noch unklar, ob sie sich schon eingeschaltet hatten.

Weitere Videos:

Haben Sie das Objekt am Himmel auch gesehen? Worum könnte es sich handeln? Diskutieren Sie mit. feedback@20minuten.ch

Werden Sie Leser-Reporter!

2020, Orange-Kunden an 079 375 87 39.

Für einen Abdruck in der Zeitung gibts bis zu 100 Franken Prämie!

Auch via iPhone und Web-Upload können Sie die Beiträge schicken. Wie es geht, erfahren Sie

Deine Meinung