Rendezvous mit Sonne: «Weihnachtsstern» Ison leuchtet heller
Aktualisiert

Rendezvous mit Sonne«Weihnachtsstern» Ison leuchtet heller

Rasend schnell bewegt sich der Komet Ison auf die Sonne zu. Da er einen Teil seines Kerns verloren hat, leuchtet er jetzt heller als zuvor – gerade rechtzeitig zum Advent.

von
dhr

Der Komet Ison, der erst im September 2012 entdeckt wurde, wird in der ersten Dezemberwoche für Spektakel an unserem Nachthimmel sorgen. Ison hat ein oder mehrere grössere Stücke seines vermutlich vier bis fünf Kilometer grossen Kerns verloren und leuchtet jetzt heller als zuvor. Das hat das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau am Montag mitgeteilt.

Durch die Abspaltung sei sehr viel hochaktives Material an die Oberfläche gelangt, das nach vier Milliarden Jahren erstmals dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, sagte der Kometenforscher Hermann Böhnhardt. Das lasse den Kometen deutlich stärker leuchten als zuvor.

Ison ist ein «Sonnenstreifer»

C/2012 S1, wie der wissenschaftliche Name des Kometen lautet, bewegt sich derzeit immer schneller auf die Sonne zu. Am kommenden Donnerstag, dem 28. November, wird der Komet der Sonne mit einem Abstand von 1,8 Millionen Kilometern – das ist nur wenig mehr als ein Sonnendurchmesser – am nächsten kommen. Für uns ist das eine enorme Distanz, aber für astronomischen Massstäbe ist Ison ein «Sonnenstreifer». Die Hitze von 1500 bis 2000 Grad Celsius und die enorme Schwerkraft werden dem Kometen schwer zu schaffen machen. Wenn er indes die Beinahe-Kollision mit der Sonne übersteht, dürfte er eine spektakuläre Erscheinung am Nachthimmel sein – quasi ein Weihnachtsstern zum Jahresende.

Komet Lovejoy im Zeitraffer

Anlass zur Sorge besteht übrigens nicht: Wenn der Komet am Zweiten Weihnachtstag der Erde am nächsten kommt, wird er in einem beruhigenden Abstand von mehr als 60 Millionen Kilometern an unserem Planeten vorbeiziehen.

Vom äussersten Rand des Sonnensystems

Ison stammt vermutlich aus der sogenannten Oortschen Wolke aus den äussersten Randbezirken des Sonnensystems. Dort werden noch Milliarden von potenziellen Kometen vermutet; unberührte Zeugen aus der Entstehungszeit des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Geraten sie durch bestimmte Gravitationseinflüsse in den Einflussbereich der Sonne, werden sie als Kometen auf eine stark elliptische Bahn um unser Zentralgestirn gezogen.

Die Computersimulation zeigt, wie die Passage des Kometen «Ison» Ende 2013 von Mitteleuropa aus erscheinen könnte. (Quelle: Youtube/WetterOnline) (dhr/sda)

ISON

Zwei Hobbyastronomen haben den Kometen Ison am 21. September 2012 im Sternbild Krebs entdeckt. Witali Newski (Belarus) und Artjom Nowitschonok (Russland) nutzten dabei für ihre Aufnahmen ein Teleskop des «International Scientific Optical Network» (Ison). Daher wird der Komet mit dem wissenschaftlichen Namen C/2012 S1 nun Ison genannt.

Deine Meinung