Doktor Sex - «Weil ich Drogen konsumierte, will sie keinen Sex mehr!»
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Doktor Sex«Weil ich Drogen konsumierte, will sie keinen Sex mehr!»

Miro (32) hat bis vor kurzem regelmässig Kokain konsumiert. Mittlerweile ist er clean, doch seine Frau zieht nun Konsequenzen und verweigert den Sex. Was soll er tun? Doktor Sex weiss einen Rat.

von
Bruno Wermuth
Julia Ullrich
Das ist zwar nicht Miro, aber genau so fühlt er sich gerade. (Symbolbild)

Das ist zwar nicht Miro, aber genau so fühlt er sich gerade. (Symbolbild)

pexels.com

Frage von Miro (32) an Doktor Sex:

Ich (32) bin mit meiner Frau seit zehn Jahren zusammen. Wir hatten bis vor kurzem ein ausgeglichenes Sexleben. Jedoch habe ich vor einiger Zeit einen Fehler gemacht und während fünf Monaten Kokain konsumiert.

Meine Partnerin wusste es fast von Anfang an. Vor einem Monat habe ich aufgehört, aber nun zieht meine Frau plötzlich Konsequenzen und will keinen Sex mehr mit mir. Sie habe das Vertrauen in mich verloren und könne nicht einfach so tun, als wäre nichts geschehen. Während ich konsumierte, hatten wir aber Sex.

Ich liebe sie sehr und kann auch auf sie warten, wenn ihr das hilft. Ist es wirklich möglich, dass jemand plötzlich keine Lust mehr hat auf Sex? Muss ich ihr Zeit lassen? Was soll ich tun? Es war ja nur ein Ausrutscher und ich bin jetzt sauber.

Antwort von Doktor Sex

Lieber Miro

Lust zu haben auf Sex ist das eine. Den Impuls aufzunehmen, also der Lust zu folgen und sich im Spiel einer anderen Person hinzugeben, das andere. Wenn deine Frau keinen Sex mehr mit dir haben will, bedeutet dies nicht zwingend, dass sie keine Lust hat darauf. Jedoch scheint ihr das mangelnde Vertrauen zu verunmöglichen, sich körperlich auf dich einzulassen.

Ich erlebe in der Paarberatung oft, welche Auswirkungen es haben kann, wenn jemand nach einer Enttäuschung das Gefühl verloren hat, dem Partner oder der Partnerin ganz vertrauen zu können. Für manche betroffenen Personen ist es danach unmöglich, einfach so weiterzuleben wie bisher.

«Es ist bestimmt nicht nur der Drogenkosum»

Die Formulierung «sich auf jemanden verlassen» bedeutet letztlich, dass man sich selbst als Einzelne*r zumindest teilweise aufgibt, um in der Beziehung mit einem anderen Menschen etwas aufzubauen, das einen als Einzelperson übersteigt. Sich auf dich zu verlassen – also eben dir zu vertrauen – scheint deiner Frau aktuell gerade nicht mehr möglich zu sein. Dass sich der Vertrauensverlust gerade auf der körperlich-sexuellen Ebene zeigt, ist nicht aussergewöhnlich und deckt sich mit meinen Beobachtungen in der Therapie.

Es ist kaum allein dein Drogenkonsum, der dazu führte, dass sie dir nicht mehr traut. Der Vorfall hat vermutlich einfach das Fass zum Überlaufen gebracht. Deiner Partnerin nun etwas Zeit zu lassen, ist daher sicher sinnvoll und verschafft euch die Möglichkeit, etwas zur Ruhe zu kommen und euch Gedanken zu machen, wie es weitergehen könnte. Nutzt die aktuelle Krise und gebt auch nach zehn Jahren Beziehung die Chance, eine Standortbestimmung zu machen. Ich empfehle euch, diesen Prozess zusammen mit einer erfahrenen Fachperson anzugehen.

Alles Gute!

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Bruno Wermuth

Bruno Wermuth

Bild: Gian Losinger

Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch

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