Keine Teilzeitjobs für Männer - «Weil ich nicht weniger arbeiten darf, muss mein Baby extern betreut werden»
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Keine Teilzeitjobs für Männer«Weil ich nicht weniger arbeiten darf, muss mein Baby extern betreut werden»

Männer arbeiten in der Schweiz seltener Teilzeit. Denn Unternehmen benachteiligen Männer bei Teilzeitjobs. Vier Betroffene erzählen.

von
Barbara Scherer
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Männer finden hierzulande seltener eine Teilzeitstelle.

Männer finden hierzulande seltener eine Teilzeitstelle.

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Unternehmen benachteiligen laut einer Studie Männer, die Teilzeit arbeiten wollen.

Unternehmen benachteiligen laut einer Studie Männer, die Teilzeit arbeiten wollen.

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So geht es auch 20-Minuten-Lesern: Leser Angel möchte für seine Tochter auf 80 Prozent reduzieren, darf das aber vonseiten des Arbeitgebers nicht. (Symbolbild)

So geht es auch 20-Minuten-Lesern: Leser Angel möchte für seine Tochter auf 80 Prozent reduzieren, darf das aber vonseiten des Arbeitgebers nicht. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Geht es um Teilzeitjobs, werden Männer in der Schweiz benachteiligt.

  • Diese Erfahrung haben auch 20-Minuten-Leser gemacht.

  • Vier Betroffene erzählen, warum sie Teilzeit arbeiten wollen und nicht können.

In der Schweiz arbeiten nur 18 Prozent der Männer Teilzeit. Das liegt nicht nur daran, dass Männer seltener eine Teilzeitanstellung suchen: Unternehmen benachteiligen Männer, die einen Teilzeitjob suchen, wie eine Analyse der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) zeigt.

Sucht ein Mann eine 90-Prozent-Anstellung, sinkt die Wahrscheinlichkeit kontaktiert zu werden um 16 Prozent gegenüber einem Mann, der eine Vollzeitstelle sucht. Dabei weisen die beiden Kandidaten ansonsten die gleichen Merkmale auf und sind gleich gut qualifiziert für den Job.

Dass es schwierig ist, als Mann eine Teilzeitstelle zu finden oder einfach das Arbeitspensum zu reduzieren, bestätigt auch die 20-Minuten-Community. Vier Betroffene erzählen, warum sie Teilzeit arbeiten wollen und nicht können:

«Ein Papa-Tag wäre so gut gewesen»

Stevan, 36: «Wir sind eine junge Familie mit einem Kind. Die Idee war, dass ich 80 Prozent arbeite und meine Frau 60 Prozent. Dabei hätten wir sogar die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass ich bei 100 Prozent bleibe und meine Partnerin 40 Prozent arbeitet. Beide Vorschläge wurden durch die langjährigen Arbeitgeber abgelehnt. Jetzt müssen meine Frau und ich unser Baby drei Tage in der Woche extern betreuen lassen. Zum Glück haben wir eine Familie, die uns hilft. Aber ein Papa-Tag wäre so gut gewesen!»

«Es braucht mich nicht mehr die ganze Zeit zuhause»

David, 39: «Ich bin gelernter Koch. Da meine Frau aus der Pflegebranche kommt, haben wir uns nach der Geburt unserer Tochter entschieden, die Rollen zu tauschen. Seither bin ich Hausmann und hatte immer wieder kleinere Nebenjobs. Nach elf Jahren würde ich nun gerne mehr Teilzeit arbeiten, denn es braucht mich nicht mehr die ganze Zeit zuhause. Dafür habe ich mich sogar bei Impfzentren beworben und nur Absagen erhalten. Obwohl ich schon in Pflegeheimen ausgeholfen habe – mir ist das Ganze also nicht fremd. Fakt ist, dass man als Mann schlecht eine Teilzeitstelle findet. Klappt es doch einmal, ist man meist überqualifiziert.»

«Ich möchte mehr Zeit mit den Kindern»

Yannick, 34 : «Ich arbeite bei einer Schweizer Bank. Im Juli 2018 habe ich meinen Arbeitgeber gefragt, ob ich mein Arbeitspensum reduzieren kann. Ich wollte von 100 auf 60 Prozent runter. Denn meine Frau möchte etwas mehr arbeiten und ich möchte mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Doch meine Anfrage wurde abgeschmettert. Mir wurde nicht einmal der Gegenvorschlag gemacht, dass ich 80 Prozent arbeiten könnte.»

«Es kommt immer eine Absage»

Angel, 40: «Ich arbeite in einem Handelsbetrieb im Büro mit rund 35 Mitarbeitenden. Als meine Tochter zur Welt kam, wollte ich mein Pensum auf 80 Prozent reduzieren. Mir wurde gesagt, man möchte das nicht: Es sei zu aufwändig mit diesen Prozentstellen. Ich konnte mich dann aber durchsetzen und mein Pensum zumindest auf 90 Prozent reduzieren. Doch inzwischen schaue ich mich nach neuen Stellen um. Doch es ist wirklich schwierig, als Mann eine 80-Prozent-Stelle zu bekommen. Beim Vorstellungsgespräch werde ich immer gefragt, ob ich nicht doch lieber 100 Prozent kommen möchte. Da ich das immer verneine, kommt immer eine Absage. Für mich bedeutet das, dass ich meine Tochter nicht richtig betreuen kann, ausser ich nehme mir frei.»

19,1 Stunden pro Woche für Hausarbeit

2020 leisteten Männer und Frauen in der Schweiz rund 46 Stunden bezahlte und unbezahlte Arbeit in der Woche. Frauen wendeten dabei 28,7 Stunden für Haus- und Familienarbeit auf, Männer 19,1 Stunden, wie neue Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen. Männer haben aber bei der Hausarbeit seit 2010 zugelegt: Waren es vor zehn Jahren noch rund 16 Stunden wöchentlich, sind es heute etwa drei Stunden mehr. Bei Frauen hat sich der Zeitaufwand für Arbeiten im Haus hingegen kaum verändert.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert?

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Probleme mit dem Job?

Hier findest du Hilfe:

Arbeit.swiss, Informationen und Adressen für Stellensuchende

Lohnforderung.ch, Rechte bei fristloser Kündigung

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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