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«Sports Awards» im SRFWeil Martina Hingis einst Kokain konsumierte, wird sie nun verschmäht

Martina Hingis ist eine der grössten Schweizer Sportlerinnen. Doch nominiert ist die 25-fache Major-Siegerin nicht bei der SRF-Sportauswahl «die Besten aus 70 Jahren».

von
Nils Hänggi
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Martina Hingis wird vom SRF übergangen. Grund dafür ist ein Dopingfall, der schon mehrere Jahre zurückliegt. 

Martina Hingis wird vom SRF übergangen. Grund dafür ist ein Dopingfall, der schon mehrere Jahre zurückliegt.

Foto: Getty Images
Hingis war sehr erfolgreich. Sie war die jüngste Nummer 1 im Frauentennis und insgesamt 209 Wochen an der Spitze. Sie gewann fünf Grand-Slam-Titel im Einzel, 13 im Doppel und 7 im Mixed. 

Hingis war sehr erfolgreich. Sie war die jüngste Nummer 1 im Frauentennis und insgesamt 209 Wochen an der Spitze. Sie gewann fünf Grand-Slam-Titel im Einzel, 13 im Doppel und 7 im Mixed.

Foto: Peter Klaunzer (Keystone)
Verheiratet ist die 40-Jährige glücklich mit Harald Leemann. 

Verheiratet ist die 40-Jährige glücklich mit Harald Leemann.

Foto: Imago

Darum gehts

  • Martina Hingis war eine sehr erfolgreiche Schweizer Sportlerin.

  • Für ihre Karriere wird sie dennoch nicht geehrt.

  • Grund dafür ist eine Fehltritt, den sie sich vor mehreren Jahren leistete.

Am 13. Dezember sendet das SRF die «Sport Awards» in unsere Wohnstuben. Dann werden «die Besten aus 70 Jahren» geehrt. Aufgrund der Corona-Pandemie dieses Jahr verzichtet das Schweizer Fernsehen nämlich auf die «Sport Awards» wie der Zuschauer und die Zuschauerin sie traditionell kennen. Anstelle der herausragendsten Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2020 werden in der TV-Show die besten Athleten der letzten 70 Jahre gekürt.

Nominiert sind bei den Männern Simon Ammann (Skispringen), Dario Cologna (Langlauf), Roger Federer (Tennis), Werner Günthör (Leichtathletik), Bernhard Russi (Ski alpin) und Pirmin Zurbriggen (Ski alpin). Denise Biellmann (Eiskunstlauf), Ariella Käslin (Kunstturnen), Lise-Marie Morerod (Ski alpin), Simone Niggli-Luder (Orientierungslauf), Erika Reymond-Hess (Ski alpin) und Vreni Schneider (Ski alpin) sind es bei den Frauen.

Die Liste klingt vollständig. Sie ist es aber nicht. Die weltweit bekannteste Schweizer Sportlerin ist nicht dabei: Martina Hingis. Hingis war die jüngste Nummer 1 im Frauentennis und insgesamt 209 Wochen an der Spitze. Sie gewann fünf Grand-Slam-Titel im Einzel, 13 im Doppel und 7 im Mixed. An den Olympischen Spielen in Rio 2016 gewann sie zudem noch die Silbermedaille im Doppel mit Timea Bacsinszky.

All diese Triumphe und Erfolge reichen aber nicht, um den Titel «die Beste aus 70 Jahren» zu erhalten. Der Grund: Die zweijährige Dopingsperre, die Hingis wegen Kokain-Konsums 2007 absitzen musste.

Der Entscheid, der ist bitter für die 40-Jährige Schweizerin. Und er mutet auch ein wenig willkürlich an.

Der Entscheid, der ist bitter für die 40-Jährige Schweizerin. Und er mutet auch ein wenig willkürlich an.

Foto: Getty Images 

Der Entscheid scheint kurios

Ralph Stöckli, der Schweizer Olympiachef, der zum Wahlgremium gehört, erklärte gegenüber dem «Tagesanzeiger» (kostenpflichtig): «Wir haben 2018 einen Ethikzusatz ins Wahlreglement der Sports Awards aufgenommen. Für die besondere Wahl dieses Jahres wandten wir diesen so an, dass Sportlerinnen und Sportler nicht zur Auswahl stehen, die in ihrer Karriere wegen Dopingvergehen gesperrt wurden. Schweren Herzens, was Martina Hingis betrifft. Im Wissen darum, was sie alles erreicht hat für den Schweizer Sport.»

Der Entscheid, der ist bitter für die 40-Jährige Schweizerin. Und er mutet auch ein wenig willkürlich an. So wurde Hingis 2015 und 2017 für die Schweizer Sportlerin des Jahres nominiert, 2016 mit Bacsinszky für das Team des Jahres. Bei diesen Nominationen kümmerte ihr Kokain-Fehltritt noch niemanden.

Die gesamten Hintergründe sind hier zu lesen (kostenpflichtig).

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Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Informationen und Substanzwarnungen

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140 Kommentare
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ich mutmasse

05.12.2020, 12:14

Vermutlich sind einige andere bloss nicht erwischt worden.

Peter

05.12.2020, 11:18

ausser es war Doping hat das nicht zu interessieren und es sollte der sportliche Aspekt zählen. Ehrlich gesagt fällt mir keine andere Frau ein, die die Nominierung verdient hätte.

Roger

05.12.2020, 06:58

Es ist ein Skandal, wenn man Marina nicht auszeichnet. Dafür RF x Mal. Er wäre nie soweit gekommen, wenn er nicht im Spielerrat gewesen wäre.