Türkin in der Schweiz: Weil sie Basketballer likte, erhält sie Morddrohung
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Türkin in der SchweizWeil sie Basketballer likte, erhält sie Morddrohung

Die Türkin K.L. lobte auf Facebook den NBA-Star Enes Kanter. Darauf bekam die 20-Jährige etliche Hasskommentare. Darunter war auch eine Morddrohung gegen ihre Eltern.

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Diese Privatnachricht hat K.L. am Dienstag, 22. Juli 2016, von einem Gülen-Gegner erhalten. Darin steht sinngemäss: «Du Fethullah-Schlampe. Ich werde deine Brüder ficken. Du geficktes Kind. Die, die dich nicht ficken, ficke ich. Deine Eltern, deine Mutter und deinen Vater werden wir umbringen, warte nur. Mann, du Schlampe, ich werde meinen Schwanz in deine Fresse schieben.»

Diese Privatnachricht hat K.L. am Dienstag, 22. Juli 2016, von einem Gülen-Gegner erhalten. Darin steht sinngemäss: «Du Fethullah-Schlampe. Ich werde deine Brüder ficken. Du geficktes Kind. Die, die dich nicht ficken, ficke ich. Deine Eltern, deine Mutter und deinen Vater werden wir umbringen, warte nur. Mann, du Schlampe, ich werde meinen Schwanz in deine Fresse schieben.»

Die Nachricht war eine Reaktion auf diesen Post oben. Darin lobt die junge Frau den Basketballspieler Enes Kanter. Ihre Aussage habe sich auf seine sportliche Leistung bezogen, sagt sie. Der NBA-Star hatte sich allerdings vorher auf Twitter kritisch zu Erdogan geäussert.

Die Nachricht war eine Reaktion auf diesen Post oben. Darin lobt die junge Frau den Basketballspieler Enes Kanter. Ihre Aussage habe sich auf seine sportliche Leistung bezogen, sagt sie. Der NBA-Star hatte sich allerdings vorher auf Twitter kritisch zu Erdogan geäussert.

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Auf Facebook kursiert unter Türken in der Schweiz auch folgender Post:«Wir werden gemeinsam die Höhlen der Parallellen (Anhänger der Gülen-Bewegung) und Putsch-Symathisanten stürmen.Wer möchte denn die terroristischen Landesverräter nicht anzeigen?Europa, bleib nicht stehen!Wollt ihr die Terroristen nicht rauskotzen!Melde die verräterischen Posts an folgende E-Mail-Adressen.In der Türkei wird man auf sie waren, um sie auf besondere Art und Weise willkommen zu heissen.Melde sie um ihnen die Grenzen aufzuzeigen!Und ihre Zungen zu drosseln!!PS: Melde die schweren Fälle direkt bei mir. Diese erwartet in der Türkei eine besondere Behandlung.»Verweis auf das SicherheitsdepartementTerroristische Tätigkeiten auf Social Meida können Sie hier melden. E-Mail-Adressen

Auf Facebook kursiert unter Türken in der Schweiz auch folgender Post:«Wir werden gemeinsam die Höhlen der Parallellen (Anhänger der Gülen-Bewegung) und Putsch-Symathisanten stürmen.Wer möchte denn die terroristischen Landesverräter nicht anzeigen?Europa, bleib nicht stehen!Wollt ihr die Terroristen nicht rauskotzen!Melde die verräterischen Posts an folgende E-Mail-Adressen.In der Türkei wird man auf sie waren, um sie auf besondere Art und Weise willkommen zu heissen.Melde sie um ihnen die Grenzen aufzuzeigen!Und ihre Zungen zu drosseln!!PS: Melde die schweren Fälle direkt bei mir. Diese erwartet in der Türkei eine besondere Behandlung.»Verweis auf das SicherheitsdepartementTerroristische Tätigkeiten auf Social Meida können Sie hier melden. E-Mail-Adressen

K.L.* ist Türkin und lebt seit 15 Jahren in der Schweiz. Am Dienstag hat sie auf Facebook den türkischen Basketballer Enes Kanter geliket und dazu sinngemäss geschrieben: «Du bist ein toller Typ, es braucht mehr solche Menschen wie dich.» Ihr Lob habe sich auf seine sportliche Leistung bezogen, sagt sie zu 20 Minuten. Es sei nicht um die Tweets gegangen, in denen sich der NBA-Star kürzlich kritisch über Erdogan geäussert hatte. «Ich interessiere mich nicht für Politik.»

Trotzdem liessen die ersten Reaktionen nicht lange auf sich warten. Die 20-Jährige, die aus Angst anonym bleiben möchte, wurde wenige Minuten nach dem Facebook-Post bereits mit Beschimpfungen von Erdogan-Anhängern konfrontiert. In Rund 12 Kommentaren schleuderten diese ihr Hass und Beleidigungen entgegen. Doch dabei blieb es nicht.

«Deine Eltern werden wir umbringen, warte nur»

«Ich bekam in der Nacht mehrere Privatnachrichten auf Facebook, etwa zehn», so L. Eine davon enthielt nicht nur Beschimpfungen weit unter der Gürtellinie, sondern auch eine Morddrohung an ihre Eltern:

«Du Fethullah-Schlampe. Ich werde deine Brüder ficken. Du geficktes Kind. Die, die dich nicht ficken, ficke ich. Deine Eltern, deine Mutter und deinen Vater werden wir aufschneiden, warte nur. Mann, du Schlampe, ich werde meinen Schwanz in deine Fresse schieben.»

Anzeige erstattet

Sie sei weder politisch aktiv, noch habe sie sich jemals auf Facebook zu Recep Tayyip Erdogan oder Fethullah Gülen geäussert, sagt L. Mittlerweile werde aber offenbar jeder bedroht, der nicht ein glühender Fan des türkischen Präsidenten sei.

Die Mails haben L. Angst eingeflösst. Sie traue sich nicht mehr alleine auf die Strasse. «Ich stelle mir vor, wie der Facebook-Hater auf mich zukommt und mir etwas antut.» Sie habe am Freitag Anzeige gegen den Mann erstattet und stehe in Kontakt mit den Beamten. Die Polizei konnte dies am Sonntag noch nicht bestätigen.

«Drohungen dringend melden»

FDP-Nationalrätin Doris Fiala, Mitglied des Europarats, ist empört. Dass Erdogan-Anhänger im Internet Jagd auf Gülen-Sympathisanten machten, sei eines und an sich schon schlimm genug, so Fiala. «Aber dass man jetzt sogar wegen eines Posts zu einer sportlichen Leistung Morddrohungen erhält, ist unglaublich.» Ihrer Meinung nach sei es an der Zeit zu handeln.

Diese schockierenden Bedrohungen seien für unbescholtene Betroffene erschütternde Angstmacherei. Diesem primitivem Verhalten von Kriminellen und Feiglingen im Internet könne man nur mithilfe der Behörden entgegentreten. Damit wehrten sich Bedrohte zudem, setzten ein Zeichen und trügen aktiv etwas zum Kampf gegen die Radikalisierung bei.

Hebel auf allen Ebenen in Gang setzen

«Wir müssen nun auf sämtlichen Ebenen alle Hebel in Gang setzen: politisch, diplomatisch und rechtlich.» Es könne doch nicht sein, dass man sich als Schweizer Bürger davor fürchten müsse, ein Like auf Facebook zu setzen.

Fiala sagt ausserdem: «Es braucht eine unmissverständlich politische Stimme aus der Schweiz, die sich dagegen verwahrt, dass ein türkischer Botschafter als verlängerter Arm von Erdogan sich in unserem Land verbal vergreift und direkt oder indirekt die Negativstimmung und sogar Radikalisierung anheizt

Der Facebook-Nutzer, der L. die Morddrohungen geschickt hat, wurde von 20 Minuten kontaktiert. Eine Antwort steht noch aus.

*Name der Reaktion bekannt

Wie handeln nach Drohungen im Internet?

Wer im Internet eine Drohung erhält, soll einen Screenshot davon machen und sich damit umgehend bei der Polizei im Kanton melden, in dem man lebt. «Drohungen sind bei uns ein sogenanntes Antragsdelikt, es wird erst gehandelt, wenn man diese anzeigt», sagt FDP-Nationalrätin Doris Fiala.

Weiter gibt es auf der Webseite des Bundesamts für Polizei (fedpol) ein Formular der Schweizerischen Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik). «Dieses muss man ebenfalls unbedingt ausfüllen. Die Polizei kann nur handeln, wenn alle Drohungen konsequent gemeldet werden», so Fiala.

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