Aktualisiert 04.07.2014 22:49

One Direction Live

Weinende Väter, kreischende Töchter

Heute Abend spielte die Boyband One Direction im Stade des Suisse in Bern. 33'000 Mädchen konnten ihr Glück kaum fassen und kreischten sich die Seele aus dem Leib.

von
Lucien Esseiva

Für viele Väter dürfte der heutige Abend zu den traurigsten ihres Lebens gehört haben. Denn die britisch-irische Über-Boy-Band One Direction trat nämlich im Stade de Suisse auf. Die Trauer der Väter rührt aber nicht von der Performance oder der musikalischen Qualität der fünf Jungs um Oberschnügel Harry Styles her. Hunderte Väter verpassten wegen des Konzerts das WM-Viertelfinalspiel Deutschland gegen Frankreich. Aber das nennt man halt Liebe. Und dieser Akt des selbstlosen Verzichts wird diese Väter für immer und ewig in die Herzen ihrer Töchter eingebrannt haben.

Schon Stunden vor dem Konzert bilden sich rund um das Stade de Suisse lange Schlangen. Ohne anständige Fanaufmachung traut sich kaum jemand in den Pulk. Hoch im Kurs stehen: Leuchtende Minnie-Mouse-Schleifchen auf dem Kopf, logischerweise One Direction Shirts, Stirnbänder mit den Konterfeis der Jungs oder Liebesbekundungen – geschrieben auf alle möglichen Körperstellen. Immer wieder flammt ohrenbetäubendes Gekreische auf. An einem Fenster, hoch oben im Stadion, will jemand ein Mitglied der Band ausgemacht haben. Eine kreischt, alle kreischen. Eine rennt, alle rennen.

«Wie eine Herde Kühe», flucht ein Vater und springt seiner Tochter hinterher. Überhaupt verausgaben sich viele Fans schon vor dem Konzert mit stundenlangem Anstehen, Singen oder Kreischen derart, dass es nicht verwundert, dass einige von ihnen nicht mal die Vorband (5 Seconds of Summer) mitbekommen. Der Sprint in die vordersten Reihen, inklusive beherzten Bodychecks, gibt dann vielen endgültig den Rest.

«Harry, ich will ein Kind von dir!»

Etwas verspätet, um 19 Uhr geht's dann endlich los. Ausverkauft ist das Stadion nicht ganz. 33'000 Fans haben dennoch den Weg nach Bern gefunden. Den Anfang machen die vier Fun-Punker von 5 Seconds of Summer. Die blutjungen Australier sind entgegen dem Klischee keine gecastete Boyband, sondern kennen sich aus der Schule, sind Freunde und machen seit Jahren zusammen Musik. Auf der Bühne geben sie richtig Gas, die musikalische Qualität ist überraschend gut. Manchmal wirkt ihre Punk-Attitüde, mit den tiefhängenden Gitarren, etwas gekünstelt. Dem Publikum gefällt es. Aber das ist alles nur Vorgeplänkel. Das Publikum will One Direction.

Begleitet von ihrem Super Hit «Midnight Memories» stürmen die fünf Jungs um 20 Uhr die Bühne. Der Kreischpegel erreicht in diesem Moment ein Ausmass, dass man fürchtet, die Lampen könnten von der Bühnendecke fallen. One Direction lassen keinen Hit aus. Und sie wissen genau was sie tun. Jede Bewegung oder Tanzschritt, jeder Blick ins Publikum ziel darauf ab die schwelgenden Mädchen in den Wahnsinn zu treiben. Der Plan geht auf. In entrückter Glückseligkeit wird mitgesungen, mitgekreischt, mitgeschmachtet. Als die Stimmung den Höhepunkt erreicht, weint sogar der Himmel über Bern mit.

Stofftierchen fliegen auf die Bühne, Plakate auf denen Dinge wie «Harry, marry me!» oder «Ich will ein Kind von dir» stehen, werden in die Höhe gereckt. Fast zwei Stunden dauert die Show. Zwanzig Songs. Drei Zugaben. Zurück bleiben glühende Mädchenherzen und die Erinnerung an einen unvergesslichen Abend voller Schweiss und Tränen. Das Souvenir für die nächsten Tage: Eine heisere Stimme. Und auch die Väter sind versöhnt. Denn was ist schon ein lausiges WM-Spiel im Vergleich zum glücklichen Lächeln einer Tochter?

Waren Sie auch am One-Direction-Konzert? Als Fan, Vater oder Mutter? Erzählen Sie uns, wie der Abend für Sie war.

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