Symbol für Familientrennungen: Weinendes Mädchen wurde nicht von Mutter getrennt
Aktualisiert

Symbol für FamilientrennungenWeinendes Mädchen wurde nicht von Mutter getrennt

Laut dem Vater des Kindes sind seine Frau und seine kleine Tochter zusammen in einer Hafteinrichtung in Texas untergebracht.

von
scl
1 / 6
Die Szene trug sich am Dienstag, 12. Juni 2018, im Grenzort McAllen in Texas zu und wurde von Getty-Fotograf John Moore festgehalten, der seit nunmehr zehn Jahren über die Migrationsströme aus Lateinamerika in die USA berichtet.

Die Szene trug sich am Dienstag, 12. Juni 2018, im Grenzort McAllen in Texas zu und wurde von Getty-Fotograf John Moore festgehalten, der seit nunmehr zehn Jahren über die Migrationsströme aus Lateinamerika in die USA berichtet.

AFP/John Moore/Getty Images
Auf der Nordseite des Flusses versammelte die Grenzwache die Migranten und nahm ihre Namen auf.

Auf der Nordseite des Flusses versammelte die Grenzwache die Migranten und nahm ihre Namen auf.

AFP/John Moore/Getty Images
Der Fotograf konnte sich kurz mit der Mutter unterhalten. Sie und ihre Tochter stammen aus dem über 2000 Kilometer entfernten Honduras und waren rund einen Monat lang unterwegs gewesen, bis sie die USA erreichten.

Der Fotograf konnte sich kurz mit der Mutter unterhalten. Sie und ihre Tochter stammen aus dem über 2000 Kilometer entfernten Honduras und waren rund einen Monat lang unterwegs gewesen, bis sie die USA erreichten.

AFP/John Moore/Getty Images

Das Foto eines kleinen weinenden Mädchens aus Zentralamerika hat in der Debatte um die Familientrennungen an der US-Grenze zu Mexiko die öffentliche Entrüstung besonders angefacht - allerdings wurde das Kind gar nicht seiner Mutter weggenommen. Das wurde inzwischen von verschiedenen Seiten klargestellt, darunter dem Vater des Mädchens und einem US-Grenzschutzbeamten.

Denis Varela, der weiterhin in Honduras lebende Vater des Mädchens, sagte in einem Telefoninterview mit einem Fernsehsender des Landes, Mutter und Tochter seien beisammen. Das honduranische Aussenministerium habe ihm mitgeteilt, dass sie sich zusammen in einer Hafteinrichtung in Texas aufhielten. Die Mutter habe einen Asylantrag gestellt.

Symbolfoto für menschliche Dramen an Grenze

Das Bild der US-Fotoagentur Getty zeigt das Mädchen, wie es weinend zu einem US-Grenzschützer hochblickt, der der Mutter gegenübersteht. Es wurde zum Symbolfoto der menschlichen Dramen, die sich an der Grenze zu Mexiko abspielen. Vor allem in der Debatte um die rigorose Praxis der US-Behörden, illegal ins Land gelangten Migranten ihre Kinder wegzunehmen, wurde es häufig gezeigt.

Das US-Magazin «Time» benutzte das Bild des kleinen Mädchens für eine Montage auf seiner Titelseite. Das weinende Mädchen blickt darauf zu US-Präsident Donald Trump hinauf. «Welcome to America» («Willkommen in Amerika») lautet die sarkastische Zeile zu der Fotomontage.

Nicht von seiner Mutter getrennt

Das Magazin stellte dann aber seine erste Version der Ereignisse, die sich rund um das von dem Getty-Fotografen John Moore geschossene Foto abspielten, richtig. Das Mädchen sei nicht schreiend von Grenzschutzbeamten weggetragen worden. Vielmehr habe «ihre Mutter sie in die Arme genommen, und die beiden wurden zusammen abgeführt».

Die im honduranischen Aussenministerium für den Schutz von Migranten zuständige Abteilungsleiterin Lisa Medrank bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass das Kind nicht von seiner Mutter getrennt worden sei. Nach Angaben Medranos wird das Mädchen mit dem Namen Yanela demnächst zwei Jahre alt.

Mutter wollte nach Texas

Ein Grenzschutzbeamter aus der Patrouille, die das Mädchen und seine Mutter aufgegriffen hatte, sagte dem US-Sender CBS News, beide seien spät am Abend nahe der Grenze gefunden worden. Die Beamten hätten dann die Frau aufgefordert, das Kind abzusetzen, damit sie durchsucht werden könne. Das Kind habe daraufhin sofort angefangen zu weinen.

Die Durchsuchung der Frau habe «weniger als zwei Minuten» gedauert, berichtete der Grenzschützer Carlos Ruiz. Direkt danach habe die Mutter das Kind wieder hochgenommen, «und das Kind hörte sofort auf zu weinen». Mutter und Tochter hatten mutmasslich den Grenzfluss Rio Grande durchquert, um nach Texas zu gelangen.

(scl/afp)

Deine Meinung