3 mit Sex: «Weisst du, Ella – nach dem Orgasmus verliert eine Frau für mich jeden Wert»
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3 mit Sex«Weisst du, Ella – nach dem Orgasmus verliert eine Frau für mich jeden Wert»

Am Weihnachtsmarkt lernt Ella einen smarten Tessiner kennen. Die beiden verlassen zwar zu zweit den Glühweinstand – gekommen ist am Ende dennoch keine*r.

von
Ella
Zora Schaad
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Ella schleppt am Weihnachtsmarkt einen smarten Tessiner ab. Sie landen zwar gemeinsam im Bett – gekommen ist aber keine*r.

Ella schleppt am Weihnachtsmarkt einen smarten Tessiner ab. Sie landen zwar gemeinsam im Bett – gekommen ist aber keine*r.

Illu: Anna Deér
Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.
Ella

Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Illu: Anna Déer
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Ella lernt am Weihnachtsmarkt 2019 einen hotten Tessiner kennen.

  • Die beiden landen im Bett und es geht heiss zu und her.

  • Doch zum Abschluss kommt keine*r.

Es war einmal vor langer Zeit eine rothaarige Frau mit blauem Kleid, dickem, kariertem Schal und eleganten Wildleder-Overknees, die verträumt die weihnachtlich erleuchteten Fenster anschaute, derweil ihre Finger von einem Becher heissen Glühweins und ihr Herz von einem charmanten Jüngling erwärmt wurden ...

Ja, Mann! Das war ich, Ella, die mit dem Geht-so-Humor, der Riesenklappe und der fixen Idee, nun endlich ihren Mr. Right zu finden. Das war ich am Weihnachtsmarkt 2019, als wir noch alle easy-peacy Corona-Witze machten, ich am lautesten. Zum Beispiel den:

«Eine Frau in der U-Bahn zu einem stark hustenden Mann: ‹Corona?› – Nein, Marlboro.»

Ella

Ha. Ha. Ha. So mit einem Jahr Abstand: Das ist überhaupt nicht lustig, nicht wahr? Und ich fand den damals nach ein, zwei Bechern Glühwein am Weihnachtsmarkt klasse. Ich lachte laut und alle lachten mit, auch der Kollege von Bruce mit der Nasa-Mütze auf dem schwarzen Haar.

Dann kam das Scheissvirus aus China bis zu uns, selbst mir verging das Witzeln, und ich wette, bis diese Pandemie vorbei ist, wissen wir alle nicht mehr, wie Weihnachtsmarkt geht. Wie das ist, sich schon um 16.30 Uhr an einem normalen Dienstag draussen zu treffen, sich zu Hitparadenmusik-Verbrechen becherweise überzuckerten Fuselwein in den Organismus zu jagen, um dann den leidenden Magen mit Churros und Pommes ins Koma zu knallen.

«Er trug eine Nasa-Mütze und kam aus Lugano»

Fortgeschrittene machen dazu noch den einen oder anderen Flirt klar. Und ich war fortgeschritten. Um 17 Uhr hing ich also der Nasa-Mütze an der Lippe (er kam aus Locarno, doktorierte gerade in Robotik und erzählte davon sehr wortreich mir charming accento), um 17.30 Uhr hing ich der Nasa-Mütze am Hals und um 18.30 Uhr lag die Mütze in meinem Bett. Also unter meinem Bett, wo ich sie kürzlich wieder fand. Also die Mütze, nicht den Mann.

Signore Robot war im Bett – ja, was soll ich sagen – normal. Solide Mittelklasse. Bei Amazon würde stehen: «Kunden, die Signore Robot kauften, interessierten sich auch für einen Mittelklasse-Kombi. Einen Handstaubsauger. Aprikosenmarmelade.»

«Er stand einfach auf, zog sich an, küsste mich und ging»

Dass mir der Sex mit der Mütze in Erinnerung geblieben ist, ist dennoch nicht erstaunlich: Wir waren also schön bei der Sache, er zuerst oben, dann ich. Zuerst langsam, dann schneller. Zuerst leiser, dann lauter. Alles nach Fahrplan, etwas langweilig, aber zuverlässig wie die SBB. Doch kurz vor der Einfahrt in den Zielbahnhof, kurz vor dem Höhepunkt, war plötzlich Stopp. Stellwerkstörung, dachte ich, kann nach dem ganzen Glühwein jedem mal passieren. Ich versuchte, ihn mit Hand und Mund wieder auf Touren zu bringen, aber er sagte: «Du kannst aufhören. Ich will nicht kommen. Sobald ich einen Orgasmus hatte, wird eine Frau für mich wertlos. Und das möchte ich nicht.» Er stand auf, zog sich an, küsste mich und ging.

Ich lag da und wusste nicht, wie mir geschah. Nasa wollte keinen Höhepunkt und begründete das mit seinem Respekt vor Frauen. Gleichzeitig entschied er machomässig ganz allein über unseren Sex und dass der jetzt zu Ende sein sollte. Sein sexuelles Bedürfnis war ihm offensichtlich wichtiger als mein Empfinden und meine Lust. «Was für ein pseudo-feministischer Macker», meinte Lars. «Eigentlich war das wie ein Übergriff mit umgekehrten Vorzeichen», frotzelte Bruce. «Ein Untergriff? Ein No-rgasmus? Schlechtverkehr?»

Ich ging zurück in mein Zimmer, wo die Nasa-Mütze am Boden lag wie ein ausrangiertes Plüschtier. Mit dem Fuss kickte ich sie weit unter mein Bett, zu Staubfusseln und Kaugummipapier. Mehr gibts nicht zu erzählen. Wieder kein Happy End für Ella heute.

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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