Aktualisiert 15.01.2010 15:51

Raplegende Torch zu Haiti«Weiss nicht, ob das Haus meiner Oma noch steht»

Der in Zürich wohnhafte Torch ist gebürtiger Haitianer, gilt als Deutschrap-Legende, war Viva-Moderator und ist als DJ Haitian Star noch immer in den Clubs anzutreffen. Wegen der Erdbeben-Tragödie steht der Musiker zurzeit unter Schock - und bittet um rege Hilfe. 20 Minuten Online sprach mit Torch.

von
David Cappellini

Kriegst du zurzeit Infos aus erster Hand zur aktuellen Lage?

Meine Mutter arbeitet bei der Botschaft von Haiti in Rom und ich wurde angerufen, als das Ganze begann. Aber selbst die Botschaft hat keinen Kontakt. Ich verfolge über Twitter und Facebook die Lage und suche nach Informationen über meine Verwandten und Bekannten. Leider sind das aktuell die einzigen direkten Kanäle, um an Informationen ranzukommen.

Wie geht es dir selber?

Aktuell gebe ich viele Interviews und versuche mit meiner Bekanntheit möglichst viele Leute zu aktivieren, das ist das Wichtigste. Ich hatte eigentlich noch keine Zeit, das alles zu realisieren, da ich ständig versuche Leute zu erreichen. Man muss sich vorstellen: Alle Strukturen, die es dort gibt liegen am Boden. Es fehlt wirklich an allem: Strom, Wasser, Unterkunft, Medikamente.

Hast du Verwandte, die noch in Haiti leben?

Ja. Ich weiss zum Beispiel nicht, ob das Haus meiner Oma noch steht. Viele, die ich kenne, haben ihre Häuser verloren und schlafen im Freien.

Ich habe wohl auch schon Verwandte und Bekannte verloren, aber es gibt, wie gesagt, keine zuverlässigen Informationen und nicht mal die Wege, dort jemand zu erreichen.

Wann warst du denn selber zum letzten Mal in Haiti?

Schon länger nicht mehr. Meine Schwester aber kam erst vor einer Woche von dort wieder nach Deutschland. Auch andere Teile meiner haitianischen Familie sind zum Glück momentan in Europa wegen einer Familienfeier. Das hat sie wohl gerettet.

Was kann man denn nun gegen das Unglück unternehmen, gerade als Schweizer?

Das sind genau die Fragen, die ich auch habe. Natürlich habe ich gespendet - aber wer leitet dort die Bergungen? Wie kann man die Strukturen wiederherstellen? Dazu sollte es von offizieller Seite einen Plan geben. Ich denke umso mehr Interesse man zeigt, desto eher werden Pläne ausgearbeitet. Strukturstarke Länder wie die Schweiz und Deutschland können dort enorme Hilfe leisten. Je mehr Leute sich dafür interessieren, desto mehr wird in Gang gebracht. Ich habe ein Hilfs-Netzwerk für Haiti ins Leben gerufen und wir arbeiten auch mit Viva con Agua/Welthungerhilfe zusammen, die auch in der Schweiz tätig sind.

Wichtig ist vorallem, dass man nicht nur spendet, sondern aktiv Interesse dafür zeigt. Ruft beim EDA an, schickt Ihnen eine E-Mail und fragt, wie Haiti in der schweren Lage geholfen wird. Je mehr Nachfragen die offiziellen Stellen bekommen, umso mehr müssen Sie auch aktiv helfen!

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.