«Form kultureller Aneignung» - Weisse Musikerin mit Dreadlocks darf an Demo von Fridays for Future nicht auftreten

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«Form kultureller Aneignung»Weisse Musikerin mit Dreadlocks darf an Demo von Fridays for Future nicht auftreten

Die Musikerin Ronja Maltzahn darf an einer Demo von Fridays for Future nicht auftreten. Der Grund: Sie trägt Dreadlocks, obwohl sie weiss ist. Dies sei ein Fall kultureller Aneignung. Die Deutsche weigert sich jedoch, ihre Haare zu schneiden.

von
Karin Leuthold
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Die deutsche Musikerin Ronja Maltzahl sollte am 25. März 2022 an einer Demo von Fridays for Future auftreten. 

Die deutsche Musikerin Ronja Maltzahl sollte am 25. März 2022 an einer Demo von Fridays for Future auftreten. 

Instagram/ronjamaltzahn
Am 22. März erhielt sie jedoch eine Absage. Der Grund: Sie trägt die falsche Frisur.

Am 22. März erhielt sie jedoch eine Absage. Der Grund: Sie trägt die falsche Frisur.

Instagram/ronjamaltzahn
Weil Maltzahl weiss ist und Dreadlocks hat, sehen die Klimaaktivisten das als eine «Form kultureller Aneignung».

Weil Maltzahl weiss ist und Dreadlocks hat, sehen die Klimaaktivisten das als eine «Form kultureller Aneignung».

Instagram/ronjamaltzahn

Darum gehts

  • Die Musikerin Ronja Maltzahn trägt nach Ansicht der Organisatoren der Fridays-for-Future-Demo in Hannover die falsche Frisur.

  • Die Klimaaktivisten sagten der 28-Jährigen den Auftritt ab.

  • In einem Statement behauptet die Organisation, BiPoC’s könnten den Eindruck haben, «dass diese Bewegung für sie keinen Safer Space darstellt».

Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future (kurz FFF) will am kommenden Freitag im Rahmen eines neuen weltweiten Klimastreiks erneut demonstrieren. Auch in Hannover ist eine Veranstaltung geplant. Dafür hatten die Aktivisten ursprünglich die Musikerin Ronja Maltzahn für einen Auftritt verpflichtet.

Am Dienstag erhielt Maltzahn jedoch überraschend eine Absage. Die Begründung: Weil sie weiss sei und Dreadlocks habe, sei ihre Präsenz auf der Bühne unvertretbar. Ihre Frisur bezeichneten die Aktivisten als «eine Form der kulturellen Aneignung». Sollte sich die 28-Jährige dazu entscheiden, bis Freitag ihre Dreadlocks abzuschneiden, «würden wir dich natürlich auf der Demo begrüssen und spielen lassen», heisst es weiter in einer Insta-Nachricht, die die lokale FFF-Organisation Maltzahn schickte.

Dreadlocks bei weissen Menschen passen nicht zum «antirassistischen Narrativ»

«Die Haare bleiben!», sagt nun die Musikerin zur «Bild»-Zeitung. Für die Ausladung habe sie kein Verständnis. «Eigentlich wollten wir bei der Demonstration von Fridays for Future in Hannover teilnehmen und mit unserer Musik ein Zeichen setzen für Frieden, Offenheit und Umweltschutz», meint sie. Mit ihren 15 Musikern aus verschiedenen Ländern stehe sie für Vielfalt und kulturelle Toleranz ein.

Doch nach Meinung von FFF dürften «weisse Menschen keine Dreadlocks tragen», da die Frisur «von schwarzen Menschen in Zeiten der Sklaverei von weissen Menschen als ein Zeichen der Unterdrückung genutzt wurde». Maltzahns Haare passen demnach nicht zum «antikolonialistischen und antirassistischen Narrativ» der Veranstaltung.

Schwarze Menschen könnten sich durch Maltzahn bedroht fühlen

«Schade, dass wir aufgrund von äusserlichen Merkmalen davon ausgeschlossen werden», kommentierte die Musikerin die Nachricht, die sie auf ihrem Insta-Account veröffentlichte. Ihre Followerinnen und Follower sind mit Mahlzahn einverstanden. «So ein Quatsch! Wie kann eine Frisur ‹kulturelle Aneignung› sein?», kommentiert der Fernsehmoderator Kena Amoa, Sohn eines Ghanaers. «Nach dieser Logik dürften weisse Menschen auch keinen Blues, Hip Hop etc. spielen, denn diese Musik ist so was von schwarzer Kultur, die im Zusammenhang mit Sklaverei, Unterdrückung und Rassismus erst entstanden ist», meint ein Mitglied der Band «Below the Tree».

Inzwischen habe sich ein FFF-Sprecher bei ihr telefonisch gemeldet und sich «für den Tonfall entschuldigt», sagt die Künstlerin weiter zu «Bild». Die Organisation gab am Mittwochnachmittag in einer öffentlichen Stellungnahme zu, dass der Vorschlag, dass Ronja Maltzahn bis zum Auftritt ihre Haare abschneiden könnte,  ein «Eingriff in die Privatsphäre der Künstlerin sei, der so nicht hätte passieren dürfen». Dennoch beharrt die Organisation auf Ausladung der Musikerin. Denn: Schwarze Widerstandssymbole haben «auf weissen Köpfen nicht zu suchen». Der Auftritt einer weissen Frau mit Dreadlocks könnte für BiPoC’s den Eindruck erwecken, «dass diese Bewegung für sie keinen Safer Space darstellt.»

Was ist mit Carola Rackete?

Auf Twitter werfen indes viele User und Userinnen den Klimakämpfern Doppelmoral vor: Als die ehemalige Sea-Watch-Kapitänin und Umweltaktivistin Carola Rackete im 2019 beim grossen Klimastreik in Berlin auftrat, wurde sie von Fridays for Future als Ikone gefeiert.

Der Klimaschutz brauche «keine extremen Ideologie-Einschübe», meint ein Nutzer. 

Eine Userin ist der Meinung, dass der Vorfall «die kranke Doppelmoral» der Klimabewegung zeige.

Und ein kritischer Nutzer meint sogar mit Ironie, dass sich «kultursensible» Armutsflüchtlinge aus Afrika von einer weissen Frau mit Dreadlocks wie Carola Rackete «nicht aus Seenot retten» lassen würden.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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