25.02.2019 13:45

ForschungWeisse Wände machen schlechte Laune

Wer glaubt, Weiss sei neutral, der irrt: Weiss kann sich schlecht auf unsere Stimmung auswirken.

von
M. Siegenthaler
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Weiss ist längst nicht so neutral, wie wir denken. Natürlich hat eine weisse Wand Vorteile.

Weiss ist längst nicht so neutral, wie wir denken. Natürlich hat eine weisse Wand Vorteile.

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Es soll Weite und Leichtigkeit in die Räume bringen, es ist zeitlos und beliebig kombinierbar.

Es soll Weite und Leichtigkeit in die Räume bringen, es ist zeitlos und beliebig kombinierbar.

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Farbforscher sind aber überzeugt, dass zu viel Weiss aufs Gemüt drückt, denn Farben haben einen grossen Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Farbforscher sind aber überzeugt, dass zu viel Weiss aufs Gemüt drückt, denn Farben haben einen grossen Einfluss auf unser Wohlbefinden.

iStock / a75

Weiss ist hell und praktisch. Es soll Weite und Leichtigkeit in die Räume bringen, es ist zeitlos und beliebig kombinierbar. Kein Wunder, sind weisse Wände fast überall anzutreffen, in Wohnungen ebenso wie in Büros.

Wie wichtig sind Farben für unsere Stimmung?

Farbforscher sind aber überzeugt, dass zu viel Weiss aufs Gemüt drückt, denn Farben haben einen grossen Einfluss auf unser Wohlbefinden. So empfinden wir beispielsweise Räume in Pastelltönen oder Cremefarben als gemütlich – sicher gemütlicher als komplett weiss gestrichene Zimmer, die womöglich noch hauptsächlich in Weiss möbliert sind.

Der Grund: Sorbetfarben wie sanfte Beige- oder Orangetöne erinnern uns an Sonne und Wärme, und das mögen wir sehr viel lieber als kaltes, steriles Weiss. Der Farbforscher Professor Axel Venn aus Berlin glaubt sogar, dass weisse Wände lebensfeindlich sind. Er ist überzeugt, dass das Weiss Distanz schafft und deshalb beispielsweise Gespräche unter Freunden ganz anders ablaufen, als wenn sie in einem Raum mit sanften Pastelltönen stattfinden.

Doch nicht nur Wände, auch Böden beziehungsweise Teppiche sollten seiner Meinung nach nicht weiss oder sehr hell sein. Sie vermitteln unbewusst Unsicherheit, es fühlt sich an, als hätte man kein Fundament unter den Füssen, als würde der Boden einen gar nicht tragen.

Mehr Farbe ins Büro

Doch nicht nur zu Hause, auch am Arbeitsplatz ist allzu viel Weiss ungesund, wie Farbpsychologen überzeugt sind. Monotone Umgebungen unterfordern die Wahrnehmung, denn das Auge braucht Abwechslung, um sich regenerieren zu können. Auch sollen rein weisse, strahlend helle Umgebungen die Pupille überfordern. Sie verengt sich, die Sensibilität für feine Abstufungen geht verloren.

Und: Farben wirken vor einer dunklen Umgebung wesentlich lebendiger als vor einer weissen. Kommt dazu, dass in einer rein weissen Umgebung das Mobiliar und andere Einrichtungsgegenstände isoliert voneinander auftreten, es kommt keine Verbindung zustande. Nicht zuletzt soll aber auch im Geschäftsbereich die Kommunikation in einer rein weissen Umgebung leiden.

Diese Beobachtungen bestätigt auch eine Studie der Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft in Hildesheim mit über 3000 Befragten aus allen Schichten und Altersklassen. Wer auf Kommunikation setzt, fanden die Studienleiter heraus, sollte auf der Farbpalette zwischen Rot- bis Gelborangetönen sowie Erd- und Holzfarbtönen wählen. Farben aus dem roten Spektrum wirken besonders inspirierend und sind deshalb ideal in Konferenzräumen oder bei Teamarbeit.

Erste Hilfe für mehr Farbe

Idealerweise müsste man jetzt ganz schnell zum Pinsel greifen und seiner Umgebung mehr Farbe verleihen. Als Mieter zwar machbar, aber relativ aufwendig. Und die wenigsten Arbeitgeber dürften auf die Wünsche ihrer Angestellten bezüglich Wandfarbe eingehen – es sei denn, man kann sie davon überzeugen, dass mit der richtigen Farbe die Produktivität gesteigert werden kann.

Also was tun? Die einfachste Möglichkeit, im weissen Zuhause eine warme Stimmung zu schaffen, ist Kerzenlicht oder ein Kaminfeuer. Alternativ kann man auch mit modernen LED-Beleuchtungssystemen eine warme Stimmung im Raum schaffen.

Und für das Büro raten Farbpsychologen zu Blau, Gelb und Grün, beispielsweise auf grossen Bildern oder Postern. Blau ist nämlich die Farbe des Denkens, Gelb diejenige der Kreativität und Grün steht für Frische und Energie.

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