Zürich: Weitere Binz-Besetzung soll verhindert werden
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ZürichWeitere Binz-Besetzung soll verhindert werden

Damit das Binz-Areal nicht erneut besetzt wird, prüft die Stadtpolizei Zürich mit dem Kanton als Eigentümer «geeignete Massnahmen». Derzeit wird das Gelände vom Abfall befreit.

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zed
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Flinke Hände von Entsorgung und Recycling Zürich sammelten am Montagmorgen, 20. Juli 2015, tonnenweise Abfall ein auf dem Binz-Areal, wo vom 17. bis 19. Juli 2015 eine illegale Party stattgefunden hatte.

Flinke Hände von Entsorgung und Recycling Zürich sammelten am Montagmorgen, 20. Juli 2015, tonnenweise Abfall ein auf dem Binz-Areal, wo vom 17. bis 19. Juli 2015 eine illegale Party stattgefunden hatte.

Peter Wiederkehr
Die Abbruch- und Aufräumarbeiten dauerten den ganzen Vormittag.

Die Abbruch- und Aufräumarbeiten dauerten den ganzen Vormittag.

Peter Wiederkehr
Abbrechen mussten die ERZ-Mitarbeiter auch diese Holzskulptur mitten auf dem Platz.

Abbrechen mussten die ERZ-Mitarbeiter auch diese Holzskulptur mitten auf dem Platz.

Peter Wiederkehr

Mitarbeitende von Entsorgung und Recycling Zürich räumten am Montagmorgen die Überreste der zweitägigen Party weg. Die Besetzer hatten das Areal vor ihrem Abzug zwar mehr oder weniger aufgeräumt, aber trotzdem einigen Abfall zurückgelassen. So unter anderem eine sieben Tonnen schwere und 15 Meter hohe Holzskulptur, welche die Besetzer als «Dänkmal» aufgebaut hatten.

Ob diese Nach-Reinigung und das Abtransportieren von zwei 700-Liter-Containern gefüllt mit Flaschen den Besetzern in Rechnung gestellt wird, ist noch unklar. Die Stadtpolizei hätte für diesen Fall aber zumindest die Personalien: Vor dem Abzug wurden die Namen von rund 100 verbliebenen Besetzern erfasst.

Brache bleibt noch einige Zeit

Das Binz-Areal, das am vergangenen Wochenende von zeitweise bis zu 500 Besetzern in Beschlag genommen worden ist, wird noch mehrere Monate brachliegen. Die Basler Stiftung Abendrot, die das Gelände überbauen wird, rechnet erst für Frühsommer 2016 mit dem Baubeginn.

Damit Aktivisten das Binz-Areal in der Zwischenzeit nicht erneut für eine Party nutzen, wollen Stadtpolizei und Kanton Zürich nun eventuell weitere Massnahmen ergreifen. Aus ermittlungstaktischen Gründen macht die Polizei diese Massnahmen aber nicht öffentlich.

Stacheldraht und Zäune

Das Areal ist zwar bereits mit Stacheldraht, Spanplatten und Zäunen abgesperrt, diese Einzäunung wurde am Freitag aber aufgebrochen. «Wir prüfen nun, ob weitere Massnahmen nötig sind», sagte Dominik Bonderer von der Baudirektion des Kantons, dem das Areal gehört.

Unklar ist, woher die Besetzer den Strom für die Party genommen haben. Augenzeugen beobachteten laut Tages Anzeiger, dass sie diesen von einer Trafo-Station bezogen haben. Eine solche gibt es auf dem Areal tatsächlich, wie Bonderer gegenüber 20 Minuten bestätigt. Ob diese auch angezapft wurde, könne er nicht bestätigen.

Die Stromversorgung unterbrechen, kann ein Energieversorger aber nicht einfach so, sagt Marie Avet, Sprecherin des Elektrizitätswerk Zürich (EWZ). «Nur wenn der Eigentümer des Stromanschlusses uns den Auftrag gibt, können wir jemanden vorbei schicken, der den Strom unterbricht.»

Ein Denkmal setzen

Von der Binz-Besetzung Kenntnis genommen hat auch die Mobimo, deren Labitzke-Areal in Altstetten bis vor einem Jahr ebenfalls besetzt gewesen war. Angst vor ähnlichen Aktionen wie auf dem Binz-Areal habe man aber nicht, wie Sprecherin Christine Hug sagt. Bis vor kurzem wurden dort noch ergänzende Altlastenuntersuchungen des Bodens durchgeführt, «diesen Donnerstag übergeben wir das Areal an die Aushub-Unternehmung für den Tiefbau.»

Die Besetzer hatten das Binz-Areal am Wochenende in Beschlag genommen, um ein «Denkmal» zu setzen «für alle Freiräume, die Platz für alternatives und bezahlbares Leben boten und vernichtet wurden». Da die Stimmung während der ganzen Zeit zwar laut, doch weitgehend friedlich blieb, entschieden Polizei und Polizeivorstand nach intensiven Diskussionen, die Menge gewähren zu lassen.

Stadtrat angepöbelt und geschubst

Zwei Personen wurden laut Stapo-Sprecher Adrian Feubli wegen Gewalt und Drohung festgenommen und der zuständigen Staatsanwaltschaft zugeführt. Vier Personen müssen mit Konsequenzen wegen Nichtbefolgen einer polizeilichen Anordnung rechnen, nach der Befragung wurden sie wieder entlassen, und sieben weitere Personen wurden zur Identitätsabklärung vorübergehend mit auf die Polizeiwache genommen.

Zudem wird die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung einleiten, weil Besetzer Stadtrat Filippo Leutenegger anpöbelten und schubsten, als er sich am Samstag ein Bild von der Situation machen wollte. Auch der Kanton Zürich reichte eine Anzeige ein wegen Hausfriedensbruchs. Zudem beschwerten sich mehrere Dutzend Anwohner wegen des Lärms. (zed/sda)

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