Winterthur ZH: Weitere Chance für Jungkriminellen
Aktualisiert

Winterthur ZHWeitere Chance für Jungkriminellen

Ein junger Winterthurer hat nicht nur einen Passanten spitalreif geprügelt, sondern auch zwei Altersgenossen erpresst. Nun erhielt er vor Obergericht eine weitere Chance.

von
Attila Szenogrady

Sass mit dem kräftigen Winterthurer ein hoffnungsloser Fall vor Obergericht? Oder ein geläuterter junger Mann, der heute auf dem zweiten Bildungsweg die Sekundarschule abschliessen will? Diese zentrale Frage stellte sich am Berufungsprozess vom Montag. Das Bezirksgericht Winterthur hatte den inzwischen 20-jährigen Schüler im letzten März wegen Körperverletzung, Erpressung, Nötigung und weiteren Delikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Zudem hatte es zwei ehemals bedingte Vorstrafen von fünf Monaten sowie vier Monaten widerrufen. Weshalb der Winterthurer insgesamt 19 Monate absitzen sollte.

Immer wieder aggressiv und rückfällig

Die Vorwürfe gab der junge Täter unumwunden zu. So als er in der Nacht auf den 23. Januar 2010 an der Steinbergstrasse einen 54-jährigen Maschinenbautechniker spitalreif prügelte. Grund der Attacke: Der Angreifer hatte an die Hauswand des Alterszentrums Neumarkt uriniert. Worauf ihn der Geschädigte verbal zurechtwies und seine Worte mit Kopfverletzungen infolge von Faustschlägen sowie einer gebrochenen rechten Hand bezahlte.

Schon früher war der Winterthurer Beschuldigte – vor allem unter Alkoholeinfluss - immer wieder aggressiv aufgefallen. Im April 2010 wurde er bereits wieder rückfällig. Diesmal wollte er von zwei Altersgenossen rund 4 500 Franken herauspressen und schreckte auch vor massiven Drohungen nicht zurück.

Mildere Strafe dank Schulbesuch

Die Verteidigung sprach vor Obergericht von vergangenen Zeiten und verwies darauf, dass ihr Mandant nun endlich vor dem Abschluss der Sekundarschule stehe. Ein längerer Strafvollzug würde die jüngst erzielten Fortschritte zu Nichte machen, plädierte er und verlangte den Aufschub der zehnmonatigen Hauptstrafe.

Mit Erfolg. So drückte das Obergericht beide Augen zu und setzte die zehn Monate Freiheitsentzug wegen des Schulbesuchs zur Bewährung aus. Bei einer langen Probezeit von fünf Jahren.

«Es darf einfach nichts mehr passieren»

Ganz ungeschoren kam der Schüler aber nicht davon. So muss er die beiden Vorstrafen von insgesamt neun Monaten in Halbgefangenschaft absitzen. Zudem soll er den Grossteil der Gerichtkosten berappen und darf sich künftig nichts mehr leisten: „Es darf einfach nichts mehr passieren", machte ihm der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger klar. Es liege nicht einmal eine Blaufahrt drin, ergänzte er. Sonst warte ein längerer Freiheitsentzug.

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