Aktualisiert 29.06.2005 21:40

Weitere Chefs verlassen Unaxis

Die österreichische Victory muss eine neue Geschäftsleitung für den Technologiekonzern Unaxis suchen.

Nur einen Tag nach dem Einzug von Kovats & Co. in den Unaxis-Verwaltungsrat reichten am Mittwoch Finanzchef Kaspar Kelterborn und Personalchef Matthias Mölleney die Kündigung ein.

Mit dem Abgang der beiden Spitzenmanager ist die Konzernleitung von Unaxis praktisch verwaist. Letztes verbliebenes Mitglied ist der interimistische Konzernchef Harald Eggers. Mit Thomas Limberger steht dessen Nachfolger aber bereits in den Startlöchern.

Limberger gilt als Vertrauter des neuen Unaxis-Präsident Mirko Kovats. An der Generalversammlung vom (gestrigen) Dienstag wurde er vom abgetretenen Verwaltungsratspräsidenten Markus Rauh beschuldigt, während der Übernahmeschlacht vertrauliche Informationen an Victory weitergeleitet zu haben.

Die Nachfolge für Mölleney und Kelterborn stand noch nicht fest. Gemäss früheren Angaben eines Unaxis-Sprechers verfügen die beiden Manager über eine Klausel in ihren Verträgen, die ihnen im Falle eines Kontrollwechsels die Kündigung innerhalb eines Monates erlaubt und ihnen als Entschädigung ein Jahressalär garantiert.

Für Mölleney ist das Aus bei Unaxis bereits der dritte vorzeitige Abgang in Folge. Der frühere Lufthansa-Manager war bis zum Grounding bei der Swissair tätig und wechselte in der Folge zu Centerpulse, die vom amerikanischen Zimmer-Konzern geschluckt wurde.

EBK untersucht Angebotspflicht

Noch nicht vom Tisch ist der Streit, ob Victory den Minderheitsaktionären ein Übernahmeangebot machen müssen. Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass der alte Verwaltungsrat Rekurs gegen den abschlägigen Entscheid der Übernahmekommission eingelegt hat.

Laut EBK-Sprecherin Tanja Kocher hat die Abwahl des Verwaltungsrates keine unmittelbare Auswirkung auf die Gültigkeit des Rekurses, selbst wenn die neuen Machthaber diesen zurückziehen möchten. Die Begründung für den Rückzug müsste genau geprüft werden, sagte Kocher. Immerhin habe der alte VR den Rekurs noch während seiner Amtszeit eingereicht.

Entscheidet die EBK, dass eine Angebotspflicht besteht, müsste Victory nochmals tief in die Tasche greifen. Der Erwerb der restlichen 58 Prozent der Unaxis-Aktien würde beim gegenwärtigen Aktienkurs fast 1,4 Milliarden Franken kosten. Laut Rauh hat sich Victory bereits beim Erwerb ihres 42-Prozent-Anteils massiv verschuldet. Es sei zu befürchten, dass Victory zur Deckung ihrer Verbindlichkeiten die flüssigen Mittel von rund einer Milliarde Franken aus der Unaxis-Kasse verwenden werde, sagte Rauh an der GV.

(dapd)

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