Aktualisiert

LahoreWeitere Tote nach Angriffen auf Moscheen

Einen Tag nach den schweren Angriffen auf eine muslimische Minderheit in Pakistan ist die Zahl der Toten auf 93 gestiegen.

Angehörige der Ahmadiyya-Minderheit beerdigen nach dem Massaker vom Vortag Tote in Rabwa (rund 150 Kilometer nordwestlich von Lahore), 29. Mai 2010.

Angehörige der Ahmadiyya-Minderheit beerdigen nach dem Massaker vom Vortag Tote in Rabwa (rund 150 Kilometer nordwestlich von Lahore), 29. Mai 2010.

Extremisten hatten am Freitag in der ostpakistanischen Stadt Lahore während des Freitagsgebets zwei Moscheen der Ahmadiyya-Minderheit angegriffen und ein Blutbad angerichtet. Beim bislang schwersten Angriff auf die muslimische Minderheit sind zunächst rund 80 Menschen getötet worden.

In der Nacht zum Samstag seien noch 13 der mehr als 80 Verletzten im Krankenhaus gestorben, teilte ein Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde in Lahore am Samstag mit. Die angegriffenen Gotteshäuser liegen in den mehrere Kilometer auseinander liegenden Stadteilen Model Town und Garhi Shuha in Lahore, der zweitgrössten Stadt des Landes. Laut Berichten mehrerer Lokalsender bekannten sich die pakistanischen Taliban zu dem Anschlag.

Sieben Angreifer

Die Moscheen wurden während des Freitagsgebets mit Granaten beschossen. Die Angreifer nahmen offenbar mehrere Geiseln, wie ein Polizeisprecher berichtete. Ein Angreifer gab von einem Minarett aus Schüsse ab, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Insgesamt sollen sieben Angreifer die beiden Moscheen überfallen haben, davon waren drei Selbstmordattentäter. Zwei Angreifer wurden festgenommen. Nach Angaben eines Regierungsbeamten trugen die Attentäter in dem Stadtteil Garhi Shuha Munitionswesten. Nach Feuergefechten mit der Polizei sprengten sie sich dann in die Luft.

Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde waren in der Vergangenheit bereits mehrfach Opfer von Angriffen radikaler Sunniten. Aber einen Angriff derartigen Ausmasses hatte es bislang nicht gegeben. Die Mehrheit der pakistanischen Muslime sind Sunniten. Sie schmähen die Ahmadiyya als Häretiker, da diese den Gründer ihrer Glaubensgemeinschaft als den vom Koran angekündigten Mahdi (Messias) der Endzeit betrachten.

«Barbarei»

Unter Druck von sunnitischen Hardlinern hatte die pakistanische Obrigkeit in den 1970er Jahren die Ahmadiyya zur nicht-muslimischen Minderheit erklärt. Sie dürfen sich selbst nicht als Muslime bezeichnen oder muslimische Praktiken wie beispielsweise das Zitieren islamischer Gebete ausüben. Nach eigenen Angaben gehören den Ahmadiyya im 180 Millionen Einwohner zählenden Pakistan rund vier Millionen Anhänger an. Ein in den USA ansässiges Mitglied der Glaubensgemeinschaft sagte, die Ahmadiyya verurteilten Gewalt und seien wegen des Blutbades sehr betroffen.

Der Regierungschef der Provinz Punjab rief zur Ruhe auf. «Unsere Sicherheitskräfte werden diese Bedrohung bis zum Ende bekämpfen», sagte Shahbaz Sharif. «Anschläge an religiösen Orten sind Barbarei.» (sda/dapd)

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