Aktualisiert 13.01.2014 15:35

Skandal im VatikanWeiterer Gardist sexuell belästigt

Im Nachzug zu den Bekanntmachungen eines Gardisten, der im Vatikan von Geistlichen sexuell belästigt wurde, wird ein weiterer Fall bekannt. Die Medienstelle sieht kein Problem.

von
pwe

Anscheinend handelt es sich bei dem Gardisten, der im Vatikan von Priestern sexuell angegangen wurde, nicht um einen Einzelfall. Die «Schweiz am Sonntag» wurde gemäss eigenen Angaben von einem Verwandten eines anderen ehemaligen Gardisten kontaktiert, der vor zehn Jahren ebenfalls im Vatikan Dienst leistete. Der «gross gewachsene Adonis», wie er ihn beschrieb, habe nach seiner Rückkehr fast identische Vorkommnisse geschildert: «Auch er wurde sexuell angemacht und hat von Bischöfen und Kardinälen eindeutige Angebote erhalten.»

Anfänglich glaubte der Gardist nach Angaben des Verwandten, «diese Leute seien einfach besonders nett». Erst nach und nach habe er gemerkt, was da in Wirklichkeit vor sich ging. Auch dieser Gardist habe von privaten Einladungen zu Essen mit viel Alkohol erzählt. Nachts habe auf den Korridoren ein emsiges Kommen und Gehen geherrscht. «Geistliche gingen zu ihm, wenn er Wache hatte. Und einer, der Freude an ihm hatte, kam ihn sogar in der Schweiz besuchen», berichtet der Verwandte.

Üble Nachrede und Rufschädigung

Auch dieser Gardist wird – wie schon der erste – nicht mit Namen genannt. Man wolle es sich nicht mit der Garde verscherzen. Gemäss der «Schweiz am Sonntag» ist diese Furcht nicht unbegründet. Ex-Gardisten würden die Äusserungen als üble Nachrede und Rufschädigung der Garde bezeichnen.

Bei der Medienstelle der Garde sieht man kein Problem: «Für sie stehen ganz andere Themen im Zentrum ihrer Kameradschaft», sagte Sprecher Urs Breitenmoser vergangene Woche gegenüber der Zeitung. Ein amtierender Kommandant würde allerdings seine Gardisten explizit und mit Namensnennung vor einzelnen Geistlichen warnen – ein Widerspruch zu den Äusserungen Breitenmosers. Eine Anfrage bei der Medienstelle zu diesen Warnungen sei unbeantwortet geblieben.

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