Aktualisiert 14.07.2014 00:49

Hochwasser

Weiterer Regen erwartet - Lage bleibt prekär

In Bern gilt für die Aare derzeit eine «erhebliche Hochwassergefahr». Eine Besserung ist nicht in Sicht: Es soll noch bis Montagabend regnen.

von
nc/tok/pat

Die heftigen Regenfälle von letzter Nacht haben ein Todesopfer gefordert: Eine 82-jährige Frau wurde in Thörishaus BE in einem Bach tot aufgefunden. Nachbarn des Opfers sind geschockt: «Es ist tragisch. Wir wissen nicht, was die Frau draussen gemacht hat. Aber wahrscheinlich wurde sie mitgerissen», sagt eine Anwohnerin zu 20 Minuten. «Das Wasser kam mit einer unglaublichen Gewalt den Hügel hinunter. Und jetzt ist es wieder so ein Bächlein», so die Anwohnerin weiter.

Fünf Menschen mit Helikopter evakuiert

Thörishaus gehört teilweise zur Gemeinde Köniz. Diese wurde von den Unwettern besonders heftig getroffen. Die Feuerwehr leistete in der Nacht einen Grosseinsatz. Nach den heftigen und langanhaltenden Niederschlägen traten in der Region mehrere Bäche über die Ufer und einzelne Hänge kamen ins Rutschen. Mehrere Personen mussten in Sicherheit gebracht werden: «Wir mussten in der Nacht auf Sonntag fünf Menschen zusammen mit ihren Hunden in der Grabenmühle aus ihren Häusern evakuieren. Weil ein Teil der Leute nicht mehr gut zu Fuss ist, wurde auch ein Helikopter eingesetzt», sagt Ueli Studer, Gemeindepräsident von Köniz.

Im «Grabe» wohnt auch Roman Niederhäuser (22). «Gestern Abend wurde der Regen heftiger, dann kam die Feuerwehr und hat uns angeboten, in der Zivilschutzanlage zu übernachten. Wir blieben aber daheim.» Arjan Maring aus Holland macht derzeit Ferien bei der Familie Niederhäuser. «Alles was lose war, wurde weggeschwemmt. Ich versuchte noch, eine Maschine festzuhalten, musste aber loslassen, sonst hätte es mich auch mitgerissen.»

Die Lage in Köniz ist auch am Sonntag noch prekär: «Die Hänge sind voll, es verträgt nicht mehr viel», sagt Gemeindepräsident Ueli Studer. Auch in der Stadt Bern bleibt die Lage prekär.

Diverse Bahnstrecken unterbrochen

Die heftigen Niederschläge haben auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Die Linie Bern-Freiburg ist wegen eines Erdrutsches unterbrochen, Züge verkehren frühstens ab Montag wieder, sagt ein SBB-Sprecher zu 20 Minuten. Sowohl die Fern- als auch die Regionalverkehrszüge fallen zwischen Bern und Freiburg aus.

Wegen Hochwasser fallen zwischen Belp und Toffen die Züge aus, es verkehren Bahnersatzbusse. In Mittelhäusern haben die Regenfälle die Geleise der S-Bahn-Linie 6 weggespült. Die Strecke bleibt bis voraussichtlich Mittwoch gesperrt. Auch die Linie durchs Gürbertal war unterbrochen, konnte aber am Sonntagvormittag wieder geöffnet werden.

Auch der Strassenverkehr war von den heftigen Regenfällen betroffen. Diverse Strassen mussten gesperrt werden.

77 Liter pro Quadratmeter in Wiesendangen

In Wiesendangen ZH fiel fast so viel Regen wie bei Flamatt. In der Zürcher Gemeinde drohte offenbar der Dorfbach über die Ufer zu treten. Leser meldeten, die Feuerwehr habe Alarm geschlagen und es mangle im Dorf und der benachbarten Gemeinde Bertschikon an Sandsäcken. Im nahe gelegenen Gundetswil habe man zudem die Hauptstrasse sperren müssen. Auch in Dinhard ZH und Rickenbach ZH standen Keller unter Wasser.

Die Lage bleibt angespannt: Für heute Sonntag werden in der ganzen Schweiz Regenfälle und teilweise Gewitter erwartet. Das nasse Wetter hält bis Montagabend an, wie Meteo News auf Anfrage von 20 Minuten sagt. (nc/tok/pat/sda)

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