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PilzeWeizenernte für Bauern katastrophal

Der nasse Frühling und Krankheiten haben den Bauern das Geschäft vermiest. Besonders gelitten hat der Weizen. Die Ernte ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

von
vro
Die Weizenernte fällt in diesem Jahr besonders mager aus.

Die Weizenernte fällt in diesem Jahr besonders mager aus.

Keystone/Gaetan Bally

Pilze und das Regenwetter haben den Getreidefeldern in diesem Jahr stark zugesetzt. Bereits im Frühling warnte die Branche davor, dass etwa die Gemüseernte herbe Verluste erleiden könnte. Jetzt wird das Ausmass der Wetterkapriolen im Frühling ersichtlich. «Es ist nicht mehr normal», sagt etwa Friedrich Schütz, Bauer aus Stadel, zur NZZ.

Ihm macht nicht nur das Wetter zu schaffen. Wer vom Bund und von IP Suisse Beiträge erhalten will, darf keine Fungizide verwenden – im Kampf gegen Pilze ein herber Rückschlag. Die Folge: «Viele Bauern lieferten an den Sammelstellen Ware ab, mit der man sich früher nicht hätte zeigen dürfen», sagt Stadel. Teilweise sei der Weizen nicht einmal als Tierfutter geeignet.

Auch Martin Haab, Vorstandsmitglied im Zürcher Bauernverband, kritisiert die Fungizid-Bedingungen von Bund und IP Suisse. Vor 150 Jahren hätte eine solche Missernte ein Hungerjahr bedeutet, sagt er zur Zeitung. Unterstützt wird Haab von Fritz Glauser, Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands: «Wenn eine Kuh krank ist, darf man ihr auch Medikamente geben.» Er schätzt, dass der Rückgang beim Brotgetreide rund 15 bis 20 Prozent beträgt.

Nicht einmal 50 Prozent der Vorjahresmenge

Die schlechte Ernte scheint Bauern in vielen Regionen zu betreffen: «Es ist ein Rekord-Minus-Jahr», sagt Heinz Denzler aus Warth zur «Thurgauer Zeitung». Sein Vater habe in den vergangenen 50 Jahren noch nie eine solch schlechte Ernte gesehen.

«Für viele Bauern, die seit Jahren Getreide anbauen, ist es eines der schlechtesten Jahre überhaupt», bestätigt Oswald Perler, Geschäftsleiter der Saatzucht Düdingen den «Freiburger Nachrichten». Ebenso geht es den Solothurner Bauern. Urs Braun, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi BippGäu-Thal AG, sagt zur «Solothurner Zeitung»: «Bei uns in der Sammelstelle fehlen 20 bis 25 Prozent der Gerstenmenge. Beim Brotgetreide sieht es noch schlimmer aus, wir werden nicht einmal 50 Prozent der Vorjahresmenge erreichen.»

IP Suisse sucht Lösung

Doch auch Spritzmittel gegen Pilze helfen nicht immer, wie der Fall von Bauer Charles Zamofing aus Schmitten zeigt. Er konnte nicht einmal halb so viel ernten wie in anderen Jahren, sagt er zu den «Freiburger Nachrichten». Und das trotz Spritzmittel. Zamofing rechnet mit einer Ertragseinbusse von 25'000 bis 30'000 Franken.

Alexandre Bardet, Verantwortlicher für den Getreidehandel bei IP Suisse, betont, dass jeder Bauer selbst entscheiden könne, wie er anbauen wolle, schreibt die NZZ. Der Vergleich mit der kranken Kuh sei zudem falsch, da ein Fungizideinsatz nach dem Pilzbefall bereits zu spät sei. IP Suisse setzt auch daran, eine Lösung für die Missernte zu finden. So suche man etwa nach einem neuen Mahlverfahren, durch das auch Weizen zur Brotproduktion zugelassen werden könnte, das in der Regel zu Tierfutter verarbeitet werden müsste.

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