Booking.com & Co.: Weko ermittelt – die Hoteliers freuts
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Booking.com & Co.Weko ermittelt – die Hoteliers freuts

Für Hotelgäste sind Buchungsplattformen ein Segen. Für die Hoteliers sind sie ein Albtraum – die Kommissionen sind horrend, die Verträge diktatorisch. Nun ermittelt die Weko.

von
S. Spaeth
Buchungsplattformen haben in der Schweiz bereits einen Marktanteil von 16 Prozent. Sie kassieren massive Gebühren.

Buchungsplattformen haben in der Schweiz bereits einen Marktanteil von 16 Prozent. Sie kassieren massive Gebühren.

662 Euro kostet eine Übernachtung von heute Mittwoch auf morgen Donnerstag in einem Doppelzimmer des Zürcher Nobelhotels Dolder Grand. Am anderen Ende der Preisskala bei der Buchungsplattform HRS.com befindet sich das Ibis-Hotel am Zürcher Flughafen: Das günstigste verfügbare Doppelzimmer schlägt hier mit 132 Euro zu Buche.

Klar ist: Der moderne Kunde strebt nach Preistransparenz – und findet sie bei internationalen Buchungsplattformen wie Booking.com, Expedia oder HRS. Buchungsplattformen haben in der Schweiz bereits einen Marktanteil von 16 Prozent, Tendenz steigend. Dem Hotelier tut der Gast mit dieser Art von Buchung aber keinen Gefallen. Die Portale berechnen hohe Gebühren. Booking.com, Branchenführer in der Schweiz, kassiert bis zu 12 Prozent – rekordverdächtige 25 Prozent sind es laut «Gastro Journal» bei Marktleader Expedia.

Illegale Bestpreisgarantie?

Beim Branchenverband Hotellerie Suisse spricht man von Kommissionssätzen von bis zu 20 Prozent. Zudem stören sich die Hoteliers an diktatorischen Vertragsklauseln. «Die Hotels sollten ihre Preise frei gestalten können und sich nicht dem Diktat von Onlineportalen unterordnen müssen», sagt Hotellierie-Suisse-Präsident Guglielmo Brentel. Zudem nützen Expedia & Co. laut Hotellerie Suisse ihre marktbeherrschende Stellung aus.

Die Machenschaften der Buchungsplattformen werden nun von der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) durchleuchtet. Die Behörde hat am Mittwochmorgen mitgeteilt, dass gegen Booking.com, Expedia und HRS eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Es bestünden Anhaltspunkte, dass gewisse Vertragsklauseln den Wettbewerb zwischen den Buchungsplattformen beeinträchtigen könnten. Insbesondere stört sich die Weko an der Bestpreisgarantie. Diese verbietet dem Hotelier, einem interessierten Passanten einen tieferen Preis zu gewähren als auf der Online-Plattform.

In den USA Kommissionen bis 50 Prozent

«Wir werden die Vertragsbedingungen prüfen und gegebenenfalls die Konsequenzen ziehen», sagt Weko-Direktor Rafael Corazza zu 20 Minuten Online. Womöglich sind in Zukunft gewisse Vertragsbedingungen verboten oder müssen abgeändert werden. Laut Corazza sind Geldsanktionen nicht ausgeschlossen. Diese würden sich nach Umsatz und Schwere des Gesetzesverstosses richten. Dass die Plattformen nicht darben müssen, zeigt eine im Frühjahr von der «Hotelrevue» zitierte Studie: Demnach kassieren die Buchungsportale in Deutschland, der Schweiz und Österreich jährlich 594 Millionen Euro.

Bei den Hoteliers begrüsst man das Verfahren der Wettbewerbshüterin und fühlt sich bestätigt: «Wir haben vor anderthalb Jahren bei der Weko interveniert. Gestützt darauf hat die Weko eine Marktbeobachtung und eine Voruntersuchung eingeleitet», sagt Hotellerie-Suisse-Geschäftleitungsmitglied Marc Kaufmann.

Die Untersuchung will man aber nicht als Sieg über die Buchungsplattformen verstanden wissen. Man hält HRS, Booking.com und Co. für wichtige Partner. «Leider gehen sie in letzter Zeit nicht mehr fair mit uns um», so Kaufmann. Er sorgt sich um die weiter steigenden Kommissionen – und fürchtet sich vor Zuständen wie in den USA, wo die Hoteliers bereits Kommissionen von bis zu 50 Prozent bezahlen.

Mitarbeit: Leo Hug

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