Aktualisiert 06.11.2015 10:12

Umstrittene Deals

Weko pfeift Hotel-Buchungsportale zurück

Die Wettbewerbskommission verbietet Bestpreisgarantien auf Online-Reservationsplattformen. Die Hoteliers sind trotzdem unzufrieden.

von
cls

Einfach, günstig und praktisch: Was für viele Konsumenten eine gute Sache ist, hat für Hoteliers Schattenseiten. Denn einerseits sind sie auf Buchungsportale angewiesen, anderseits zahlen sie eine hohe Kommission dafür.

Die Wettbewerbskommission (Weko) ermittelte gegen die Buchungsportale Expedia, HRS und Booking.com. Sie untersuchte, inwiefern die Hotels durch die Deals mit den Internet-Plattformen auch im Wettbewerb eingeschränkt sind. Im Zentrum stand die Vetrtragsklausel, nach der Hotels auf keinem anderen Vertriebskanal tiefere Preise festlegen oder eine grössere Anzahl Zimmer anbieten dürfen.

Einschränkende Bestpreisgarantie

Die nun abgeschlossene Untersuchung zeigt: Die Vertragsklauseln zwischen Hotels und Buchungsplattformen sind nicht rechtens, weil sie die Hotels in ihrer Angebotspolitik «umfassend einschränken», wie es in einer Medienmitteilung des Bundes heisst.

«Die Hotels auf Vertriebskanälen mit tieferen Kommissionen können keine vorteilhafteren Angebote anbieten», heisst es weiter. Einmal festgelegt können die Hoteliers die Zimmerpreise zudem nicht kurzfristig oder vereinzelt senken. Sie müssten dann auch alle anderen Preise nach unten korrigieren.

Die Weko wertet die Verwendung solcher umfassender Vertragsklauseln als Verstoss gegen das Kartellgesetz und hat deren Verwendung mit Verfügung vom 19. Oktober 2015 verboten.

Die weltgrösste Agentur für Online-Buchungen, Booking.com mit Hauptsitz in Amsterdam, sowie die aus den USA stammende Expedia haben ihre Vertragsklauseln unterdessen angepasst.

Nervös wegen Konkurrenz

HRS (Hotel Reservation Service) mit Sitz in Köln hat die nun unzulässige Vertragsklausel hingegen noch immer in seinen Verträgen stehen. Diese müsse jetzt angepasst werden, schreibt die Weko.

Gebüsst werden die drei Buchungsplattformen aber nicht. Ihr Verhalten falle nicht unter die Kategorie der direkt sanktionierbaren Verhaltensweisen, schreibt die Weko. Der Verdacht, dass die Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung missbraucht hätten, habe sich nicht erhärtet.

Mitte November will Expedia mit einer eigenen Website in der Schweiz aktiv werden. Das macht gewisse Schweizer Anbieter nervös, wie 20 Minuten aus Insiderkreisen erfuhr.

Hotelleriesuisse unzufrieden

Nicht zufrieden damit ist der Branchenverband Hotelleriesuisse. Der Weko-Entscheid bedeute, dass die Hoteliers zwar auf den ersten Blick mehr Freiheit bekämen, weil sie die Garantien für die gleichgünstigen Preise für alle nicht mehr absolut einhalten müssten, schreibt Hotelleriesuisse in einem Communiqué.

«Sie haben jedoch weiterhin keine Möglichkeit, auf ihrer eigenen Webseite ihren Gästen direkt Buchungsvorteile anzubieten und sind somit in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt. Die Marktmacht der Buchungsplattformen ist damit nicht gebrochen, sondern sogar noch gestärkt», schreibt Hotelleriesuisse.

Ein solcher Weko-Entscheid bringe den Schweizer Hoteliers folglich keine Vorteile. Die Mehrheit der Hoteliers gewähre Booking den tiefsten Preis, da über dies Buchungsplattform am meisten Übernachtungen hereinkämen.

Booking dominiert Schweizer Markt

Booking dominiere in der Schweiz den Markt mit einem Anteil von über 70 Prozent aller Onlinebuchungen, schreibt Hotelleriesuisse. Die Online-Buchungsplattformen verlangen für ihre Tätigkeit wie Werbung, Buchung usw. eine Kommission.

Diese betrage in der Schweiz zwischen 12 und 15 Prozent. «Wenn man sehr gut sichtbar auf den obersten Plätzen sein will, liegt sie gar bei bis zu 30 Prozent», schreibt der Branchenverband.

Die Buchungsplattformen dürften laut einer Studie von Robert Schegg von der Hochschule für Tourismus in Siders VS im Jahr 2014 einen Anteil an den Gesamtbuchungen von 25 Prozent gehabt haben. Sie generierten 2014 wahrscheinlich über 1 Mrd. Fr. Umsatz während die Schweizer Hotels nach Schätzungen zwischen 90 und 130 Mio. Fr. an Kommissionszahlungen leisten mussten.

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