13.10.2020 10:16

Debatte Welche Corona-Strategie haben die Parteien von Grünen bis FDP?

Parteien von links bis rechts wollen keinen neuen Lockdown. Sie fordern Schnelltests, Grenzschliessungen oder eine neue Homeoffice-Empfehlung.

von
Daniel Waldmeier
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Hofft auf Schnelltests: FDP-Chefin Petra Gössi. 

Hofft auf Schnelltests: FDP-Chefin Petra Gössi.

Keystone
«Ich befürchte, dass auch die Hospitalisationen in einer Woche weiter steigen», sagt Grünen-Präsident Balthasar Glättli.

«Ich befürchte, dass auch die Hospitalisationen in einer Woche weiter steigen», sagt Grünen-Präsident Balthasar Glättli.

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«Ich möchte nicht noch einmal Herrn Berset einen nationalen Lockdown ausrufen sehen», sagt SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi. 

«Ich möchte nicht noch einmal Herrn Berset einen nationalen Lockdown ausrufen sehen», sagt SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi.

Keystone

Die Corona-Zahlen steigen in der Schweiz schnell an. Inzwischen schätzt auch Bundesrat Alain Berset die Lage als besorgniserregend ein. Die Frage nach der richtigen Strategie spaltet die Bevölkerung. In einer nicht repräsentativen Leserumfrage mit über 72’000 Teilnehmern erwarten rund 40 Prozent harte Massnahmen von den Behörden. 47 Prozent wollen nicht mehr jede Infektion verhindern oder weitere Massnahmen in Eigenverantwortung. Der Rest will an der aktuellen Strategie festhalten.

Die Parteien halten sich in der Strategie-Debatte auffällig zurück. Braucht es scharfe Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie oder wäre der wirtschaftliche Schaden zu gross? Gegenüber 20 Minuten nehmen die Parteichefs Stellung.

Grüne: Homeoffice

Balthasar Glättli, Parteipräsident: «Ich befürchte, dass auch die Hospitalisationen in einer Woche weiter steigen. Das sind dann harte Fakten. Das beunruhigt mich stark, zumal ich immer noch Post von Corona-Skeptikern bekomme. Es herrscht in der Schweiz keine Corona-Diktatur, vielmehr haben wir Schweden bei den Lockerungen überholt. Das hat Folgen. Es beelendet mich, dass sich der Föderalismus als nicht krisentauglich erweist. Ich hätten von den Gesundheitsdirektoren und Kantonsregierungen erwartet, dass man sich auf ein koordiniertes Vorgehen einigt.

Ist in einem Kanton ein Skeptiker am Ruder, macht man etwas weniger. So sind die Massnahmen für die Bevölkerung nur schlecht verständlich. Hier sollte der Bundesrat alle an einen Tisch bringen. Kommt wieder eine dreistellige Zahl von Personen ins Spital, muss der Bundesrat stärker führen. Schon jetzt sollte er wieder eine Homeoffice-Empfehlung für Firmen abgeben. Das ist viel weniger teuer als ein Voll-Shutdown. Keine Ansteckungen zu haben, war nie das Ziel. Aber wir können nicht einfach zuschauen, wie sich die Spitäler füllen.»

FDP: Schnelltests

Petra Gössi, Parteipräsidentin: «Das Wichtigste ist es, einen erneuten Lockdown zu verhindern. Darum ist es so zentral, dass wir so rasch wie möglich zuverlässige Schnelltests erhalten, damit wir die Quarantäne verkürzen oder sogar ganz weglassen können. So schützen wir die Gesundheit der Bevölkerung und retten Arbeitsplätze. Ich kann es nicht einschätzen, ob Kantone und Bundesrat genug tun: Ich vermisse eine ausführliche und transparente Zahlenbasis. Es braucht eine Stelle, wo alle relevanten Zahlen – wie Auslastung der Spitäler, Infektionsrate, Hospitalisierungsrate, Sterbequote – transparent, täglich, nach Kanton aufgeschlüsselt und für alle einsehbar aufgeführt werden. Damit würden Entscheide verständlicher, und die Planungssicherheit würde grösser. Wann welche Massnahmen einzusetzen sind, muss der Bundesrat jetzt eben aufzeigen: Seit Anfang der Krise fordern wir ein Koordinatensystem, das nachvollziehbar aufzeigt, wieso gewisse Entscheide zu einem bestimmten Moment gefällt werden.»

SVP: Grenzschliessungen

Thomas Aeschi, Fraktionschef: «Ich möchte nicht noch einmal Herrn Berset einen nationalen Lockdown ausrufen sehen. Die Kompetenzen müssen unbedingt bei den Kantonen bleiben. Das ist aber keine Durchseuchungsstrategie: Zuwarten, bis wir die Kontrolle verloren haben, ist keine Option, gerade in den stark betroffenen Kantonen Genf und Waadt. Die Kantonsregierungen können handeln und die notwendigen Massnahmen bis hin zu regionalen Lockdowns beschliessen. Vom Bundesrat erwarten wir, dass er Grenzschliessungen prüft. Nachdem die Lage im Sommer ruhig war, wurde das Virus wieder aus dem Ausland eingeschleppt. Zudem müssen sich auch die Jüngeren weiterhin strikt an die Abstands- und Hygieneregeln halten.»

CVP: Schweigen

Die CVP will sich derzeit nicht an der Debatte um die richtige Corona-Strategie beteiligen und überlässt das Feld den Epidemiologen, Kantonen und dem Bundesrat.

SP: Appell an die Bevölkerung

Christian Levrat, Parteipräsident: «Die Lage ist besorgniserregend. Der schwierigsten Part der Pandemie steht noch vor uns. Mir ist bewusst, dass die Bevölkerung müde ist, aber es muss ein Ruck durch die Bevölkerung gehen. Wir alle müssen uns so benehmen, als ob wir das Virus hätten, und die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Die Kantone sind beim Contact-Tracing gefordert. Einige haben frühzeitig zusätzliche Leute eingestellt, andere müssen vielleicht Hilfe vom Zivilschutz oder von der Armee anfordern. Scheitern sie beim Nachverfolgen der Infektionsketten, bleiben als Alternative nur noch regionale Lockdowns. Auch müsste der Bundesrat erneut hart durchgreifen. Es würde mich aber schmerzen, wenn die Leute im Privatleben so massiv eingeschränkt werden müssten wie in Belgien oder Frankreich. Der Bundesrat muss nun noch klarer kommunizieren und die Grossanlässe sehr genau beobachten.»

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624 Kommentare
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Lorenzo von Matterhorn

14.10.2020, 14:33

Die Grünen und eine Strategie dass ich nicht Lache

Pet

14.10.2020, 09:40

Petra Gössi gefällt mir sehr gut. Intelligente und attraktive Frau. ❤️ Politisch bin ich nicht so auf ihrer Linie, aber dennoch.

Durchblicker

14.10.2020, 07:56

Hört endlich auf mit diesem Homeoffice gehätschel. Sich Wohnung und Strom zahlen lassen und anstelle zu arbeiten im Glattzentrum herumstreunern und im Migrosrestaurant Kaffee trinken gehen. Ich bin Heizungsmonteur und stelle nächstens um auf Homeworking. Wenn eine Heizung nicht mehr funktioniert müssen die Kunden diese dann halt selbst ausbauen und vorbeibringen. Dasselbe gilt für Waschmaschinen, Geschirrspüler, etc..