Labors am Anschlag – Welche Corona-Tests sind bei so hohen Fallzahlen sinnvoll?

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Labors am AnschlagWelche Corona-Tests sind bei so hohen Fallzahlen sinnvoll?

Die PCR-Testlabors laufen am Anschlag. Wann soll man trotzdem einen PCR-Test machen? Und wie sicher sind Schnell- und Selbsttests? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von
Daniel Graf
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Corona-Schnelltests für zu Hause sind nicht Teil der BAG-Strategie – der Bund übernimmt die Kosten dafür nicht. 

Corona-Schnelltests für zu Hause sind nicht Teil der BAG-Strategie – der Bund übernimmt die Kosten dafür nicht.

20min/Michael Scherrer
Die Schnelltests bieten nur eine Momentaufnahme und sind nicht immer zuverlässig. 

Die Schnelltests bieten nur eine Momentaufnahme und sind nicht immer zuverlässig.

20min/Michael Scherrer
PCR-Tests hingegen zeigen Erkrankungen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch an. 

PCR-Tests hingegen zeigen Erkrankungen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch an.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Die Fallzahlen sind in der aktuellen Omikron-Welle unverändert hoch.

  • PCR-Testlabors laufen am Anschlag, erste Kantone beginnen mit der Priorisierung.

  • Wann ist ein PCR-Test trotzdem angezeigt? Und reicht ein Selbsttest vor dem Familienfest? Die wichtigsten Antworten rund um das Testen.

Mit dem Aufkommen von Omikron sind die Infektionszahlen in die Höhe geschnellt. Täglich werden derzeit zwischen 30’000 und 40’000 neue Fälle gemeldet und Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weit höher ist. Die Labors, die PCR-Tests auswerten, laufen schon länger am Anschlag.

Der Bundesrat hat eine Priorisierungsliste herausgegeben für den Fall, dass die Anzahl Tests in den Labors nicht mehr erhöht werden kann. Wann diese Liste zum Zug kommt, entscheiden die Kantone. Die hohen Inzidenzen führen zu Verunsicherung beim Testen. Epidemiologe Jan Hattendorf beantwortet die wichtigsten Fragen.
Mein Selbsttest ist positiv. Was soll ich tun? Laut Bundesamt für Gesundheit zeigt ein Selbsttest eine Infektion nicht zuverlässig an. Das Resultat muss deshalb mit einem PCR-Test bestätigt werden. Bis das Ergebnis eintrifft, soll man zu Hause bleiben.
Mein Selbsttest ist negativ. Bin ich jetzt sicher?
Nur bedingt. Das BAG schreibt dazu, dass man dann «im Moment der Testung mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht ansteckend» ist. Diese Momentaufnahme habe jedoch nur eine Aussagekraft für einen kurzen Zeitraum. Ein negatives Testresultat schliesst eine Infektion mit dem Coronavirus nicht aus. Die Abstands- und Hygieneregeln sollen deshalb weiter beachtet werden.
Was sind falsch-negative und falsch-positive Tests?
Jan Hattendorf*: «Bei einem falsch-positiven Ergebnis zeigt der Test eine Infektion oder Krankheit an, obwohl die Person in Wirklichkeit nicht infiziert ist. Andersherum wird bei einem falsch-negativen Ergebnis keine Infektion angezeigt, obwohl die Person in Wirklichkeit positiv ist.»

Muss ich ein falsches Resultat befürchten?
«Die verschiedenen Tests verfolgen verschiedene Ziele. Ein PCR-Test untersucht, ob eine Person infiziert ist. Demgegenüber möchte ein Selbsttest herausfinden, ob eine Person zum jetzigen Zeitpunkt ansteckend ist. Falsch-positive Testergebnisse sind vor allem bei PCR-Tests extrem selten. Hingegen können falsch-negative Ergebnisse nie ausgeschlossen werden. Beispielsweise wird eine Person, die sich erst wenige Stunden vor der Probenahme infiziert hat, kein positives Testergebnis erhalten.»
Was bedeuten Sensitivität und Spezifität?
«Die Sensitivität gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, dass eine kranke Person tatsächlich als krank erkannt wird. Die Spezifität gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass eine gesunde Person als gesund erkannt wird.»
Was bedeutet das für mein Testresultat?
«Wenn wir einen Test machen, sind wir nicht an Sensitivität und Spezifität interessiert, sondern möchten wissen, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass unser Test das richtige Resultat anzeigt. Hier spricht man vom Vorhersagewert. Dieser hängt davon ab, wie häufig die Krankheit in der gegenwärtigen Situation auftritt. Nehmen wir eine isolierte Insel, auf der kein Corona vorkommt: In dieser Situation sind alle positiven Testergebnisse automatisch falsch-positiv. Von PCR-Tests wissen wir, dass die getestete Person bei einem positiven Resultat mit hoher Wahrscheinlichkeit infiziert ist, die Spezifität ist also sehr hoch.»

Wie zuverlässig sind Selbsttests?

«Das kommt darauf an. Die Angaben, die die Hersteller machen, wurden unter Laborbedingungen gemacht und Studien nehmen als Referenz oft sehr stark erkrankte Personen. Ausserdem kommt es darauf an, wie sorgfältig der Selbsttest durchgeführt wird. Zu hundert Prozent auf einen Selbsttest verlassen kann man sich nicht.»
Machen Selbsttests dann überhaupt Sinn?
«Ein Selbsttest ergibt vor allem dann Sinn, wenn eine Begegnung, etwa an einem Familienfest, sowieso stattfindet. Grundsätzlich gilt: ein Selbsttest ist wesentlich besser als gar kein Test. In diesem Fall sollte der Test möglichst kurz vorher durchgeführt werden. Bei Symptomen oder nach Kontakt mit positiven Personen sollte kein Selbsttest benutzt werden. Dann empfiehlt sich ein PCR-Test. Hygiene- und Schutzkonzepte sollten natürlich trotzdem beachtet werden.»
Und Antigen-Schnelltests?
«Antigen-Schnelltests sind flexibler und schneller als PCR-Tests. Die Ergebnisse sind aber vor allem bei asymptomatisch infizierten Personen auch weniger zuverlässig. Allerdings sind Antigen-Schnelltests wesentlich zuverlässiger als Selbsttests.»
Funktionieren die Tests bei Omikron gleich gut?
«Das wird momentan untersucht. Erste Studien haben keine oder nur geringe Unterschiede verglichen mit der Delta-Variante festgestellt.»
Darf ich nach einem negativen Selbsttest trotzdem das Grosi umarmen?
«Das muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden und es hängt auch von vielen individuellen Faktoren ab: Impfstatus, kürzliche Fälle im eigenen Umfeld, potentielle Expositionen der vergangenen Tage, etwa im ÖV, der Schule oder im Restaurant. Das BAG empfiehlt den Schnelltest nicht für den Kontakt mit besonders gefährdeten Personen.»

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