Schweiz-Vergleich: Welche Smartphone-Bank ist die richtige für mich?
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Schweiz-VergleichWelche Smartphone-Bank ist die richtige für mich?

Ob für Barbezüge in den Ferien, ein neues Lohnkonto oder internationale Rechnungen: Wer zu einer Smartphone-Bank wechseln will, hat in der Schweiz ein grosses Angebot. 20 Minuten vergleicht einige Anbieter und zeigt, welche Kosten anfallen können.

von
Raphael Knecht
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In dieser Bildstrecke siehst du, welche Smartphone-Bank sich für welche Zwecke eignet.

In dieser Bildstrecke siehst du, welche Smartphone-Bank sich für welche Zwecke eignet.

Wise
Revolut eignet sich für Kartenzahlungen online und im Laden.

Revolut eignet sich für Kartenzahlungen online und im Laden.

20Min/RKN
Neon eignet sich als Schweizer Konto (etwa für Lohnzahlungen), zum Rechnungen bezahlen sowie für Kartenzahlungen online und im Laden.

Neon eignet sich als Schweizer Konto (etwa für Lohnzahlungen), zum Rechnungen bezahlen sowie für Kartenzahlungen online und im Laden.

Neon

Darum gehts

  • Smartphone-Banken erobern den Schweizer Markt.

  • In der Übersicht siehst du die verschiedenen Angebote.

  • Auch die Kosten sind unterschiedlich.

Mittlerweile tummeln sich in der Schweiz viele Smartphone-Banken, die den etablierten Instituten die Kunden wegschnappen. Aber welcher Anbieter bietet was – und wo verstecken sich Gebühren? Eignen sich Smartphone-Banken auch fürs Lohnkonto? Experte Ralf Beyeler vom Preisvergleichsportal Moneyland.ch erklärt, welche Angebote sich für welche Bedürfnisse eignen. In der Übersicht siehst du zudem, woher die Firmen stammen, seit wann sie in der Schweiz aktiv sind und wie viele Kunden sie hierzulande haben.

Was ist eine Smartphone-Bank?

Wann genau eine Smartphone-Bank, auch Neobank oder Internetbank genannt, als solche gilt, ist nicht ganz klar – gerade weil fast alle Anbieter mit etablierten Banken zusammenarbeiten und teilweise nur Dienstleister sind. Aber die Grundidee lautet: Man erstellt ein Konto beim Anbieter innert weniger Minuten auf dem Handy. Dann wird einem üblicherweise eine Debitkarte zugeschickt und man kann damit bezahlen. Die Smartphone-Banken werben mit niedrigen Gebühren und haben im Gegensatz zu etablierten Banken meist keine physischen Niederlassungen zur Kundenbetreuung.

Revolut (Vereinigtes Königreich, seit 2017, circa 350’000 Kunden)

Revolut gehört in der Schweiz zu den bekanntesten Smartphone-Banken. Laut Beyeler profitieren Kunden von attraktiven Wechselkursen bei Zahlungen mit der Karte. Untereinander können Revolut-Nutzer zudem besonders unkompliziert Geld senden. Kritisiert wird der Anbieter teilweise, weil die Tarife nicht transparent seien. So können Kunden möglicherweise von Gebühren überrascht sein – etwa bei Geldbezügen am Wochenende, die unter der Woche gratis sind.

Eignung: Für Kartenzahlungen online und im Laden.

Kosten: 7 Franken für die Karte, 2 Prozent Gebühr für Bancomatbezüge weltweit (200 Franken pro Monat gratis).

Das gilt für die Kosten

Bei den Kosten werden nur gängige Gebühren und der Negativzins erwähnt. Je nach Anbieter kommen also noch zusätzliche Kosten dazu, wenn man beispielsweise Kontoüberweisungen in Fremdwährungen tätigt oder eine Kreditkarte ersetzen will. Die meisten Anbieter haben zudem Varianten, bei denen eine monatliche Gebühr fällig wird. Die angegebenen Kosten beziehen sich auf Angebote ohne solche Gebühr.

Neon (Schweiz, seit 2019, 63’000 Kunden)

Neon hat im vergangenen Jahr massiv an Kunden gewonnen, wie es auf Anfrage heisst. Innert eines Jahres habe sich die Zahl vervierfacht. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Neon zu den Anbietern mit den günstigsten Konditionen gehört, wie auch Vergleiche von Moneyland.ch zeigen. Neon bietet eine Prepaid-Kreditkarte, die mit einem Bankkonto bei der Hypothekarbank Lenzburg verknüpft ist. Die TX Group, zu der auch 20 Minuten gehört, ist als Investor an Neon beteiligt.

Eignung: Als Schweizer Konto (etwa für Lohnzahlungen), zum Rechnungen bezahlen sowie für Kartenzahlungen online und im Laden.

Kosten: Karte kostet 10 Franken, Inland-Geldbezüge kosten 2 Franken (zweimal pro Monat gratis), 1,5 Prozent Gebühr bei Auslandbezügen, 0,8 Prozent Negativzins ab 500’000 Franken.

Zak (Schweiz, seit 2018, 40’000 Kunden)

Zak ist das Smartphone-Angebot der Schweizer Bank Cler. Sie bietet ein vollständiges Privatkonto mit Schweizer Kontonummer, Maestro-Karte und virtueller Visa-Prepaid-Karte. Bei der Maestro-Karte gibt es allerdings Gebühren, falls man Geld an Bancomaten, die nicht von Cler stammen, abheben möchte.

Eignung: Als Schweizer Konto (etwa für Lohnzahlungen), zum Rechnungen bezahlen sowie für Kartenzahlungen online und im Laden.

Kosten: Inland-Geldbezüge kosten an fremden Bancomaten 2 Franken (5 Franken bei Eurobezügen und im Ausland), 1.50 Franken pro Einkauf im Ausland.

Yapeal (Schweiz, seit 2020, 6000 Kunden)

Yapeal ist die erste Schweizer Smartphone-Bank mit einer eigenen Fintech-Lizenz – sie muss darum im Gegensatz zur Konkurrenz nicht mit einer bestehenden Schweizer Bank zusammenarbeiten. Das bedeutet, dass sie theoretisch nicht der Einlagensicherungspflicht unterliegt. Das sei aber kein Problem, solange sie die Kundengelder bei der Nationalbank hinterlegt hat, sagt Beyeler. Das Gratis-Angebot von Yapeal ist stark eingeschränkt. Wer etwa Rechnungen mit Yapeal bezahlen möchte, muss eine monatliche Gebühr von mindestens 4.90 Franken in Kauf nehmen – dann fallen dafür manche andere Gebühren weg.

Eignung: Als Schweizer Konto (etwa für Lohnzahlungen) sowie für Kartenzahlungen online und im Laden.

Kosten: Karte kostet 7 Franken, Inland-Geldbezüge kosten 2 Franken (5 Franken bei Eurobezügen), 1,5 Prozent Gebühr bei Auslandbezügen, 0,8 Prozent Negativzinsen ab 10’000 Franken.

«Viele Smartphone-Banken verdienen noch kaum Geld»

Herr Stadelmann*, haben sich Smartphone-Banken in der Schweiz etabliert?

Ja, sie werden immer bekannter in der Schweizer Bevölkerung. Bereits etwa 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer nutzen Smartphone-Banken.

Was hat die Krise für sie verändert?

Die Smartphone-Banken haben vom Digitalisierungsboom profitiert. Twint brachte Mobile Payment in der Krise zusätzlich voran. Man schätzt auch die Möglichkeit, ein Konto bequem von zuhause zu eröffnen und nicht in der Bank. Viele Smartphone-Banken sind aber wohl noch in der Start-up-Phase. Sie wollen schnell wachsen, aber verdienen noch kaum Geld.

Wie steht es um die Sicherheitsbedenken?

Für die meisten spielen Sicherheitsbedenken eine untergeordnete Rolle – der Nutzen überwiegt. Insbesondere Schweizer Smartphone-Banken geniessen grösseres Vertrauen und haben einen Heimatbonus.

*Marcel Stadelmann ist Zahlungsexperte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

CSX (Schweiz, seit 2020)

CSX ist das digitale Angebot der Credit Suisse (CS). Die Grossbank versucht damit sowohl neue Kunden zu gewinnen als auch bestehende Kunden für die schlanken, digitalen Dienstleistungen zu begeistern. Wer sich für Smartphone-Banking interessiert, sich den Sprung zu einem komplett neuen Anbieter aber nicht traut, könnte mit dem Smartphone-Angebot der CS besser bedient sein – es handelt sich dabei um ein vollständiges Privatkonto mit Schweizer Kontonummer und Debitkarte. Bisher habe man eine fünfstellige Zahl an Nutzern, heisst es auf Anfrage.

Eignung: Als Schweizer Konto (etwa für Lohnzahlungen), zum Rechnungen bezahlen sowie für Kartenzahlungen online und im Laden.

Kosten: Barbezüge im Inland kosten 2 Franken, Auslandbezüge kosten 4.75 Franken plus 0,25 Prozent, 0,1 Prozent Negativzins ab 100’000 Franken.

Wise (Vereinigtes Königreich, seit 2017)

Wise will die Anzahl der Kunden in der Schweiz nicht verraten. Weltweit seien es über 10 Millionen Menschen und Firmen, heisst es auf Anfrage lediglich. Laut Beyeler sind die Wechselkurse und Umtauschgebühren für Fremdwährungen besonders attraktiv. Spezialität von Wise seien kostengünstige und rasche Überweisungen in die ganze Welt.

Eignung: Für Überweisungen ins Ausland sowie für Kartenzahlungen online und im Laden.

Kosten: 6 Franken für die Bestellung der Debitkarte, 2 Prozent Gebühr bei Barabhebungen (zwei Bezüge pro Monat gratis, maximal 200 Franken), meist 0,39 Prozent Gebühr bei Kartenzahlungen in Fremdwährungen.

N26 (Deutschland, seit 2019)

N26 richtet sich vor allem an Schweizer, die ein kostenloses Eurokonto benötigen. Im Vergleich zu den Frankenkonten hat man den Vorteil, dass eine kleine Zahl von Euro-Barbezügen pro Monat gratis ist. Dafür zahlen Kunden für Bezüge in Fremdwährungen – also auch beim Franken. Auf die Frage, wie viele Kunden N26 derzeit in der Schweiz hat, antwortete das Unternehmen bisher nicht.

Eignung: Als deutsches Bankkonto für Zahlungen und Einkäufe im Euro-Raum.

Kosten: Karte kostet 10 Euro, Euro-Barbezüge kosten 2 Euro (drei Bezüge pro Monat gratis), 1,7 Prozent Gebühr bei Bezügen in Fremdwährungen, 0,5 Prozent Negativzins ab 50’000 Euro.

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