Weintrends 2022: Experte verrät, welche Weine in der Schweiz im Glas landen
Wir verraten dir, welche Weine laut Trendreport 2022 im Restaurant und im Zuhause bei dir im Glas landen.

Wir verraten dir, welche Weine laut Trendreport 2022 im Restaurant und im Zuhause bei dir im Glas landen.

Pavel Danilyuk/Pexels
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Fruchtig, bio oder alkoholfreiWelche Weine landen 2022 im Glas?

Ein Weinexperte blickt in die Zukunft: Welche Trends werden uns in Sachen Wein und Schaumwein begleiten? Und welche Rolle spielen dabei Corona und die Klimaerhitzung?

von
Luise Pomykaj

Hast auch du mal für einen teuren Wein tief in die Tasche gegriffen, weil du wegen Corona Geld sparen konntest, ihn nur zu zweit getrunken hast, oder er einfach ein Highlight war? Oder trinkst du bald auch nach dem Dry January weiterhin alkoholfreien Wein? Was kommt im neuen Jahr in dein Glas? Wir haben uns mit Carlo Wismer, Product Manager von Mövenpick, über die Weintrends 2022 unterhalten.

Auch Wein soll brutal lokal sein

Eine hohe Nachfrage liegt aktuell bei bio-zertifiziertem Wein. Das gilt sowohl für von Demeter biodynamisch zertifizierte Weine, als auch für als vegan zertifizierte Tropfen. Besonders beliebt sind lokale Weine aus der Schweiz oder Europa – ein steigender Trend, der zum in 2022 gross geschriebenen Motto brutal lokal oder dem Foodtrend Local Exotics passt.

Im Jahr 2022 stehen biozertifizierte Weine auf dem Tisch.

Im Jahr 2022 stehen biozertifizierte Weine auf dem Tisch.

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Die Klimaerhitzung setzt Wein zu

Winzerinnen und Winzer sowie Regionen samt Traubensorten bringen jeweils sehr unterschiedliche Resultate hervor. Die Klimaerhitzung verstärkt das: Durch sie wird es jedes Jahr schwieriger, vorauszusehen, wie gut ein Jahrgang sein wird. Obwohl im Frühling und Sommer 2021 Wetterkapriolen herrschten, gilt dieser Jahrgang bereits jetzt als qualitativ gut – schlechtes Wetter bringt also nicht gleich schlechten Wein mit sich.

Wein-Experten können bereits jetzt Prognosen für 2022 geben.

Wein-Experten können bereits jetzt Prognosen für 2022 geben.

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Wird hochqualitativem Wein auch im Jahr 2022 so viel Bedeutung geschenkt?

Wird hochqualitativem Wein auch im Jahr 2022 so viel Bedeutung geschenkt?

Andrea Piacquadio/Pexels
Carlo Wismer, Product Manager bei Mövenpick, nennt mögliche Wein-Trends für 2022.

Carlo Wismer, Product Manager bei Mövenpick, nennt mögliche Wein-Trends für 2022.

Mövenpick

«Ein Problem sind jedoch Wetterphänomene, wie zu tiefe oder zu hohe Temperaturen ausserhalb der dafür designierten Jahreszeiten», sagt Carlo Wismer von Mövenpick. Hagel, Frost und auch exzessiver Niederschlag würden Rebbergen aktuell und in Zukunft vermehrt zusetzen. Durch den Anstieg der Temperatur werden Weinberge deshalb künftig in höheren Lagen bepflanzt und es werden Traubensorten gezüchtet und angebaut, die resistenter gegen Hitze oder Feuchtigkeit sind.

Qualität statt Kater

In den Vorjahren lernten zudem viele die Qualität eines Weines zu schätzen, nachdem sie bei der Homeparty mal zu tief ins Glas geschaut und bemerkt haben, wie sich die Qualität eines Weins auf den Kater auswirkt – oder eben nicht. Die neue Lust am Luxus, also an gutem Wein und Champagner im Zuhause, sei also auf die Coronarestriktionen zurückzuführen.

Verbraucherinnen und Verbraucher setzen vermehrt auf hochwertige Weine.

Verbraucherinnen und Verbraucher setzen vermehrt auf hochwertige Weine.

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Viele Menschen haben sich an den Genuss auf hohem Niveau zuhause im kleinen Kreis gewöhnt. Das sei auch generell im Verkauf zu sehen: «Obwohl es 2021 keinen Lockdown in der Schweiz gab und auch Restaurants wieder beliefert werden, bleibt der Verkauf an private Kunden bei uns auf diesem hohen Niveau», so Wismer.

Siegertreppchen: Region Champagne

Laut Wine Report 2021 war die Champagne Top-Performer-Region schlechthin. «Nach einem desaströsen Jahr 2020 war 2021 ein absolutes Rekordjahr mit einem Absatz von 310 Millionen Flaschen. Das ist die zweithöchste Zahl gegenüber dem Spitzenjahr 2011 mit 322 Millionen Flaschen», so Wismer. Das führte auch zu einem historischen Rekordumsatz von 5,5 Milliarden Euro. Geht es dieses Jahr für die Region so erfolgreich weiter? Momentan sieht es ganz danach aus.

Westeuropa bleibt als Region also stark, da auch die Nachhaltigkeit der Transportwege in Zukunft eine grössere Rolle spielen. Weinregionen in höheren Lagen, zum Beispiel die Bündner Herrschaft, der Norden Argentiniens oder auch die Höhenlagen in Zentralspanien, gewinnen jedoch auch an Bedeutung.

Das macht einen Wein 2022 erfolgreich

Laut Experte sollte der Wein möglichst von einem Winzer oder einer Winzerin in einem Rebberg gemacht sein – nicht in einer Weinfabrik, die minderwertiges Traubengut von weit her holt. So wie viele heute regionalen Käse und Fleisch aus der Umgebung bevorzugen, tun sie das auch beim Wein. In Sachen Geschmack haben fruchtig-frische Weine in der mittleren Preisklasse im neuen Jahr gute Erfolgschancen, denn teure Weine seien rar und oft nicht im Handel verfügbar. Und nachhaltig muss der Wein sein. Am besten mit Korkverschluss.

Und in Sachen Aussehen? Während schwere, bauchige Flaschen noch immer beliebt seien, da sie dem Wein einen teuren Look verleihen, würden viele Produzierende wieder leichte, einfache Flaschen verwenden, die den ökologischen Fussabdruck massiv reduzieren. Dazu passend kommen Kartons aus rezykliertem Material gut an.

Wein-Comebacks und Newcomer

Der Orange Wine war letztes Jahr in aller Munde. Eine Nischenkategorie der Weine, die laut Wismer in der Schweiz aber auf moderatem Level bleiben wird. Dafür würden Schaumweine aktuell ein grosses Comeback erleben, ebenso wie Weine mit weniger Holzeinfluss sowie alkoholfreie Weine. Das wachsende Gesundheitsbewusstsein und der Fakt, dass immer mehr Menschen auf Mindful Drinking setzen, seien für viele Winzer 2022 auch eine kleine Herausforderung, so Wismer.

Werden wir künftig Wein sammeln?

Auf «foodandwine.com» heisst es, Fine Wine sei mittlerweile ein besseres Investment als Gold. Der Experte relativiert: «Es mag sein, dass eine kleine Auswahl an Weinen einen besseren Return erzielt als traditionelle Investmentformen. Es gibt aber zahlreiche Faktoren, die Wein zu einem Risikoinvestment machen: Das Etikett kann verschmutzen, die Flasche kann zerbrechen, es gibt viele Fälschungen, der Zapfen kann austrocknen».

Deshalb benötigt man viel Startkapital, um in Wein zu investieren – nicht nur für den Wein selbst, sondern auch für Lagerung und Logistik. Oftmals steigert sich der Wert eines Weines über Jahre nicht, er verbleibt totes Kapital. Somit ist wohl auch im neuen Jahr das Trinken des Weines immer noch die schönste Art, ihn zu geniessen.

Brutal lokal oder alkoholfrei: In welchem Weintrend entdeckst du dich wieder?

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