Mindestlöhne: Welcher Händler bezahlt sein Personal am besten?
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MindestlöhneWelcher Händler bezahlt sein Personal am besten?

20 Minuten hat die Mindestlöhne der Schweizer Detailhändler zusammengetragen. Sie reichen von 3600 bis 4352 Franken pro Monat.

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dob/rkn
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Welcher Detailhändler zahlt den höchsten Mindestlohn, welcher den tiefsten? 20 Minuten hat bei den Firmen nachgefragt.

Welcher Detailhändler zahlt den höchsten Mindestlohn, welcher den tiefsten? 20 Minuten hat bei den Firmen nachgefragt.

Keystone/urs Flueeler
Der tiefste Monatslohn bei Media-Markt Schweiz beträgt 3600 Franken pro Monat. Der monatliche Durchschnittslohn beträgt im Unternehmen 4490 Franken.

Der tiefste Monatslohn bei Media-Markt Schweiz beträgt 3600 Franken pro Monat. Der monatliche Durchschnittslohn beträgt im Unternehmen 4490 Franken.

Keystone/Martin Ruetschi
Bei der Volg Detailhandels AG beträgt der Mindestlohn für Ungelernte 3675 Franken pro Monat. Das Unternehmen beschäftigt 1980 Personen und zahlt im Jahr 13 Monatslöhne aus.

Bei der Volg Detailhandels AG beträgt der Mindestlohn für Ungelernte 3675 Franken pro Monat. Das Unternehmen beschäftigt 1980 Personen und zahlt im Jahr 13 Monatslöhne aus.

Keystone/Melanie Duchene

Manor schraubt den Mindestlohn für das Verkaufspersonal hoch: Im Sommer 2020 sollen alle Vollzeitangestellten mindestens 4000 Franken verdienen. Bereits jetzt gilt dieser Mindestlohn in den Städten Zürich, Genf, Basel und Bern. Der Anstieg betreffe rund 1200 Angestellte, schreibt das Unternehmen.

Der Schweizer Detailhandel hat den Ruf, dass die Löhne besonders knapp bemessen sind. Aber wie schlimm ist es wirklich? Bei welchem Händler bekommt das Verkaufspersonal den höchsten Mindestlohn? 20 Minuten hat die Mindestlöhne zusammengetragen. Sehen Sie die Auswertung in der Bildstrecke oben.

Von 3600 bis 4352 Franken

Am höchsten ist der Mindestlohn bei Aldi: 4352 Franken für eine ungelernte Verkaufsperson. Den niedrigsten Minimallohn gibt Media-Markt Schweiz mit 3600 Franken an.

Der durchschnittliche Mindestlohn unter den befragten Unternehmen beträgt 3932 Franken. Die Schwergewichte Coop und Migros liegen mit je 3900 Franken im Monat knapp unter diesem Schnitt. Coop-Sprecherin Andrea Bergmann fügt an: «Coop bezahlt ausserdem zwei Drittel der Pensionskassenbeiträge und die Mitarbeitenden bezahlen nur ein Drittel.» Bei der Migros wird darauf hingewiesen, dass Mitarbeiter mit Grundbildung etwas höhere Löhne haben (4000 bis 4300 Franken).

Unia verlangt mindestens 4000 Franken

Die Gewerkschaft Unia ist mit den Mindestlöhnen von Coop und Migros nicht zufrieden: Angemessen seien mindestens 4000 Franken pro Monat, 13-mal im Jahr, bei einer 41-Stunden-Woche. Generell seien die Löhne im Detailhandel zu tief, sagt Sprecherin Leena Schmitter zu 20 Minuten. Die Produktivität sei in den vergangenen 21 Jahren um über 50 Prozent gestiegen – die Löhne nur um 15 Prozent: «Es ist jetzt Zeit, dass diese Umverteilung korrigiert wird.»

Die Händler betonen jeweils, dass die Angestellten meist etwas mehr als den Mindestlohn erhalten. «Der effektiv ausbezahlte Lohn liegt bei rund 90 Prozent der Mitarbeitenden über dem genannten Mindestlohn», sagt etwa Volg-Sprecherin Tamara Scheibli zu 20 Minuten. Bei Volg verdienen ungelernte Verkaufsangestellte ab 3675 Franken pro Monat.

Einen Durchschnittslohn verraten die wenigsten Händler. Ausnahme ist Media-Markt Schweiz: Dort verdient man im Schnitt 4490 Franken pro Monat – mindestens aber 3600 Franken. Der Medianlohn im Schweizer Detailhandel liegt laut der Unia bei 4798 Franken. «Diese Löhne sind unverschämt für die Schweiz», sagt Schmitter.

Aldi zahlt höchsten Mindestlohn

Für viele Detailhändler spielt auch die Region eine Rolle. So heisst es etwa bei Aldi Suisse, der Mindestlohn könne je nach Region und Pensum zwischen 4352 und 4646 Franken liegen.

Der Lohn sei aber nicht alles, schreibt etwa Ikea Schweiz: So seien auch Sozialleistungen, Entwicklungsmöglichkeiten und die Firmenkultur ausschlagend für die Berufswahl. Zudem kommt bei manchen Firmen, etwa Chicorée, noch ein variabler Anteil zum Lohn.

Die tiefen Löhne im Detailhandel, wo besonders viele Frauen beschäftigt sind, seien auch ein Ausdruck der geringen Anerkennung für die Leistung von Arbeitnehmerinnen, so Schmitter von der Unia. Gespräche mit Verkäuferinnen Mitte Juni hätten die prekäre Situation aufgezeigt: «Immer weniger Personal, immer mehr Überstunden, immer mehr Leute, die krank werden, weil sie erschöpft sind.»

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