Umgang mit der Coronakrise – Welcher Pandemie-Typ bist du?

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Umgang mit der Coronakrise Welcher Pandemie-Typ bist du?

Von den Solidarischen über die Eigenverantwortlichen bis zu den Unwissenden: In der Coronakrise haben sich verschiedene Gruppen etabliert.

von
Bettina Zanni
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Aus der Krise sind verschiedene Pandemie-Typen hervorgegangen.

Aus der Krise sind verschiedene Pandemie-Typen hervorgegangen.

20min/Taddeo Cerletti
«Shutdown bis zum Pandemie-Ende»: Hygienemassnahmen und Zertifikatspflicht reichten im Kampf gegen das Virus nicht aus. Es gibt deshalb nur eine Lösung: Ein Shutdown, bis das Virus keine Schäden mehr anrichten kann.

«Shutdown bis zum Pandemie-Ende»: Hygienemassnahmen und Zertifikatspflicht reichten im Kampf gegen das Virus nicht aus. Es gibt deshalb nur eine Lösung: Ein Shutdown, bis das Virus keine Schäden mehr anrichten kann.

20min/Simon Glauser
«Ich weiss es besser als der Bund»: Der Bund trifft die falschen Entscheidungen. Die Bundesrätinnen und Bundesräte erhalten regelmässig Post von den Menschen, die kopfschüttelnd oder verärgert zuschauen. 

«Ich weiss es besser als der Bund»: Der Bund trifft die falschen Entscheidungen. Die Bundesrätinnen und Bundesräte erhalten regelmässig Post von den Menschen, die kopfschüttelnd oder verärgert zuschauen.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Nach bald zwei Jahren Coronakrise haben die meisten Menschen einen Weg gefunden, um mit der Pandemie umzugehen.

  • Einige Typen wünschen sich einen Shutdown, bis das Virus keinen Schaden mehr anrichten kann.

  • Andere Gruppen demonstrieren, weil sie sich in einer Diktatur gefangen fühlen.

  • Dazwischen stehen diejenigen, die dank Tests und Impfung das Leben wieder geniessen.

Die Pandemie hat die Schweiz durchgeschüttelt. Ob Angst, Betroffenheit, Ärger, Hoffnung, Wut, Frust oder Trauer– nie zuvor wühlte der Alltag die Bevölkerung konstant so stark auf wie seit bald zwei Jahren. Inzwischen haben jedoch die meisten Menschen einen bestimmten Weg gefunden, um mit dem Virus umzugehen. Dabei formierten sich in der Gesellschaft verschiedene Typen (siehe Interview unten). In welchem erkennst du dich wieder?

«Shutdown bis zum Pandemie-Ende»

Das Coronavirus existiert trotz Impfung nach wie vor. Auch erkranken Menschen immer noch schwer oder sterben sogar daran. Hygienemassnahmen und Zertifikatspflicht reichten im Kampf gegen das Virus nicht aus. Es gibt nur eine Lösung: Ein Shutdown, bis das Virus keine Schäden mehr anrichten kann.

«Ich weiss es besser als der Bund»

Der Bund trifft die falschen Entscheidungen. Die Massnahmen sind übertrieben oder zu wenig stark. Die Bundesrätinnen und Bundesräte erhalten deshalb regelmässig Post von den Menschen, die kopfschüttelnd oder verärgert zuschauen.

«Mein Körper gehört mir»

Jede Person entscheidet selbst, ob sie eine Tablette gegen Kopfschmerzen schlucken will oder nicht. Gleich verhält es sich mit der Coronaimpfung. Über den eigenen Körper hat niemand ausser man selbst zu bestimmen. Dazu gehört auch, sich nicht impfen zu lassen oder das Risiko einer Coronaerkrankung in Kauf zu nehmen, wenn man will.

«Der Staat hat mir nichts zu sagen»

Der Staat verordnete Shutdowns, Maskenpflicht und die Zertifikatspflicht. Was kommt als Nächstes? Seit Ausbruch des Coronavirus hat der Staat zu viel Macht. Die Bevölkerung ist in einer Diktatur gefangen. Auch die Impfung ist ein Zwangsmittel. Damit sich solche Massnahmen rechtfertigen liessen, müsste das Virus mehr schwer Erkrankte und Tote fordern als bisher. Regelmässige Demos sollen die Regierung zur Vernunft bringen.

«Ein gesunder Lebensstil schützt am besten»

Gesund essen, viel in der Natur sein und viel Bewegung: Gegen ein gestärktes Immunsystem hat das Coronavirus keine Chance. Gesundheit ist zudem reine Einstellungssache. Eine Runde Meditieren ist besser als der Blick auf die neuesten Fallzahlen. Der grösste Feind der Gesundheit ist die Angst. Wer am Virus schwer erkrankte oder gar starb, lebte zu wenig gesund, war alt – oder hatte Angst vor dem Virus.

«Die Krankheit ist gesünder als der Impfstoff»

Es ist gesünder, Corona durchzumachen, als sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Schliesslich würde man sich auch nie gegen Masern impfen lassen. Impfungen sind schädlich und können Krankheiten wie Autismus verursachen. Wer sich gegen das Coronavirus impft, wird mit seiner Gesundheit dafür bezahlen müssen. Mit dem Medikament Ivermectin, einem Entwurmungsmittel für Pferde, gebe es bereits ein Medikament gegen Covid, glaubt diese Gruppe. Die Behörden wollen Ivermectin aber nur verhindern, um die Impfkampagne nicht zu torpedieren. In unserem Faktencheck erfährst du, was echt und was fake ist.

«Alles ohne mRNA ist okay»

Impfen ja, aber nur mit traditionellen Impfstoffen: Der mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus ist zu schnell auf den Markt gekommen. Steckte die Welt nicht in einer Pandemie, hätte es noch Jahre gedauert, bis die mRNA-Impfung der breiten Bevölkerung verabreicht worden wäre. Bei unter 18-Jährigen soll es nach der Impfung mit Moderna in seltenen Fällen zudem zu Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen gekommen sein. Mit der Impfung gegen das Coronavirus setzt man die Gesundheits aufs Spiel.

«Lebt die Normalität!»

Die Impfung und Tests sind da, den Umgang mit der Maske haben alle im Griff: Es gibt kein Hindernis mehr auf dem Weg zurück in die Normalität. Diskussionen über erneute Massnahmen sind überflüssig. Menschenansammlungen kann man ohne Unbehangen besuchen. Endlich kann man auch die Freunde zur Begrüssung wieder umarmen.

«Wir müssen die Geimpften schützen»

Impfdurchbrüche sind möglich. Solange das Coronavirus noch zirkuliert, sind auch Geimpfte nicht aus dem Schneider. Ungeimpfte sind die grösste Gefahr. Deshalb sollen die Zertifikatspflicht, die Maskenpflicht und weitere Hygienemassnahmen aufrecht bleiben, bis die Schweiz das Impfziel von 93 Prozent bei den über 65-Jährigen und 80 Prozent bei den 18- bis 65-Jährigen erreicht hat.

«Solidarität ist das A und O»

Die Demos der Massnahmenskeptikerinnen und -skeptiker sind ein ständiges Ärgernis. Jede Person, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen will, handelt egoistisch. Der Kampf gegen die Pandemie lässt sich nur mit Solidarität gewinnen. Auf uneinsichtige Freunde und Angehörige kann man pfeifen.

«Ich habe Angst vor Spritzen»

Bereits der Gedanke an den Besuch im Impfzentrum löst Schweissausbrüche und Panikattacken aus. Ein Pieks in den Arm grenzt an eine Horrorvorstellung. Ekelig ist auch die Vorstellung, dass sich danach eine Flüssigkeit im Körper verteilt.

«Das Virus ist schlimm»

Das Coronavirus bleibt ewig in schlimmer Erinnerung. Jemand ist daran gestorben oder man hatte selbst einen schweren Verlauf. Vielleicht war der Verlauf auch nur leicht, hat aber in Form von Long Covid Spuren hinterlassen. Das Virus kann aber auch ein Schock gewesen sein: Obwohl man sich strikt an die Hygiene- und Abstandsregeln gehalten hatte, erwischte es einen doch. Ein Glück verlief die Krankheit mild.

«Corona? Was ist das?»

Die Maske braucht es im ÖV, weil man sonst eine Busse kassiert. Warum genau jetzt alle Maske tragen müssen, ist unklar. Auch überraschte, dass beim Besuch eines Restaurants plötzlich ein Zertifikat verlangt wurde. Gegen das Coronavirus kann man sich impfen lassen. Aber wo eigentlich? In einem Testzentrum oder in einem Impfzentrum?

«Achtung, hinter der Pandemie stecken böse Kräfte»

Hinter dieser Pandemie steckt kein echtes Virus, sondern ein dunkler Plan. Microsoft-Milliardär Bill Gates will den Menschen mittels Corona-Impfung Chips einpflanzen, um sie zu versklaven. Die Shutdowns sind ein Hinweis dafür, dass «böse Mächte» daran sind, eine neue Weltordnung einzuführen. In unserem Faktencheck erfährst du, was echt und was fake ist.

«Wir müssen Gemeinsamkeiten suchen»

Frau Reimann, die Pandemie hat die Gesellschaft in verschiedenen Gruppen aufgeteilt. Werden wir nach der Krise davon noch etwas spüren?
Es ist fatal zu meinen, dass nach der Krise wieder alles beim Alten sein wird. Durch die Pandemie haben in der Gesellschaft verschiedene Verwerfungen stattgefunden. Zum Stand Januar 2020 werden wir so schnell nicht zurückkommen.

Warum nicht?
Die Behörden haben in der Krise vor allem von oben nach unten und einseitig kommuniziert. Verschiedene Menschen in der Bevölkerung fühlten sich dadurch nur noch begrenzt abgeholt. Viele verabschiedeten sich in Telegramm-Kanäle und andere Gruppen, wo sie sich in ihren Ansichten gegenseitig bestärkten. Diese Menschen haben den Eindruck, dass in der Coronakrise nicht «die Wahrheit» gesagt wurde und haben deshalb das Vertrauen in die Politik verloren.

Was hat das für Auswirkungen?
Es kann schwieriger werden, für grosse Herausforderungen wie die sozialen und psychischen Auswirkungen der Corona-Krise, zusammenzurücken. Manche Menschen waren vor der Krise unpolitisch und sind jetzt politisch aktiv. Andere hat die Coronakrise so stark politisiert, dass sie ihren Blickwinkel auf politische Themen geändert haben.

Zum Beispiel?
Wenn die links-spirituelle Yogalehrerin plötzlich Posts von Roger Köppel zu teilen beginnt, ist das ein klares Zeichen dafür. Ich beobachte zum Beispiel auch gebildete Menschen aus dem linken Milieu, die sich nun fragen, ob der Klimawandel vielleicht nicht menschengemacht sei. Auch Studien zeigen, dass viele Personen aus der Kritikerszene aus dem linken Milieu kommen und verstärkt Positionen aus dem eher SVP-nahen Milieu teilen. Die bisherigen politischen Gesinnungsgruppen haben sich aufgelöst.

Wie können zum Beispiel die Solidarischen und die Eigenverantwortlichen wieder zusammenfinden?
Beide Gruppen sagen, dass sie ein friedliches Miteinander zum Ziel hätten. Auch wollen beide Verantwortung übernehmen. Wir kommen nur weiter, wenn wir bei diesen und auch anderen gegensätzlichen Gruppen Gemeinsamkeiten suchen, die es ja nach wie vor gibt. Schwarzweissdenken und einseitige Schuldzuweisungen sind fehl am Platz. Wir müssen national an einen Tisch sitzen und in den Dialog kommen.

*Cordula Reimann ist Kommunikations- und Konfliktberaterin sowie Mediatorin in Langenthal BE.

*Cordula Reimann ist Kommunikations- und Konfliktberaterin sowie Mediatorin in Langenthal BE.

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