26.08.2014 03:56

Dokfilm

«Welcome to Hell» gibt Einblick in die Reitschule

Der Berner Dokumentarfilmer Andreas Berger hat die Reitschule während 25 Jahren mit der Kamera begleitet. Im September kommt sein Film über «den Schandfleck von Bern» ins Kino.

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Einblick in die Reithalle gibt der neue Film  «Welcome to Hell».

Einblick in die Reithalle gibt der neue Film «Welcome to Hell».

Der Filmer und seine Kamera waren stets dabei: Bei Gummischrotregen vor der Reithalle, bei Konzerten im Dachstock und an den basisdemokratischen Sitzungen der Vollversammlung. In seinem neuesten Film «Welcome to Hell» lässt Andreas Berger die Zuschauer in die Kultur der Berner Reitschule eintauchen. Dafür begleitete er neun Aktivisten bei ihrer täglichen Arbeit im alternativen Kulturzentrum. «Es soll kein Jubelfilm werden», meint Berger. So kommen auch Kritiker der Institution wie SVP-Fraktionschef Roland Jakob und Manuel Willy, Chef der Regionalpolizei Bern, zu Wort.

Als Zuschauer begleitete man Sabine Ruch bei ihrer Arbeit im Dachstock und ist dabei, wenn basisdemokratisch das Kino der Reitschule geputzt wird, aber auch, als Reitschülerin Lea Bill sich auf einer Podiumsdiskussion über das «Tanz dich Frei» mit Sicherheitsdirektor Reto Nause zofft. «Ich habe probiert, ein differenziertes Bild des sogenannten Schandfleckes von Bern zu zeigen», so der Filmemacher, der bereits Filme über das Zelt- und Wagendorf Zaffaraya und die Berner Anti-AKW-Bewegung drehte. Auch zahlreiche Künstler wie Kuno Lauener, Müslüm und Steff la Cheffe erzählen auf der Leinwand über ihre Erfahrungen in der Berner Kulturinstitution.

Wunsch nach SVP-Initiative

«Welcome to Hell» - dieser Schriftzug prangte lange Zeit als Graffito auf dem Dach der Reitschule und ist für Berger der perfekte Filmtitel: «Ich habe neben den schönen Stunden die Reitschule auch als Hölle erlebt», erzählt der Filmemacher. Damit meint er zugedröhnte Jugendliche auf dem Vorplatz, schlechte Stimmung in der Beiz oder Prügeleien ohne ersichtlichen Grund. Dann habe er sich immer wieder mal eine Initiative der SVP gegen die Reithalle gewünscht: «Die brachten jedes Mal wieder einen Kreativitätsschub in die Reithalle». Trotz der vielen Stunden, die Berger in der Reitschule verbracht hat, ist der Ort für ihn noch immer unberechenbar: «Die Reithalle ist noch immer eine wie eine Wundertüte für mich.»

Entstanden ist der Film auch dank Förderbeiträgen. Der Kanton Bern zahlte 65'000 Franken, ebenso gaben der Kanton Solothurn und die Ernst-Göhner-Stiftung Geld für die Entstehung des Dokumentarfilmes. Zu sehen gibt es den Streifen ab 25. September im Kino der Reitschule, danach auch im Kino Kunstmuseum.

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