Illegal in die Schweiz gebracht - Welpe Fredy muss am Samstag sterben
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Illegal in die Schweiz gebrachtWelpe Fredy muss am Samstag sterben

Ein kleiner Toy-Pinscher wurde illegal aus einem Tollwut-Risikoland in die Schweiz importiert. Seine Besitzerin will partout verhindern, dass ihr Fredy eingeschläfert wird – doch ihre Chancen sind sehr gering.

von
Karin Leuthold
Fredy junior wurde im Mai 2021 illegal aus der Republik Moldau eingeführt. Ende Juli wird der Welpe wohl eingeschläfert.

Fredy junior wurde im Mai 2021 illegal aus der Republik Moldau eingeführt. Ende Juli wird der Welpe wohl eingeschläfert.

Change.org

Darum gehts

  • Im Mai brachte ein Mann einen Welpen aus der Republik Moldau in die Schweiz und schenkte den Hund seiner Tante.

  • Der Hund war nicht gegen Tollwut geimpft worden, die Republik Moldau gilt als Tollwut-Risikoland.

  • Die Besitzerin ging rechtlich gegen das Genfer Veterinäramt vor, nachdem die Behörde ihr den Hund weggenommen hatte.

Fredy junior hat nur noch wenige Stunden zu leben. Am Freitag um Mitternacht ist das Genfer Veterinäramt dazu berechtigt, den vier Monate alten Welpen einzuschläfern. Ein Gericht in Genf hat am Dienstag einen von Fredys Besitzerin gestellten Berufungsantrag, dem kleinen Toy-Pinscher das Leben zu retten, nicht gewährt.

Das Tier war im Mai aus der Republik Moldau in die Schweiz eingeführt worden, dabei war es nicht beim Zoll angemeldet worden. Zudem gilt die Republik Moldau als Tollwut-Risikoland und Fredy war nicht geimpft. Es war der Neffe der Besitzerin, der den Welpen importiert hatte, um seine Tante zu trösten, die nach dem Tod ihres vorherigen Hundes seelisch am Ende war.

Anwalt findet Urteil «schockierend und unzulässig»

Ihre Freude hielt nicht lange. Das Genfer Veterinäramt beschlagnahmte Fredy am 8. Juni. Dabei bot die Behörde der offiziell in Griechenland wohnhaften Frau an, mit dem Hund bis am 26. Juni in ihre Wahlheimat zurückzukehren eine Bedingung, die sie nicht erfüllte.

Romain Jordan, Anwalt der Besitzerin, ist der Meinung, dass man Fredys Tod vermeiden könnte, wenn man den Welpen sofort impfen liesse und bis Ende August isolierte. Das Veterinäramt hält die Strategie für einen wissenschaftlichen Unsinn, und die kantonale Justiz gab dem Amt recht.

Das Urteil findet Romain Jordan «schockierend und unzulässig». Es zeige, dass die Justiz sich in Bezug zu Tieren nicht entwickelt habe. «Hier wird der Welpe meiner Mandantin zu einem Dossier herabgestuft.» Dabei eliminiere man den Konfliktgegenstand, indem man ihn tötete. «Wir hätten warten können, bis der Hund die mögliche Quarantäne abgeschlossen hat, aber diese Lösung wird verworfen, weil sie teuer ist», sagt Jordan zu 20 Minutes.

Wenn sich nichts ändert, ist Fredy am Samstag tot

Der Genfer Kantonstierarzt Michel Rérat verteidigt seinerseits den Entscheid des Veterinäramtes. Die Inkubationszeit bei Tollwut könne «von mehreren Monaten bis zu mehreren Jahren» dauern, erklärt er. Eine kurze Quarantäne, bis zu 120 Tage, sei eine Möglichkeit, die Risiken bei geringem Verdacht zu begrenzen. Aber ein Hund, der aus einem tollwutgefährdeten Land importiert wurde, unterliegt drei Bedingungen: Impfung nach drei Monaten, Serologie 30 Tage später, anschliessend eine Wartezeit von drei Monaten. Dies wurde nicht erfüllt, Fredy junior wurde illegal importiert. Dadurch werde die Gefahr einer «Tollwut-Einschleppung in die Schweiz als gross eingeschätzt».

Anwalt Romain Jordan legte am Mittwoch Berufung beim Bundesgericht ein, in der Hoffnung, dass er das Verfahren aussetzen werde. Eine Gruppe Tierliebhaber sammelt zudem über 4600 Unterschriften auf der Plattform Change.org. Inzwischen tickt die Uhr für Fredy weiter.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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