Nati-Handballer Dimitrij Küttel spricht über seine Krebserkrankung
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Erfolgreiche Therapie«Welt brach für mich zusammen» – Nati-Spieler spricht über Krebserkrankung

Was war das für eine Hiobsbotschaft? Anfang Jahr wurde bekannt, dass Kadetten-Captain und Nati-Spieler Dimitrij Küttel Lymphknotenkrebs hat. Nun spricht er erstmals ausführlich über die Leidenszeit seither.

von
Nils Hänggi
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Küttel erhielt Anfang Jahr die Schocknachricht. 

Küttel erhielt Anfang Jahr die Schocknachricht.

Marc Schumacher/freshfocus
Seither ist er in Behandlung. 

Seither ist er in Behandlung.

Freshfocus
«Zu Beginn der Untersuchungen habe ich nicht einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass ich als junger, gesund lebender und fitter Sportler Krebs haben könnte», sagt er nun. 

«Zu Beginn der Untersuchungen habe ich nicht einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass ich als junger, gesund lebender und fitter Sportler Krebs haben könnte», sagt er nun.

Daniela Frutiger/freshfocus

Darum gehts

  • Dimitrij Küttel ist Handballspieler und Captain bei den Kadetten Schaffhausen.

  • Anfang Jahr erhielt er eine Schock-Diagnose: Küttel bekam die Nachricht, dass er Lymphknotenkrebs habe.

  • Seither ist er in Behandlung.

  • In einem Interview spricht er über die Krankheit.

Im Januar verkündeten die Kadetten Schaffhausen eine Hiobsbotschaft. Der Kadetten-Captain und Nati-Spieler, Dimitrij Küttel, hat Lymphknotenkrebs. Weitreichende Untersuchungen aufgrund von Krankheitssymptomen kurz vor Weihnachten führten zur niederschmetternden Diagnose. Seither sind mehrere Monate vergangen. Nun äussert sich Küttel erstmals ausführlich in einem clubinternen Interview zu seiner Krankheit und seinem Gesundheitszustand.

So wurde der Krebs bei ihm gefunden …

«Wie viele meiner Mannschaftskollegen wurde auch ich Anfang Dezember positiv auf Covid-19 getestet und musste zehn Tage zuhause bleiben. Nach überstandener Erkrankung und Quarantäne konnte ich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, fühlte mich aber nach den Trainings oft ziemlich schlapp und ausgelaugt. Natürlich schob ich es auf das Virus und dachte mir nicht allzu viel dabei. Leider wurde die Situation nicht besser und ich begab mich in ärztliche Untersuchung. Dabei wurde zufällig bei einem Röntgenbild vor meiner Lunge eine vergrösserte Weichteilmasse gefunden. Nach weiteren Untersuchungen über die Festtage hatte ich kurz vor dem Jahreswechsel Gewissheit, dass ich Lymphdrüsenkrebs habe.»

So ging es ihm, als er von der Diagnose erfuhr …

«Zu Beginn der Untersuchungen habe ich nicht einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass ich als junger, gesund lebender und fitter Sportler Krebs haben könnte. Ich redete mir ein, dass meine Lymphknoten einfach entzündet sind von der Covid-Erkrankung. Als dann die definitive Diagnose am Silvesterabend da war, brach für mich eine Welt zusammen. Zum Glück konnte ich nach ein paar schwierigen Tagen Anfang Januar die Situation akzeptieren und nach vorne schauen. Ich begann, alle möglichen Informationen über meine Krebsart zu lesen, um möglichst gut vorbereitet auf die kommende Behandlung zu sein. Unser Mannschaftsarzt, Jean-Jacques Fasnacht, hat mir dabei enorm geholfen, mich mental unglaublich unterstützt sowie mit den nötigen Informationen versorgt.»

Küttel musste nie im Spital übernachten …

«Am 11. Januar hatte ich meine erste onkologische Behandlung im Spital Schaffhausen. Dies war der Beginn des ersten Behandlungszyklus von insgesamt vier. Ein Zyklus dauerte drei Wochen und wurde aufgeteilt in zwei Wochen Behandlung mit Infusionen und oraler Medikamenteneinnahme und einer Erholungswoche. Zum Glück konnte ich nach den Infusionen immer nach Hause und musste nie im Spital übernachten.»

Damit hatte er während der Behandlung Mühe …

«Während des ersten Behandlungszyklus war logischerweise alles neu für mich und ich hatte Mühe mit einem einfachen Nadelstich für die Infusionen. Zu schaffen machte mir auch die Behandlungssituation im Spital, bei der rund zehn Personen gleichzeitig in einem Raum sind und Infusionen erhalten. Körperlich habe ich die Behandlung glücklicherweise gut vertragen, mir war nie übel, ich konnte normal weiteressen und sogar zwei bis drei Mal pro Woche Sport treiben. Nach einer zwei- bis vierstündigen Behandlung mit Infusionen fühlte ich mich allerdings schlapp, müde und antriebslos. Ausserdem hatte ich Konzentrationsschwierigkeiten während der ersten zwei Wochen der jeweiligen Zyklen.»

So ging sein Umfeld mit dem Schock um …

«Verständlicherweise war die Diagnose ein Schock für mein gesamtes Umfeld. Jedoch spürte ich in den unzähligen Nachrichten, die ich erhielt, die unglaubliche Unterstützung, auf die ich zählen konnte und immer noch zählen kann. Ich freute mich über jede einzelne erhaltene Nachricht oder Geste. Dafür bin ich unglaublich dankbar, danke! Auch die vielen Aktionen meiner Mitspieler, Freunde und Familie gaben mir enorm viel Kraft und machten es mir ein bisschen einfacher. Die grösste Stütze war aber meine Freundin, die mir täglich beigestanden ist.»

Jetzt will der Captain wieder angreifen …

«Mir geht es zum Glück sehr gut. Die Therapie ist seit vier Wochen abgeschlossen und ich habe letzte Woche den Bescheid erhalten, dass sie erfolgreich war. Somit befinde ich mich momentan in der Remissionsphase. In der kommenden Zeit erhole ich mich von der Belastung durch die Chemotherapie und trainiere bereits wieder ein paar Mal pro Woche. Mein Ziel ist es, dass ich wieder im Orangen Dress und wenn möglich auch im Roten Dress der Nationalmannschaft auflaufen kann. Eine Zeitangabe bezüglich meiner Rückkehr kann und will ich aber nicht machen.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, die Diagnose Krebs erhalten?

Hier findest du Hilfe:

Krebstelefon, Tel. 0800 11 88 11

Cancerline, Chat mit Fachpersonen

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