Ukraine-Krieg - Anwohner Butschas berichten von Gräueltaten durch russische Truppen
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Ukraine-KriegAnwohner Butschas berichten von Gräueltaten durch russische Truppen

In Butscha, einer Vorstadt im Nordwesten von Kiew, lagen nach mehr als fünf Wochen Krieg Dutzende Tote im Freien. Die Bilder des ukrainischen Verteidigungsministeriums lösten international Entsetzen aus. Auch das EDA äussert sich. 

Warnung: Dieses Video enthält Bilder, die dich aufwühlen können. Nach den Gräueltaten in Butscha ist die Welt entsetzt.

Darum gehts

«Gräueltaten», «Massaker», «Kriegsverbrechen»: Berichte über die mutmasslich gezielte Tötung zahlreicher Zivilisten durch russische Truppen in dem mittlerweile von der ukrainischen Armee zurückeroberten Vorort Butscha bei Kiew haben international für Entsetzen gesorgt.

Auch das Schweizerische Aussendepartement, EDA äussert sich in einem Tweet. «Die Berichte aus Butscha lassen schwere Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht befürchten» Diese Geschehnisse sowie alle anderen mutmasslichen Verstösse bedürften dringlich einer unabhängigen internationalen Untersuchung des Internationalen Strafgerichtshofs, sowie anderer Institutionen.

SP-Nationalrat Fabian Molina twittert: «In der Ukraine werden vor den Augen der Weltöffentlichkeit Kriegsverbrechen verübt.» 

FDP-Vizepräsident Philippe Nantermod schreibt: «Die Bilder von Butscha sind absolut widerlich und unerträglich.»

Auch US-Aussenminister Antony Blinken hat sich entsetzt über die Aufnahmen aus Butscha geäussert. «Man kann nicht anders, als diese Bilder als einen Schlag in die Magengrube zu sehen», sagte Blinken am Sonntag dem Sender CNN. Der Minister verwies darauf, dass die US-Regierung bereits im vergangenen Monat zu dem Schluss gekommen sei, dass russische Truppen in der Ukraine Kriegsverbrechen begingen. «Das ist die Realität, die sich jeden Tag abspielt, solange Russlands Brutalität gegen die Ukraine anhält. Deshalb muss es ein Ende haben.»

Eine Videoaufnahme des ukrainischen Verteidigungsministeriums zeigte die Leichen mehrerer Menschen am Strassenrand. Einige davon hatten die Hände auf dem Rücken gefesselt. Die Echtheit konnte nicht unabhängig geprüft werden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete unter Berufung von Augenzeugen über die öffentliche Erschiessung eines Mannes in Butscha durch russische Soldaten schon in den ersten Tagen des Krieges. Das Verteidigungsministerium in Moskau nannte ausländische Berichte über Massaker wörtlich «Fake».

Anwohner Butschas berichten von Gräueltaten 

Anwohner der ukrainischen Stadt Butscha haben erschütternde Berichte über die Tötung von Zivilisten durch russische Soldaten abgegeben. Sie erklärten, russische Truppen hätten in der Stadt nahe der Hauptstadt Kiew Zivilisten ohne ersichtlichen Grund erschossen.

Anwohner erklärten, russische Soldaten seien von Gebäude zu Gebäude gegangen und hätten Menschen aus den Kellern geholt, in denen sie sich vor den Kämpfen versteckt hatten. Sie hätten deren Telefone nach Beweisen für antirussische Aktivitäten durchgesucht und Menschen mitgenommen oder sie erschossen.

Auf einem Logistikgelände, das nach Angaben von Anwohnern von den russischen Streitkräften als Stützpunkt genutzt wurde, waren die Leichen von neun Männern auf dem Boden zu sehen, einige davon mit auf dem Rücken gefesselten Händen.

Olaf Scholz verlangt schonungslose Aufklärung

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verlangte am Sonntag in Berlin: «Diese Verbrechen des russischen Militärs müssen wir schonungslos aufklären.» Täter und Auftraggeber müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagt Scholz. «Ich verlange, dass internationale Organisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz Zugang erhalten zu diesen Gebieten, um die Gräueltaten unabhängig zu dokumentieren», erklärte Olaf Scholz, ohne explizit von Kriegsverbrechen zu sprechen.

Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock sprach sich dafür aus, Kriegsverbrecher vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen.

Baerbock bezeichnete die Bilder aus Butscha als «unerträglich». Auf Twitter machte sie den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich verantwortlich: «Putins hemmungslose Gewalt löscht unschuldige Familien aus und kennt keine Grenzen.» Die Grünen-Politikerin fügte hinzu: «Die Verantwortlichen für diese Kriegsverbrechen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.» Die Ukraine brauche zu ihrer Verteidigung noch mehr Unterstützung. Ins Detail ging Baerbock nicht.

Macron will Russland wegen Butscha zur Verantwortung ziehen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will Russland zur Verantwortung ziehen. Die Bilder aus der Stadt Butscha mit «Hunderten feige ermordeter Zivilisten auf den Strassen» seien unerträglich, schrieb der Staatschef am Sonntag auf Twitter. «Die russischen Behörden müssen sich für diese Verbrechen verantworten.»

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Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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(dpa/afp/lea)

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