Aktualisiert 09.12.2008 19:30

WirtschaftkriseWeltbank sieht «Grosse Depression» kommen

Die Weltbank befürchtet als Folge der weltweiten Finanz- und Kreditmisere die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Grossen Depression vor 80 Jahren. Derweil erfasst die Rezession immer mehr Staaten in Europa.

«Die Finanzkrise wird wahrscheinlich in der schwersten Rezession seit den 30er Jahren münden», sagte Weltbank-Chefökonom Justin Lin am Dienstag bei der Vorstellung des Weltwirtschaftsausblicks der multilateralen Entwicklungshilfeorganisation.

Die Weltbank erwartet für nächstes Jahr ein globales Wachstum von nur noch 0,9 Prozent nach 2,5 Prozent 2008. Damit fällt die Prognose zur Entwicklung der globalen Konjunktur deutlich düsterer aus als die des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Schwesterorganisation der Weltbank.

Schrumpfende Volkswirtschaften

Während die Wirtschaft der reichen Länder im kommenden Jahr schrumpfe, könnten Schwellen- und Entwicklungsländer nur noch mit einem Plus von 4,5 Prozent rechnen, hiess es im Weltbank-Bericht.

Zwar habe die Finanzkrise den rasanten Preisanstieg für Rohstoffe gestoppt und umgekehrt, sagte Lin. Stattdessen werde nun das Bankensystem auf eine harte Probe gestellt, während gleichzeitig rund um den Globus Arbeitsplatzverluste drohten.

Angesichts eines erwarteten Rückgangs des Welthandels um 2,1 Prozent im kommenden Jahr müssten sich die Entwicklungsländer auf einen starken Rückgang ihrer Exporte gefasst machen, heisst es weiter.

Währungsfonds optimistischer

Der IWF geht in seinem Anfang November vorgelegten Weltwirtschaftsausblick von einem weltweiten Wachstum von 2,2 Prozent aus, während die Volkswirtschaften der Industrienationen der Prognose zufolge insgesamt schrumpfen werden. Nach einer Faustregel des Fonds bedeutet ein globales Wachstum von unter drei Prozent, dass die Welt in die Rezession gerutscht ist.

Rezession in Europa erfasst weitere Staaten

Angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise rechnen immer mehr EU-Staaten im kommenden Jahr mit einer Rezession. Finnland, Österreich und Lettland meldeten am Dienstag negative Wachstumsprognosen für 2009. Ein besonders dramatischer Rückgang zeichnete sich in Lettland ab. Dort schrumpfte die Wirtschaft schon im dritten Quartal dieses Jahres um 4,6 Prozent und landete damit auf dem letzten Platz unter den 27 EU-Mitgliedstaaten.

In den ersten neun Monaten 2008 sank das Bruttoinlandsprodukt Lettlands um insgesamt 0,6 Prozent, wie das Statistische Amt in Riga mitteilte. Damit wurde bestätigt, dass die lettische Wirtschaft, die lange Zeit die am stärksten wachsende in der EU war, in eine Rezession gerutscht ist. Für 2009 wurde ein Rückgang um rund fünf Prozent vorausgesagt, 2007 gab es noch ein Wachstum von 10,3 Prozent. Lettland hofft nun auf Hilfen von rund fünf Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF), um die Wirtschaft stützen zu können.

In Österreich wird für 2008 nach einem starken ersten Halbjahr zwar noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent gerechnet. 2009 werde das Bruttoinlandsprodukt aber um 0,3 Prozent sinken, erklärte die Notenbank in Wien am Dienstag. Durch den weltweiten Abschwung habe sich eine «sehr ernste Situation» für die österreichische Wirtschaft entwickelt, erklärte Notenbankchef Ewald Nowotny. Für 2010 sei aber wieder eine leichte Erholung zu erwarten.

Ähnliche Prognosen gab es aus Helsinki. Für 2009 wurde ein wirtschaftlicher Rückgang um 0,5 Prozent vorausgesagt, nachdem im September noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent gerechnet worden war. Für 2010 sei dann wieder ein Plus von 0,7 Prozent zu erwarten, teilte die Notenbank mit. Auch für 2010 waren ursprünglich allerdings 1,3 Prozent Wachstum vorausgesagt worden. Für 2008 wurde das erwartete Wachstum von 2,8 auf 2,1 Prozent korrigiert.

(Quelle: SDA/AP)

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