Weltgrösste Fussgängerbrücke bei Basel

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Weltgrösste Fussgängerbrücke bei Basel

Ein deutsch-französischer Brückenschlag am Rhein hat am Sonntag vor den Toren Basels tausende Schaulustiger angezogen: Zwischen Weil am Rhein und Hüningue wurde die weltlängste Fussgänger- und Velobrücke am Stück angeliefert.

Die über tausend Tonnen schwere Stahlkonstruktion glänzte dank frisch gewaschener Morgenluft in der flachen Wintersonne, als sie vom nahen Montageort am Elsässer Rheinufer auf zwei Pontons hoch geschleppt wurde. Schon früh zog das Zeitlupen-Spektakel Neugierige an, und diese liessen sich auch von Regenschauern kaum vertreiben.

Das Einschwimmen der filigranen Bogenkonstruktion stand am Morgen wegen Wind nochmals kurz auf der Kippe; doch um 5.30 Uhr gab es grünes Licht. Heikel wurde es gegen Mittag, als der niedrige Rheinpegel am Hüninger Ufer zuwenig Wasser unter dem Kiel liess. Mit Leerpumpen gab man dem Ponton mehr Auftrieb, und es reichte.

Stolz und Neugier

Da sich die Konstruktion beim Transport nicht verziehen durfte, war Sorgfalt angesagt. Nebenbei: Bei Sommertemperaturen ist die Brücke einen halben Meter länger als im Winter. Auf der Höhe der Brückenköpfe wurden Schleppseile am Ufer vertäut und die Brücke millimeterweise eingedreht. Die Rheinschiffahrt war den ganzen Tag gesperrt.

Die zahlreichen Schaulustigen waren bunt gemischt: An beiden Ufern standen gut gelaunt Junge und Alte, Badener und Elsässer - auch Schweizerdeutsch war zu hören. Viele sprachen mit Stolz über ihre neue Brücke: «Wir sind wirklich eine spezielle Region im Dreiländereck», sagte etwa ein Einheimischer am Hüninger Ufer.

Kaum jemand hatte keine Foto-, Video- oder Telefon-Kamera in der Hand, und auch zahlreiche Fernseh-Equipen suchten die optimale Perspektive. Das Bauwerk wirft auch schon Geschäfts-Schatten voraus: Ein Weiler Weingut hat die neue Brücke auf einer Spätburgunder-Etikette verewigt; davon wurde ausgeschenkt.

Viele Hoffnungen

Symbolkraft hatte so ein Regenbogen, der zeitweise hinter der Brücke leuchtete: Der Hüninger Bürgermeister René Moebel erinnerte vor den Medien an die letzte schwimmende Brücke fast am selben Ort, die 1944 zerstört wurde. Die neue Verbindung verspreche eine «ausserordentliche Dynamik» im Zusammenleben; er sei «sehr glücklich».

Heute liegen die nächsten Rheinbrücken einen Kilometer nördlich oder zwei südlich - letztere verbindet in Basel auch französische und deutsche Autobahn. Bald soll laut Moebel nicht nur der Hüninger Brückenkopf, sondern auch das Zentrum noch attraktiver gestaltet werden. In Weil gingen ja schon heute viele Elsässer einkaufen...

Der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz verspricht sich für beide Seiten etwas von der neuen Brücke - nun könne man einfacher aufeinander zugehen. Für die Bevölkerung gilt dies indes erst ab Silvester, wenn die Brücke eingeweiht wird. Am Sonntag wurde sie erst auf ihren Lagern platziert; letzte Ausbauarbeiten folgen.

Weltrekord

Nach Ingenieurangaben ist der Steg mit einer Mittelspannweite von 238 Metern die längste Fussgänger- und Velobrücke in einem Bogen weltweit. Ihre lichte Höhe von 7,8 Metern lässt die Rheinschiffe ungehindert rangieren; just nebenan liegt der Weiler Hafen, einen Steinwurf weg der Basler Hafen Kleinhüningen.

Für Roland Igersheim, Präsident der «Communauté des Communes des trois Frontières» war der sonntägliche Brückenschlag ein «grosser Moment». Völkerverbindend ist auch die Finanzierung der Brücke: Die Baukosten von rund 9 Mio. Euro teilen sich die EU (19 Prozent), Frankreich (41%), Baden-Württemberg (29%) und Weil am Rhein (11%).

(sda)

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