Weltnummer 150 steht im US-Open-Final – dort kommt es zum Teenie-Duell
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Historisches Endspiel in New YorkWeltnummer 150 steht im US-Open-Final – dort kommt es zum Teenie-Duell

Die sensationellen Siegesserien von Leylah Fernandez (19) und Emma Raducanu (18) sind beim letzten Grand Slam des Jahres noch immer nicht gerissen. Nun kommt es im Final zum Direktduell.

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Die Britin Emma Raducanu setzt sich in ihrem Halbfinal klar durch. 

Die Britin Emma Raducanu setzt sich in ihrem Halbfinal klar durch.

AFP
Sie spielt die Griechin Maria Sakkari an die Wand. 

Sie spielt die Griechin Maria Sakkari an die Wand.

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Und jubelt über ihren ersten US-Open Final Einzug. 

Und jubelt über ihren ersten US-Open Final Einzug.

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Darum gehts

  • Zwei Teenager erreichen den US-Open-Final.

  • Die Britin Emma Raducanu (18) deklassierte auf ihrem Weg ins Endspiel unter anderem Belinda Bencic.

  • Leylah Fernandez (19) aus Kanada gewann gegen die Mitfavoritinnen Osaka, Gerber und Sabalenka.

Die letzten Wochen am US Open waren ereignisvoll. Und als Krönung wird der Frauenfinal in New York in die Historie eingehen. Die beiden Newcomerinnen Emma Raducanu (18) und Leylah Fernandez (19) konnten ihre Halbfinal-Spiele gewinnen und treffen nun im Endspiel aufeinander. Erstmals seit Virgin Wade 1977 wird wieder eine Britin um den Titel kämpfen.

Die Qualifikantin Emma Raducanu steht nach acht Spielen und zweieinhalb Wochen in New York erstmals in einem Grand-Slam-Final. Schon im Viertelfinal dominierte sie die Schweizerin Belinda Bencic nach Belieben und schmiss die Olympiasiegerin aus dem Turnier. Auch im Halbfinal musste sich die Griechin Maria Sakkari eingestehen, dass die junge Britin nicht zu schlagen war und verlor das Spiel mit 1:6 und 4:6. Die Weltnummer 150 steht mühelos und ohne Satzverlust in ihrem ersten US-Open-Final.

Doppelfehler hilft Fernandez

Die junge Leylah Fernandez musste sich bis zu ihrem Final-Einzug gegen mehrere nahmhafte Spielerinnen durchsetzen. Die Kanadierin gewann gegen die Titelverteidigerin Naomi Osaka und konnte auch ihr Viertelfinalspiel gegen die Deutsche Angelique Kerber gewinnen. Im Halbfinalduell sah es lange danach aus, als wäre die Erfolgsgeschichte von Fernandez nun vorbei. Jedoch kam Leylah Fernandez, welche erst vor vier Tagen 19 Jahre alt wurde, dank eines Doppelfehlers der Belarussin Aryna Sabalenka wieder zurück in das Spiel und konnte zusätzlich von der Unterstützung des Publikums profitieren. Im Entscheidungssatz lagen dann bei Sabalenka die Nerven blank. Dank eines unerzwungenen Fehlers, zweier Doppelfehler und einer Vorhand, welche im Aus landete, steht die Weltnummer 73 erstmals in einem Grand-Slam-Final.

«Ich denke, ich habe ein paar unglaubliche Sachen geschafft», sagte sie lächelnd in der Pressekonferenz, als die versammelten Journalisten und Journalistinnen ein weiteres Mal versuchten, diese vor dem Turnier nur Insidern bekannte Spielerin besser kennenzulernen. Die Kanadierin erzählte zusätzlich eine spannende Anekdote: «Eine Lehrerin hat mir gesagt, ich solle mit Tennis aufhören, weil ich das nie schaffen würde und mich nur auf die Schule konzentrieren solle», so Fernandez. «Das war damals nicht lustig, aber ich bin froh, dass sie das gesagt hat, weil ich diesen Satz jeden Tag im Kopf hatte.»

In New York lieben die Fans Aussenseiter-Geschichten und verbünden sich bei den US Open schnell mit dem Underdog. Wer am Samstag im Sensations-Damen-Finale die Sympathien von den Rängen auf seine Seite zieht, bleibt völlig offen: Denn sowohl die 19 Jahre alte Kanadierin Leylah Fernandez wie auch ihre zwei Monate jüngere Gegnerin Emma Raducanu aus Grossbritannien haben die Menschen in der US-Metropole in den vergangenen beiden Wochen mit ihrem Tennis verzückt – und mit dem völlig unerwarteten Einzug ins Endspiel beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres vom Hocker gerissen. «Es ist wahr: Nichts ist unmöglich», sagte Fernandez mit etwas Abstand zum Riesenjubel am Donnerstagabend.

Vorfreude statt Druck vor dem wichtigsten Spiel der Karriere

Keine der beiden jungen Frauen scheint sich von der Entwicklung der vergangenen Tage einschüchtern zu lassen. Klar, die Überwältigung nach jedem weiteren Sieg war erst mal da – das ungläubige Lachen, dass jeweils schnell einem Strahlen im Gesicht wich. «Die sind beide jung, angstfrei und haben nichts zu verlieren gegen uns», sagte die unterlegene Sakkari und musste dann verlegen lachen, es klang schuldbewusst. «Sie machen es auf die richtige Art.»

Als die 18-Jährige Raducanu unmittelbar nach dem Erfolg gegen die 26-jährige Griechin auf die nun womöglich steigende Erwartungshaltung angesprochen wurde, lachte sie deswegen auch nur und meinte: «Gibt es da Erwartungen? Ich bin eine Qualifikantin. Auf dem Papier lastet kein Druck auf mir.» Sie will einfach nur wieder forsch spielen und den Zuschauern eine gute Zeit bieten – so wie Fernandez: «Das versuche ich zu tun: Magie auf den Platz zu bringen. Ich versuche für jeden Zuschauer eine Show zu zeigen.» Die Leute im Arthur-Ashe-Stadium dürfen sich auf etwas freuen.

Fernandez und Raducanu haben ein paar Parallelen. Beide haben einen kanadischen Pass, die Eltern sind Einwanderer. Fernandez’ Mutter ist philippinischer Abstammung, der Vater kommt aus Ecuador. Der rumänische Vater und die chinesische Mutter Raducanus zogen mit ihrer zwei Jahre alten Tochter allerdings von Toronto nach London, sie ist in England aufgewachsen und spielt unter britischer Flagge. In Wimbledon hatte sie es bereits ins Achtelfinale geschafft, musste aber aufgeben, damals auch noch überwältigt von den Emotionen und dem plötzlichen Rummel um ihre Person. Nun steht sie wie Fernandez vor dem grössten Spiel ihrer Karriere – die nächste Generation drängt nach vorn, dem Damentennis tut es gut.

(ape/dpa)

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