Weltweite Erholung an den Börsen - SMI über 9000 Punkte

Aktualisiert

Weltweite Erholung an den Börsen - SMI über 9000 Punkte

Mit Erleichterung haben die Investoren weltweit auf die Zinssenkung der US-Notenbank Fed zur Stützung der angeschlagenen US-Wirtschaft reagiert. In Zürich gewann der SMI zeitweise fast drei Prozent und notierte wieder über 9000 Punkten.

Das letzte Mal hatte der Börsenindex der Schweizer Grosskonzerne Ende Juli über diesem psychologisch wichtigen Wert notiert. Der SMI schloss dann um 2,6 Prozent fester auf 9006,76 Punkten. Der breite SPI gewann ebenfalls 2,6 Prozent auf 7308,56 Zähler.

Besonders bei den Finanzwerten zeigte sich die Erleichterung der Investoren. Die Aktien der grössten Schweizer Bank, UBS, kletterten um 3,6 Prozent, Credit Suisse verteuerten sich um 3,9 Prozent. Julius Bär hoben gar um 8 Prozent ab. Auch das vom Markt als enttäuschend gewertete Quartalsergebnis der US-Grossbank Morgan Stanley konnte dem Kaufrausch keinen Dämpfer verpassen.

«Finanzdroge Zinssenkung»

In Frankfurt, London, Paris und Madrid schossen die Kurse ebenso nach oben, wie am Morgen an den Fernost-Börsen. «Die Fed hat es vermocht, dass einmal mehr die Finanzdroge Zinssenkung ihre volle Wirkung am Aktienmarkt entfaltet», sagte der Chefstratege der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer.

Die Notenbanker um Ben Bernanke hatten am Vorabend den US- Leitzins um 50 Basispunkte auf 4,75 Prozent reduziert. Den Diskontsatz, zu dem sich Banken direkt bei der Fed Geld leihen können, verringerten sie in gleicher Höhe.

Zwar war eine Zinssenkung von Experten erwartet worden - doch dass diese so deutlich ausfallen würde, hat viele überrascht. «Die Fed war in einer schwierigen Situation und hat sich angesichts der fortdauernden Unruhe entschieden, den mutigen Schritt zu gehen», kommentierte Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank. Viele Experten erwarten, dass die Fed im Oktober erneut an der Zinsschraube drehen wird.

Öl und Euro auf Rekordjagd

Nach der US-Zinsentscheidung zog der Ölpreis deutlich an. Das Fass WTI-Öl kostete bis zu 82.52 Dollar und war damit so teuer wie noch nie. «Nach der Zinssenkung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die US-Konjunktur doch nicht so hart landet wie befürchtet, daher der neue Schub beim Ölpreis», sagte Rohstoff-Experte Frank Schallenberger von der LBBW. «Ein Preis von 85 Dollar ist durchaus in Reichweite.»

Die auf 75 Basispunkte verringerte Zinsdifferenz zwischen den USA und der Euro-Zone verhalf dem Euro zu einem Rekordhoch bei 1.3988 Dollar. Die Marke von 1.40 Dollar werde bald fallen, sagten Experten. Der Franken notierte zum Euro wieder auf über 1.65 und zum Dollar bei 1.18.

«Rezession ist vermeidbar»

In den vergangenen Wochen hatte die Krise am US-Hypothekenmarkt ein Schreckensszenario für viele Experten immer wahrscheinlicher werden lassen. «Eine Rezession in den USA ist vermeidbar und wird vermieden,» sagte Walter.

Unicredit-Analyst Kornelius Purps merkte an, dass viele Amerikaner ihren Konsum auch über Kredite finanzieren, die mit ihren Häusern besichert sind. Fallen die Häuserpreise, können die US-Bürger weniger Geld ausgeben. Die US-Wirtschaft hängt aber zu zwei Dritteln vom privaten Konsum ab. Mit der Zinssenkung werden nun Kredite billiger und mögliche Engpässe überbrückt.

Nach der Zinssenkung habe sich die Situation etwas entspannt, berichteten Geldhändler. Nichtsdestotrotz sah sich die britische Notenbank noch am Mittwoch dazu veranlasst, dem Geldmarkt zusätzlich zehn Milliarden Pfund zur Verfügung zu stellen. Die Krise werde wohl erst in ein bis zwei Jahren ausgestanden sein und nicht schon nach ein oder zwei Quartalen, konstatierte Walter. (sda)

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