Kater Kunkush: Wem diese Geschichte nicht ans Herz geht, der hat keins
Aktualisiert

Kater KunkushWem diese Geschichte nicht ans Herz geht, der hat keins

Eine irakische Familie flieht vor dem IS nach Europa. Auch Kater Kunkush ist mit dabei. Als er auf der gefährlichen Reise verloren geht, scheint sein Schicksal besiegelt.

von
gux

Die Familie al-Alaf floh letzten Herbst vor den Terroristen des «Islamischen Staates» aus dem irakischen Mossul. Dabei setzten Suva al-Alaf und ihre fünf Kinder von der Türkei aus mit einem Schlepperboot nach Griechenland über. In einem Korb immer mit dabei: der dreijährige Kater Kunkush.

Auf der Insel Lesbos angekommen, rannte das Tier in dem ganzen Durcheinander davon. Alles Suchen half nichts, das Tier blieb verschwunden und die al-Alafs reisten schweren Herzens ohne Kunkush weiter – zunächst nach Berlin, dann nach Norwegen.

Allein und hungrig

Derweil bemerkte ein Fischer den hungrigen Kater: Sein weisses Fell war verfilzt, und er wurde von anderen Katzen angegriffen, die ihn nicht an ihr Futter liessen. Er gab ein jämmerliches Bild ab.

Der gute Mann päppelte Kunkush wieder auf und nannte ihn Dias, auf Deutsch Zeus. Ein weiser Entschluss, denn fortan schien der mächtigste aller griechischen Götter sich Kunkushs Schicksal höchstpersönlich anzunehmen. Und zwar in Form von freiwilligen Helfern auf Lesbos, die die verzweifelte Suche der al-Alafs miterlebt hatten. Jetzt war der Kater aufgetaucht, aber die Besitzer weg und so setzten sie ganz auf die sozialen Medien und ihre Reichweite. «Wir kennen so viele Leute, die Dias kennen, finden aber seine Familie nicht», schrieben sie auf Facebook und appellierten an die User, Kunkushs Geschichte und sein Foto zu teilen.

«Wir brauchen einander»

Mitte Februar konnten die Helfer dann tatsächlich Folgendes schreiben: «Dias' Familie wurde in Norwegen ausfindig gemacht. Wir haben Fotos abgeglichen. Sein richtiger Name ist Kunkush und er reagiert auch stark auf den Namen.» Spenden von über 1000 Franken wurden gesammelt, Kunkush mit den nötigen Impfungen versehen – und so ging es nicht lange, bis ein Helfer sich mit dem Kater ins Flugzeug setzte und ins 2000 Kilometer entfernte Steinkjer nach Norwegen reiste, um zusammenzubringen, was zusammengehört. Ein Video zeigt die tränenreiche Wiedervereinigung.

Eine in die Aktion involvierte Helferin bringt es auf den Punkt: «Kunkushs Reise steht im Kleinen für die Not und das Mühsal all jener, die ein besseres Leben suchen. Wir brauchen einander. Ohne all die Menschen, die Kunkushs jammervolle Lage bemerkten und ihn unter ihre Fittiche nahmen, würde es ihm jetzt kaum gutgehen. Aber er blieb nicht unbemerkt und bleibt jetzt unvergessen.»

Deine Meinung