12.02.2015 17:55

DSK-Prozess in Lille

«Wen hast du im Gepäck?»

Dominique Strauss-Kahn musste am Donnerstag im Zuhälterei-Prozess 37 SMS erklären, in denen er Frauen unter anderem als «Material» bezeichnet.

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Dominique Strauss-Kahn verlässt am 16. Februar das Gerichtsgebäude.

Dominique Strauss-Kahn verlässt am 16. Februar das Gerichtsgebäude.

Keystone/AP/Michel Spingler
Gute Laune? Dominique Strauss-Kahn sagt am 12. Februar 2015 zum dritten Mal im Zuhälterei-Prozess aus.

Gute Laune? Dominique Strauss-Kahn sagt am 12. Februar 2015 zum dritten Mal im Zuhälterei-Prozess aus.

Keystone/AP/Michel Spingler
Es ging um 37 SMS, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten zwischen Juni 2009 und Ende 2010 ausgetauscht hatte. Ausserdem musste er sich wegen einer «Junggesellenwohnung» in Paris rechtfertigen.

Es ging um 37 SMS, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten zwischen Juni 2009 und Ende 2010 ausgetauscht hatte. Ausserdem musste er sich wegen einer «Junggesellenwohnung» in Paris rechtfertigen.

Keystone/AP/Michel Spingler

Am Donnerstagmorgen behandelte das Strafgericht im nordfranzösischen Lille die Rolle von Dominique Strauss-Kahn alias DSK als Organisator von Sex-Orgien in Belgien, Frankreich, Spanien und den USA. Dabei wurden vor Gericht 37 SMS vorgelesen, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten — vor allem seinem Kollegen Fabrice Paszkowski — ausgetauscht hatte.

«Wen hast du im Gepäck?», schrieb er etwa im Januar 2010 dem Unternehmer Paszkowski. Oder: «Willst du einen herrlichen Klub in Madrid entdecken, mit mir und Material?» In einer anderen Textnachricht wird eine Frau — die Ex-Prostituierte Jade — als «Geschenk» tituliert.

Die Sprache der Zuhälter

Strauss-Kahn räumte ein, dass dies eine unpassende Wortwahl unter Männern gewesen sei. Er blieb aber dabei, dass es für ihn um «freizügige Frauen» und nicht um Prostituierte gegangen sei, die zu den Partys mitkommen sollten.

Er hob auch hervor, dass einige der Textnachrichten verdeutlichten, dass ihm die Partys vorgeschlagen worden seien und er nicht der Organisator gewesen sei. Diese Verteidigungslinie hatte der frühere sozialistische Spitzenpolitiker bereits in den beiden Vortagen beibehalten.

DSK ist auf alle Fragen gut vorbereitet

Die Anklage der schweren Zuhälterei gegen Strauss-Kahn gründet auf zwei Punkten:

- der Benutzung von «Code-Wörtern» wie «Material» oder «Geschenk» in den Textnachrichten und

- dem Abhalten von Sexpartys in einer «Junggesellen»-Wohnung an der Rue d'Iéna in Paris.

Das wurde während der Verhandlung als nächstes Thema behandelt. DSK meinte dazu, er habe einen «diskreten» Ort für Treffen mit politischen Freunden und mit Frauen gebraucht. Er begründete die Anmietung der Wohnung unter dem Namen eines Freundes damit, dass er damals ein «verheirateter Mann» gewesen sei.

DSK gab entwaffnende Antworten auf die Fragen des Richters. Dieser hatte gefragt: «Wie würden Sie die Abende in der Wohnung beschreiben?» DSK: «Freizügig.»

Richter: «Als man Sie während den Ermittlungen im Fall dazu befragte, sagten Sie aber, dass Sie dort nie freizügige Abende organisiert hätten.» Die Antwort des angeklagten Strauss-Kahn: «Genau, organisiert nicht.»

Wie geht es weiter?

Der Prozess soll noch rund eine Woche dauern. In französischen Medien wird derzeit spekuliert, dass Dominique Strauss-Kahn, der ursprünglich nicht für nächste Woche aufgeboten war, jetzt doch noch einmal vorgeladen wird. Das Urteil wird nicht vor dem 20. Februar erwartet.

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