Tom Lüthi: Wende Dank «Spionage»?
Aktualisiert

Tom LüthiWende Dank «Spionage»?

Tom Lüthi (25) lernt die Kunst der schnellen Runde: Er startet beim GP von –Spanien in Jerez erst zum 24. Mal aus der ersten Startreihe. Dank «Spionage»?

von
Klaus Zaugg
Jerez

Konstant Weltklasse: 3. im Training und im Rennen beim Saisonauftakt in Katar und nun erneut 3. und erste Startreihe in Jerez. 0,582 Sekunden hinter der Bestzeit von Stefan Bradl. Zudem war Tom Lüthi auch bei den Vorsaisontest von allem Anfang an immer unter den ersten drei.

Diese Test- und Trainingskonstanz auf höchstem Niveau ist ungewöhnlich: Gemessen an seinem Talent ist Lüthi im Training nämlich verhältnismässig langsam. Er ist bisher «nur» bei 23 seiner 132 WM-Läufe aus der ersten Reihe gestartet. Zum Vergleich: Der Finne Mika Kallio (26), gegen den der Emmentaler 2005 in einem legendären Zweikampf die 125er-WM gewonnen hat, startete in 116 GP (die 32 MotoGP-Einsätze nicht mitgezählt) 42mal aus der ersten Reihe.

Diese Schwäche hat Lüthi letzte Saison wegen der enormen Leistungsdichte das Leben in der Moto2-WM erschwert: Wer nicht ganz vorne losfahren kann, wird immer wieder in heftige Gefechte verwickelt und in der Zwischenzeit geht vorne geht die Post ab.

Das bedeutet: Dem Weltmeister von 2005 gelang es nur selten, eine schnelle Rundenzeit «hinzuknallen». So wird im Fachjargon die Fähigkeit genannt, im Training eine extrem schnelle Rundenzeit zu fahren. Alles in eine Runde zu investieren.

Genau das hat Lüthi nun offensichtlich gelernt: «Wir haben viel über dieses Problem gesprochen» sagte Lüthis Manager Daniel Epp gegenüber 20 Minuten Online. «Warum es jetzt funktioniert und warum es vorher nicht funktioniert hat, kann ich nicht erklären. Es hat wohl auch mit seinem Selbstvertrauen zu tun.»

Tom Lüthi hat eine eher allgemeine und eine brisante Erklärung. Die eher allgemeine: «Ich fühle mich einfach rundum wohl. Die technischen Voraussetzungen sind erstklassig und im Team kennen wir uns nun im zweiten Jahr auch besser.» Und dann eine brisante: «Letzte Saison war ich bei Moriwaki auf mich alleine gestellt. Wir hatten für die Abstimmung wenig Informationen. Nun fahren wir eine Suter und ich bekomme viel mehr Informationen. Das ist für uns wichtig, weil ich ja keinen Teamkollegen habe, mit dem ich Erfahrungen austauschen kann.»

Zur Präzisierung: Letzte Saison fuhr Lüthi mit dem japanischen Fabrikat Moriwaki, das alle seine Anstrengungen auf den späteren Weltmeister Toni Elias konzentrierte und Lüthi bösartig gesagt, links liegen bzw. fahren liess. Jetzt setzt er das Bike aus der Hightech-Schmiede von Eskil Suter ein. 14 der 40 Moto2-Piloten sitzen hier in Jerez auf einer Suter (auch Dominique Aegerter) und sie belegen die Ränge 3, 4, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 23, 26, 35 und 38. Ein steter Strom von Informationen fliesst Eskil Suter – er ist auch hier vor Ort - in seinem Truck zu. Denn alle Daten der Bikes werden vom Bordcomputer aufgezeichnet (wie die Stellung der Gasschieber, wann gebremst wird, wie stark die Gabel beim Bremsen eintaucht etc.) und von Suter abgespeichert. Es ist für einen Fahrer von unschätzbarem Wert, auf diese Informationen zurückgreifen zu können.

Die Wende im Training also dank Spionage? «Nein, nein» wehrt Lüthi gegenüber 20 Minuten Online ab. «Wir haben natürlich keine offenen Zugriff auf die Daten der Konkurrenz. Aber wir bekommen von Eskil Suter wertvolle Informationen.»

Womit wir das Wort Spionage in diesem Zusammenhang wohl in Anführungszeichen setzen müssen und keine Skandal-Ausrufenzeichen verwenden dürfen.

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