Aktualisiert 09.03.2019 15:36

Auto-Salon Genf 2019

Wenig Verrücktes, viel Konkretes

Genf war seit jeher die Messe, die die Hersteller zum Träumen anregte. In diesem Jahr sind kaum ausgefallene Studien zu sehen, dafür handfeste Denkansätze für die Mobilität von morgen.

von
Dave Schneider
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Der Pal-V Liberty mit einklappbaren Rotoren fand in Genf nur wenig Beachtung, schliesslich stand dieses fliegende Vehikel so oder so ähnlich schon an mehreren Messen.

Der Pal-V Liberty mit einklappbaren Rotoren fand in Genf nur wenig Beachtung, schliesslich stand dieses fliegende Vehikel so oder so ähnlich schon an mehreren Messen.

Lab/Werk
Bugatti La voiture noireUnd auch das an das Batmobil erinnernde Geschoss mit 1500 PS und sechs Auspuffrohren ist keine verrückte Studie, sondern ...

Bugatti La voiture noireUnd auch das an das Batmobil erinnernde Geschoss mit 1500 PS und sechs Auspuffrohren ist keine verrückte Studie, sondern ...

Lab/Werk
...ein strassenzugelassenes Gefährt, das als Auftragsarbeit für einen Kunden gebaut wurde – zum stolzen Preis von 11 Millionen Euro.

...ein strassenzugelassenes Gefährt, das als Auftragsarbeit für einen Kunden gebaut wurde – zum stolzen Preis von 11 Millionen Euro.

Lab/Werk

Ein Auto, das fliegen kann – was früher ein völlig abgehobener Traum war, ist heute technisch längst keine Herausforderung mehr, und so findet der Pal-V Liberty mit einklappbaren Rotoren nur wenig Beachtung, schliesslich stand dieses fliegende Vehikel so oder so ähnlich schon an mehreren Messen. Und auch das an das Batmobil erinnernde Geschoss mit 1500 PS und sechs Auspuffrohren ist keine verrückte Studie, sondern ein strassenzugelassenes Gefährt, das bereits verkauft wurde.

Irgendwie hat die Gegenwart inzwischen die Zukunft eingeholt, oder den Herstellern gehen langsam die Ideen aus – jedenfalls sind an der diesjährigen Genfer Messe nur wenig ausgefallene Spielereien zu sehen; die meisten Concept Cars bilden die (teileweise) selbstfahrende Elektromobilität von morgen in ganz konkreten Denkansätzen vorweg. Und natürlich sind da zahlreiche Design-Studien, die immerhin die Messebesucher zum Träumen anregen.

Der Pininfarina Battista ist ein echter Hingucker

Wenn es um Auto-Design geht, gehört der Name Pininfarina unweigerlich dazu. Das erst letztes Jahr gegründete Unternehmen Automobili Pininfarina aber will Hochleistungs-Elektrosportwagen bauen – und tut das auch, wie der noch als Studie deklarierte, nach dem Firmengründer Battista «Pinin» Farina benannte Bolide beweist, der in Genf zu bestaunen ist.

Der Pininfarina Battista ist ein echter Hingucker, soll sagenhafte 1900 PS leisten, 2300 Nm Drehmoment generieren und dank vier Elektromotoren in unter zwei Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Mit einer vollen Batterieladung soll der Battista 450 Kilometer weit kommen – und natürlich deutlich weniger weit, wenn man die irre Beschleunigung richtig auskostet. Der Preis für den Elektro-Schocker ist noch nicht bekannt, doch Automobili Pininfaria will ab 2020 genau 150 Exemplare des Battista fertigen.

Darin scheint sich die Autoindustrie einig zu sein: Dereinst werden wir in selbstfahrenden Shuttles unterwegs sein, zumindest in urbanen Gebieten sowie auf der Autobahn. Konzepte dazu schiessen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden, am Genfer Salon hingegen sind diesbezüglich kaum neue Beispiele zu sehen. Immerhin, die Schweizer Firma Rinspeed um Autovisionär Frank Rinderknecht zeigt den bereits in Las Vegas vorgestellten Micro Snap, der die Idee einer fahrenden Plattform mit austauschbaren Kabinen auf ein kleineres Format skaliert.

Das deutsche Start-up e.GO stellt Ideen zu selbstfahrenden Bussen aus. Und das bulgarische Unternehmen Sin Car zeigt, wie sie die Idee eines elektrischen Lieferwagens umsetzen wollen. Der L-City soll eine Reichweite von 150 Kilometern schaffen und ab 2020 in die Serienproduktion gehen – Firmengründer Rosen Daskalov spricht von einer jährlichen Kapazität von rund 20'000 Einheiten.

Und die grossen Autohersteller?

Viele zeigen in Genf bereits seriennahe Studien von Elektroautos, die schon bald auf den Markt kommen werden, da ist nur wenig Platz für visionäre Träumereien. Immerhin, Kia gibt sich mit dem Concept Car Imagine etwas verspielt: Der komplett verchromte Elektro-Crossover mit nicht weniger als 21 Bildschirmen im Cockpit soll zeigen, dass die Elektromobilität von morgen auch emotional sein kann. Nissan wagt mit der Design-Studie IMq einen Ausblick auf den nächsten Qashqai. Spannend: Das Concept Car ist mit einem Elektroantrieb plus Benzinmotor, der als Range Extender fungiert, ausgestattet – ein ähnliches Hybridkonzept also, wie es Konkurrent Honda bereits heute einsetzt.

Mitsubishis Studie mit dem witzigen Namen Engelberg Tourer ist ein riesiger SUV mit Plug-in-Hybridantrieb. Und Seat zeigt mit dem Minimó, wie die Elektromobilität in der Stadt sinnvoll wäre: Der winzige Kabinenroller im Stil eines Renault Twizy hat einen Austausch-Akku an Bord, der in Minuten gewechselt werden kann. Damit soll der spanische E-Flitzer vor allem für Car-Sharing-Unternehmen spannend sein.

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