Aktualisiert 14.11.2011 18:35

VorsorgeWenig Vertrauen in Versicherungen

Über 40 Prozent der Schweizer zweifeln, dass sie ihr versichertes Geld je wiedersehen werden. Dabei sind Vorsorgeprodukte die verlässlichere Anlage als Bankguthaben.

Versicherungskonzern Swiss Life: Viele Versicherten gehen davon aus, dass sie das Geld aus ihrer Vorsorge nie ausgezahlt bekommen werden.

Versicherungskonzern Swiss Life: Viele Versicherten gehen davon aus, dass sie das Geld aus ihrer Vorsorge nie ausgezahlt bekommen werden.

40 Prozent der KMU und 45 Prozent der Privatpersonen in der Schweiz gehen nicht oder eher nicht davon aus, dass die Versicherer ihre abgegebenen Garantien langfristig werden halten können. Dies hat eine Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young ergeben. 500 kleine und mittelgrosse Unternehmen (KMU) sowie 500 Privatpersonen sind dazu befragt worden.

Allerdings sagten auch neun von zehn Unternehmen, dass sie ihre Vorsorgeeinrichtung als sicher einstufen. Laut Ernst & Young deutet dies darauf hin, dass die Öffentlichkeit zu wenig über Versicherungen und Vorsorgethemen weiss, obwohl bei den Befragungen die Mehrheit jeweils sagte, gut informiert zu sein.

Viel sicherer als Bankguthaben

Vorsorgeprodukte seien viel besser abgesichert als Bankguthaben, sagte Ernst-&-Young-Experte Thomas Brotzer bei der Vorstellung der Studie am Montag in Zürich: «Beim Konkurs eines Versicherers würden die Vorsorgevermögen herausgelöst und der Finma übertragen - Bankguthaben sind aber nur bis 100 000 Fr. gesichert.»

Auch dank der seit Anfang Jahr geltenden Kapitalvorschriften für Versicherer, des «Swiss Solvency Test» (SST), könnten Kunden eigentlich beruhigt schlafen. Der SST bilde die eingegangenen Garantien der Versicherer nach ökonomischen Gesichtspunkten ab. Laut Brotzer geniessen die Vorsorgegelder in vielen Punkten fast so etwas wie ein AAA-Rating.

Nur 70 Prozent haben eine private Vorsorge

Ausdruck dieses mangelnden Vertrauens in die Versicherer sei aber, dass ein grosser Teil der Bevölkerung keine private Vorsorge habe, hält das Beratungsunternehmen fest. Die Umfrage förderte zutage, dass nur 70 Prozent über ein privates Versicherungs- oder Vorsorgeprodukt verfügten.

KMU favorisieren laut der Umfrage die Vollversicherung, wo sie die Bewirtschaftung der Vorsorgevermögen ihrer Mitarbeiter und damit auch deren Risiken vertraglich an eine private Versicherungsgesellschaft auslagern. 93 Prozent beurteilen eine solche Versicherungslösung als positiv.

Der Trend zur Vollversicherung ist laut Vorsorgespezialist Brotzer ungebrochen. Viele KMU wären sogar darauf angewiesen: «Einige Unternehmen können sich der Vollversicherung aber nicht anschliessen, weil ihre Vorsorgeeinrichtung in Unterdeckung ist», sagte er.

Weil die Versicherer bei der Vollversicherung einen Deckungsgrad von mindestens 100 Prozent zur Voraussetzung für einen Vertrag machen, müssten die KMU ihre Finanzierungslücken zuerst ausfinanzieren. «Dazu fehlt aber häufig das Geld», so Brotzer.

Kunden wollen Garantien

Dabei ist nach den Ergebnissen der Ernst-&-Young-Befragung unbestritten, dass die Kunden Garantien wollen. Von den KMU sagten 81 Prozent, das sie einen garantierten Zins ohne Unterdeckung einer hohen Rendite ohne volle Garantien vorziehen würden. Bei den Privatpersonen wollten 84 Prozent eine Lebensversicherung mit garantierten Zinsen. (sda)

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