Fussballer-Löhne: Wenige Könige, aber viele Bettler
Aktualisiert

Fussballer-LöhneWenige Könige, aber viele Bettler

Nur wenige Profis in der Axpo Super League können nach der Karriere vom Ersparten leben, ohne arbeiten zu müssen.

von
Andy Huber

Edmond Isoz, Senior Manager der Super League, ist sicher: «Die Mehrheit unserer Spitzenfussballer kassiert nicht mehr als ein Durchschnittsverdiener in der Privatwirtschaft.» Natürlich gebe es Spitzensaläre in Basel mit Topverdiener Alex Frei (geschätztes Gehalt 1,7 Mio. Franken) und Co. oder bei YB mit Raúl Bobadilla (1 Mio.) oder beim FCZ, wo die Löhne deutlich 200 000 Franken übersteigen, «doch der grosse Rest muss mit viel weniger auskommen», betont Isoz.

Dies bestätigt Thun-Trainer Bernard Challandes: «Bei uns kann ein Routinier in einem guten Monat inklusive Prämien auf höchstens 9000 Franken kommen.» Die Saläre der jüngeren Spieler würden sich hingegen auf 5000 Franken oder noch weniger belaufen. Bei Servette kommt man pro Nase auf 7000 Franken.

Viele zwingt das dazu, einem Nebenjob nachzugehen. So etwa Lausanne-Goalie Anthony Favre, der zu 30 Prozent in einem Architekturbüro arbeitet. Doch beklagen will er sich nicht. «So halte ich einen Fuss im Berufsleben und komme auf andere Gedanken», sagt Favre gegenüber «Le Matin». Aber natürlich schielt auch er ein wenig neidisch über die Grenzen, wo die Kollegen ein dickes Bankkonto haben. So liegt der Jahreslohn gemäss Isoz in der Ligue 1 im Schnitt etwa bei 700 000 Franken, in der Bundesliga bei 1 Million. Isoz: «In der Super League sind es brutto lediglich 80 000 bis 120 o00 Franken.»

Die Gründe dafür? «Es gibt viele», sagt Isoz: «In der Schweiz ist beispielweise der Nährboden fürs Marketing wegen unserer Dreisprachigkeit dünn gesät. Zudem hat der Fussball in der Sponsorensuche viel Konkurrenz vom Eishockey.» Der grosse Unterschied zu Europas Topligen sei aber bei den TV-Geldern auszumachen. In unseren Nachbarländern generieren die Klubs so 50 bis 60 Prozent ihres Budgets – in der Schweiz sind es nur 5 bis 10 Prozent. Daran ändert der neue TV-Vertrag, der 28 Millionen Franken pro Saison garantiert (bisher 10 Millionen), kaum etwas.

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